Buchtipp (7. Januar 2018)

Deutsches Dachdeckerhandwerk – Regeln für Abdichtungen

- mit Flachdachrichtlinie -

Eine Regel, man kann auch Vorschrift dazu sagen, ist immer nur so gut, wie aktuell sie gehalten wird. Allgemein übliche Verfahrensweisen setzen sich in der Praxis vor allem dann durch, wenn sie detailliert angewendet werden, so dass sie bekannt sind. Diffizile Fälle, hierzu zählen die „Regeln für Abdichtungen“, gehören schon deshalb in die Hände von Fachleuten, damit es mit der Dichtheit auch funktioniert. Vor nicht allzu langer Zeit schrieb ich über den trockenen Keller. Was nützt aber ein trockenes Kellergeschoss, wenn das Dach undicht ist?

Das arme geschundene Dach, das ständig der Witterung ausgesetzt ist, soll doch tatsächlich rund um die Uhr dicht sein. Noch dazu bei steigenden Wetterkapriolen: unglaublich! Damit das klappt, braucht man die angesprochenen Regeln und natürlich handwerkliches Können. Frost und der dazugehörige Tauwechsel, reichlich Wasser sowie extreme Hitze stellen die Dachmaterialien vor große Herausforderungen, die sie jederzeit erfüllen müssen. Das deutsche Dachdeckerhandwerk sorgt dafür, dass die Regeln auf dem neuesten Stand formuliert sind. Hierzu zählt natürlich auch die Flachdachrichtlinie. Im November 2017 wurden die neuesten Änderungen eingearbeitet. Ein begrüßenswerter Anlass für den Rudolf Müller Verlag, die Regeln in ein druckfrisches Werk zu pressen.

Eines vorweg: Die neue Flachdachrichtlinie gilt als anerkannter Stand der Technik. Wobei sich dieser ständig weiterentwickelt. Es handelt sich um Regeln, die in der Wissenschaft als theoretisch richtig anerkannt sind. Experten streiten sich gelegentlich um die Begriffedeutung. Es gibt letztendlich keine gesetzliche Definition für die Begriffe "anerkannter Stand der Technik" bzw. „anerkannte Regeln der Technik". Der Stand der Technik ist nach Auffassung vieler Rechtsanwender fortschrittlicher und dynamischer als die Regeln der Technik, weil er eine schnellere Durchsetzung des technischen Fortschritts erlaubt. Eine Missachtung derselben gilt bereits als Baumangel. Nachbesserung und Gewährleistungen sind häufig die teuren Folgen. Wer glaubt, er bekommt sein Dach auch anders dicht, gerät schnell in Erklärungsnot, vor allem dann, wenn es undicht wird! Die Urheber der Regelwerke kennen diesbezüglich keinen Spaß!

Am 1. November 2016 habe ich über die Vorgängerausgabe geschrieben. Ein Jahr später liegt bereits die modifizierte Fassung vor. Was gibt es nun Neues? Eine Frage, die viele Dachbesitzer und zukünftige Dacheigentümer umhertreiben dürfte. Werfen wir einen Blick hinein in die handliche Broschur. Bekanntlich ein Druckwerk mit einem Umschlag aus Papier ohne Einbanddeckel.

   

Einige Abschnitte der „Fachregel für Abdichtungen“ wurden geändert und anschaulicher abgefasst. Die „Flachdachrichtlinie“ trägt jetzt aktuell den Zusatz „mit Änderungen November 2017“. Die kurze Folge zur Ausgabe von 2016 lässt so die Unterscheidung auf einen Blick sichtbar werden. Darüber hinaus wurden die „Hinweise Holz und Holzwerkstoffe“ sowie das „Produktdatenblatt Wärmedämmstoffe“ aktualisiert, selbstredend mit dem Ausgabedatum November 2017. Auf einen Fauxpas muss allerdings hingewiesen werden: In der DVD Version 6.3 fehlte versehentlich die „Fachregel für Dachdeckungen mit Faserzement-Wellplatten“. Die Berichtigung samt neuer Online-Version für das Komplett-Paket ist für Abonnenten nun abrufbar.

Das Kompendium bietet sämtliche relevanten Hinweise, Merkblätter und Produktdatenblätter, die für die Ausführung von Dachabdichtungsarbeiten wichtig sind. Neu eingearbeitet sind:
- die Fachregel für Abdichtungen - Flachdachrichtlinie - (12/2016 mit Änderungen November 2017),
- die Hinweise Holz und Holzwerkstoffe (11/2017),
- das Produktdatenblatt für Wärmedämmstoffe (11/2017) sowie
- eine umfassende Normenübersicht im Arbeitsgebiet des Dachdeckerhandwerks 09/2017).

Vorteile des Taschenbuches:
- ein schneller und übersichtlicher Zugriff auf sämtliche technischen Richtlinien rund um die Dachabdichtung.

Auf einen Regelwerk-Konflikt sei an dieser Stelle jedoch hingewiesen, den die Planer und Architekten im Auge behalten solten! Das Regelwerk für die Abdichtung von Dächern bestand ursprünglich aus der DIN 18531, Ausgabe 05/2010, und der Flachdachrichtlinie, Ausgabe 10/2008. Sie beinhalteten die gleichen Planungskonzepte und ergänzten sich in sinnvoller Weise. Zusammen galten sie als „anerkannte Regeln der Technik“ und stellten somit eine verlässliche Planungs- und Ausführungsgrundlage dar. Das hat sich mit den Neuausgaben der Flachdachrichtlinie vom Dezember 2016 sowie 2017 und der DIN 18531 vom Juli 2017 scheinbar unwiderruflich geändert.

In der Flachdachrichtlinie gibt es keinen Verweis mehr auf die DIN 18531 und es sind wesentliche Planungsrundsätze der Vorgängerausgabe nicht mehr enthalten. Somit kommt es in beiden Regelwerken an ausgewählten Stellen zu unterschiedlichen Regelungen. Die Planung einer Dachabdichtung nach der neuen Flachdachrichtlinie kann somit zu Abweichungen von den Regeln der neuen DIN 18531 führen. Des Weiteren kann es bei der Planung nach der neuen DIN 18531 zu Abweichungen von oder gar zu Widersprüchen zu den Regelungen der Flachdachrichtlinie kommen. Eine Absurdität, die das Bauen erschwert!

Ein Vergleich zur Politik sei an dieser Stelle erlaubt. Wenn die linke Hand nicht weiß, was die rechte macht! Beide autarken Gremien, Normenausschüsse und Dachdeckerhandwerk, gehen scheinbar unterschiedliche Wege, um ein Ziel zu erreichen, ein dichtes Dach! Insgesamt keine gute Entwicklung! Der Dacheigentümer, der obendrein noch alles bezahlen soll, muss mit den Folgen leben!

Fazit: Die Fachregeln für Abdichtungen (Flachdachrichtlinie), deren Vorgänger das erste Mal im Jahre 1962 erschienen sind, liegen nun modifiziert mit Stand November 2017 vor. Kompaktes Fachwissen angehäuft, überarbeitet und konkretisiert in über 55 Jahren. Eine sogenannte Pflichtlektüre, um die kein Dachdecker herumkommt! Regelgerechtes Bauen eines Daches erklärt sich vor allem in der fehlerlosen Detailausbildung und im passenden Dachgefälle (= oder >2 Prozent). Stehendes Wasser verursacht mitunter große Dachschäden!

Allein die Normenflut über das Dach (Stand: September 2017) über 34 Druckseiten offenbart die Wertigkeit und Komplexität des oberen Bauteiles eines Gebäudes. So manches Dach hat in dieser Zeit seinen Geist aufgegeben! Der Kenntnisstand über das Dach ist schon faszinierend. Den alleinigen Know-how-Anspruch sollte aber keiner erheben! Wer sich konstruktiv mit der Fachmaterie auseinandersetzt, wird Freude an seinem Dach haben. Obwohl es ja eigentlich bloß dicht sein muss. Genau dieses Ziel zu erreichen, sollte der bescheidene Anspruch sein! Dipl.-Ing. (FH) Uwe Morchutt

Deutsches Dachdeckerhandwerk – Regeln für Abdichtungen
– mit Flachdachrichtlinie –

Stand Dezember 2016 mit Änderungen November 2017
Hrsg.: Zentralverband des Deutschen Dachdeckerhandwerks – Fachverband Dach-, Wand- und Abdichtungstechnik – e.V. (ZVDH)
7., aktualisierte Auflage 2017. 17 x 24 cm. Broschur. 350 Seiten.
62 Euro
49 Euro - Vorzugspreis für Mitgliedsbetriebe des ZVDH
ISBN 978-3-481-03697-3
Verlagsgesellschaft Rudolf Müller GmbH & Co. KG., Köln
URL: www.baufachmedien.de