Buchtipp (17. November 2017)

Kellersanierung – Ratgeber für die Praxis
Schäden erkennen, bewerten, sanieren

Mit oder ohne Keller bauen, heißt die oft gestellte Frage? Wer einen Keller hat, der möchte ihn vor allem sinnvoll nutzen. Die Zeiten, wo der Keller nur zur Lagerhaltung verwendet wurde, sind allemal vorbei. Mit der erhöhten Nutzung, einhergehend mit der Beheizung, beginnen aber in der Regel auch schon die Probleme eines Kellers. Weil er baulich nicht für diese Zwecke erstellt wurde. Der Keller wird feucht! Insbesondere deshalb, weil seine Wände im erdberührten Bereich liegen. Entscheidend ist hierbei eine funktionstüchtige Abdichtung der Wände. Darüber hinaus ist die Wandoberflächentemperatur oftmals zu gering, so dass sich Kondenswasser bilden kann. Hier sollten die gesetzlichen Vorgaben für Wärmedämm-Maßnahmen überprüft werden.

Oder es haben sich die Grundwasserverhältnisse im Vergleich zur Errichtung verschlechtert. Das Wasser drückt in den Keller! Ebenso treten verstärkt Starkregen auf, die die Keller überschwemmen. Diese Feuchtigkeit jemals wieder komplett herauszubekommen, ist eine Kunst für sich. Feuchte Keller gehören deshalb zu den am häufigsten und kostenaufwendigsten Sanierungsfällen im Gebäudebestand. Soll das Gebäude eine Zukunft haben, sollte die Feuchtigkeit reduziert werden. Alte Keller dürfen schon etwas feuchter sein, belegen diverse Gerichtsurteile. Es gilt demnach nicht als Mangel! Warum sind die meisten Keller zu feucht? Was kann man dagegen tun?

   

Was für ein Zufall aber auch, da fällt mir doch sprichwörtlich die „Kellersanierung – Ratgeber für die Praxis“ in die Hände. Professionelle Hilfe für die Trockenlegung naht! Robert Graefe, der Autor, zeigt in seiner Abhandlung, wie man systematisch an die Sanierung von Kellerräumen herangeht. Nah an der Praxis beschreibt er den Ablauf von der Bauwerksdiagnostik, über die Auswahl der passenden Sanierungsverfahren bis hin zur regelgerechten Ausführung, um hinterher den Erfolg zu sehen.

Im Vorwort spricht der Autor zwei wesentliche Faktoren aus, die dem Keller schwer zu schaffen machen. Der Keller ist das Gebäudeteil, welches die meiste Last zu tragen hat. Auf der einen Seite drückt die Gebäudelast und auf der anderen Seite der seitliche Erddruck. Darüber hinaus sind rund 90 Prozent des Gebäudebestandes älter als zehn Jahre alt. Mit den Jahren kommen die Gebrechen, ähnlich wie beim Menschen! Weil Baufehler eine Weile brauchen, um zu Schäden zu führen! Deshalb muss der Keller, der saniert werden soll, diagnostiziert werden, um zu erfahren, woher eigentlich die Probleme herrühren. Erst wenn die offensichtlichen Usachen herausgefunden wurden, kann die geeignete Sanierung erfolgen.

Nach einer interessanten Einleitung über die Geschichte des Kellers, gelangt Graefe schnell zur Notwendigkeit einer Kellersanierung. Gleich danach geht es zur Sache: Die Voruntersuchung vor Ort. Eine erfahrene Nase würde jetzt sagen, immer dem Geruch nach. Die Feuchteschäden machen sich bemerkbar durch ihren typischen Duft, den man nicht so schnell vergisst. Ausgebildete Schimmelhunde belegen diese Hypothese. Die Feuchte wird an den Schadensbildern gut sichtbar. Graefe präsentiert genau diese typischen Schadensbilder, so dass der Betrachter sieht, wozu überschüssige Feuchtigkeit führt. Anhaltende Feuchte lädt auch immer winzigkleine Mitbewohner ein, um es sich im Keller gemütlich zu machen. Außer man stöbert sie auf, um sie zu vertreiben.

Mit der Baudiagnose kommen wichtige Erkenntnisse an das Tageslicht, wie z.B. die statischen Gegebenheiten, Aufbau und Zustand des Mauerwerks, verwendete Mörtelart, Feuchtegehalt und Salzbelastung des Mauerwerks, Bodenverhältnisse, die gebäudenahe Bebauung und die künftige Nutzung. Ein Sammelsurium an Fakten, die letztendlich in die einwandfreie und wirtschaftliche Sanierung führen.

Drei große Bereiche bestimmen in der Regel die Sanierung. Die vertikale Abdichtung von außen, die von innen und die horizontale Abdichtung. Oftmals sehr aufwendig weil das Erdreich Platz schaffen muss. Die Abdichtung von innen ist einfacher, aber mit bauphysikalischen Risiken verbunden. Graefe schildert die aktuell bekannten Sanierungsmethoden ausführlich und mit den bibliografischen Möglichkeiten, die die Baupraxis parat hält. Bilder und Grafiken ergänzen das Gesagte anschaulich, um es ins rechte Licht zu rücken. Gebündelt in den drei Hauptkapiteln verweist der schreibende Baupraktiker auf die komplexen Zusammenhänge bei Schäden im Kellerbereich und betont die Notwendigkeit eines sinnvollen Sanierungskonzeptes, um Fehler zu vermeiden, die wiederum zu Bauschäden führen könnten.

Die wachsende Nutzung von Kellerräumen zu Wohnzwecken verlangt viel Fachwissen. Mehr hierzu in Kapitel sieben. Ein Themenbereich daraus: ausreichend lüften und heizen!

Fazit: Wer sich seit Jahrzehnten mit dieser Problematik befasst, wie der Rezensent, der kennt die zögerliche Umsetzung der eingeführten Regeln der Technik in die Regelwerke. Mit der neu geschaffenen Terminologie-Norm 18195 „Abdichtung von Bauwerken“ ist nach vielen Jahren jetzt die DIN 18533 „Abdichtung von erdberührten Bauteilen“ publiziert worden. Der Autor hat diesen Aspekt natürlich mit einfließen lassen. Die Dichtungsschlämmen, die seit Jahrzehnten vor allem im Sockelbereich erfolgreich eingesetzt werden, sind nun auch DIN-konform. Die Zeit regelt letztendlich fast alle Probleme!

Die 2., aktualisierte und erweiterte Auflage bietet im Gegensatz zur ersten Ausgabe zusätzliche Schadensbilder und Kostenbeispiele für Sanierungsmaßnahmen, die für den Interessenten einen Wissenszuwachs garantieren. Ein Themengebiet, das in der jüngeren Vergangenheit und in der Zukunft für intensiven Gesprächsstoff sorgte und sorgen wird, hat zudem auch Einzug in das nützliche Fachwerk gefunden. Die Zunahme von Hochwassergefahren und Starkregen sind inzwischen reale Gefahrenpotentiale für unsere Kellergeschosse, die bei der Sanierung und auch bei der Errichtung von Neubauten Berücksichtigung finden müssen. Es gibt leider ausgewiesenes Bauland, das sich nicht zum Bauen eignet! Der moderne Mensch hat eine große Verantwortung gegenüber den Bestandsbauten. Gibt es etwas Schöneres als einen trockenen Keller? Einmal nicht dem Geruch nach! Dipl.-Ing. (FH) Uwe Morchutt

Bibliografische Daten:
Kellersanierung – Ratgeber für die Praxis
Schäden erkennen, bewerten, sanieren
Von Robert Graefe.
2., aktualisierte und erweiterte Auflage 2017. 17 x 24 cm. Gebunden. 220 Seiten mit 174 farbigen Abbildungen und 35 Tabellen.
59 Euro
ISBN Buch: 978-3-481-03680-5
ISBN E-Book (PDF): 978-3-481-03681-2
Verlagsgesellschaft Rudolf Müller GmbH & Co. KG., Köln
URL: www.baufachmedien.de