Buchtipp (21. März 2017)

Altbausanierung – Ratgeber für die Praxis
Richtig planen und ausführen

Wenn ein gelernter Maurer und Betonbaumeister ein Buch über die Altbausanierung verfasst, hat die Sache Hand und Fuß. Oder in der Bausprache ausgedrückt: ein funktionstüchtiges Fundament und ein dichtes Dach. Altbauten: Wer kommt da nicht ins Schwärmen? Oder etwa ins Grübeln? Die überwiegende Mehrheit der Gebäude sind nun einmal Altbauten. Ihr Zustand ist aber immer auch abhängig vom einstigen Neubaustandard. Damit ein Neubau ein ansehnlicher Altbau wird, muss er in hoher Qualität errichtet worden sein. Aus einem miserablen Neubau wird ein lausiger Altbau, in dem wahrlich keiner wohnen möchte.

Robert Graefe, der Autor, versteht also sein Handwerk, um die Altbauten nicht nur ansehnlicher zu machen. Nein, vor allem auch behaglicher, so dass man hier gern wohnt. Der Untertitel verrät bereits, worauf es ihm beim Bauen tatsächlich ankommt. Richtig planen und ausführen. Sollte man übrigens auch beim Neubau ausprobieren! Wenn das Bauen doch nur immer so einfach wäre? Jeder, der sich mit der Baumaterie intensiver befasst, weiß, dass es leider nicht so ist. Werfen wir also einen Blick in das Buch, um etwaige Verstöße gegen die Bauregeln auszuschließen. Ein Altbau hätte sicher viel zu erzählen, wenn er sprechen könnte. So müssen es die Fachleute übernehmen, damit der Altbau seinen alten Glanz zurückbekommt.

   

Graefe überschreibt sein Vorwort mit „Der Altbau als Sanierungsherausforderung und Kostenfalle.“ Was viel über die Herangehensweise der Altbaubesitzer besagt. Allzu oft trifft nämlich der Begriff „blauäugig“ den wahren Kern, ein Sanierungsabenteuer übereilt zu beginnen! Beim Kauf eines Autos wird mehr Akribie in das Objekt der Begierde gelegt, als bei der Sanierung eine Altbaues. Selbst Fachleute lassen sich von dieser Mentalität anstecken, obwohl sie es eigentlich besser wissen müssten. Die überteuerte Sanierung trägt ja der Bauherr! Richtig planen heißt u.a., sich mit den Baumethoden des Altbaues zu seiner Entstehungszet zu befassen. Insbesondere dann, wenn keine Baupläne vorhanden sind!

Der Praxisratgeber startet mit dem hehren Gedanken, eine fachgerechte und wirtschaftliche Sanierung von Bestandsbauten aufzuzeigen. Die Schwerpunkte liegen auf mängelfrei, im Rahmen der Kalkulation und einer termingerechten Fertigstellung. Eigentlich ganz normale Forderungen, die aber in der Praxis schwer zu finden sind. Wenn es nach dem Internet geht, kann heute schließlich jeder bauen. Einen Seitenhieb, dass dort viel Halbwissen verbreitet wird, kann sich der Autor demzufolge nicht verkneifen. Ganz nach dem Motto: Was erst einmal in den Köpfen ist, bekommt man so schnell nicht wieder heraus!

Das Buch beginnt mit einer Einführung in die Altbausanierung. 39 Druckseiten über die Merkmale einer Modernisierung. Überaus wichtige Grundlagen, womit man es zu tun bekommt, und worüber man sich informieren sollte, bevor man überhaupt anfängt. Ich nenne hier nur stellvertretend wichtige Bauformen und Baualtersstufen. Wer jetzt noch ernsthaft gewillt ist, immer noch sanieren zu wollen, der kann getrost das nächste Kapitel aufschlagen.

Wie bei der Errichtung eines Neubaus laufen jetzt die Arbeitsschritte ab, die es benötigt, ein Bauwerk funktional fertigzustellen. Dem Baufortschritt folgend erfährt der Interessent alles Wissenswerte über die Gründung, den Keller sowie über die Fassaden und Außenwände. Alles bekanntermaßen Gebäudeteile, die ständig oder über lange Zeiträume dem Wasser ausgesetzt sind. Schäden und Schadensbilder, je nach Baualter und Bauqualiät, sind deshalb vorprogrammiert, die es zu beseitigen gilt, wenn der Altbau eine Zukunft haben soll. Risse in den Außenwänden deuten beispielsweise auf Mängel im Fundament hin, die allseits bekannten Setzungsrisse. Ebenso die oftmals anzutreffenden Feuchteschäden, die auf undichte oder verschlissene Abdichtungen schließen lassen. Ganz alte Gebäude besitzen gar keine Abdichtung, weil sie erst um 1920 eingebaut wurden. Wer nachhaltig sanieren will, muss deshalb zuerst die Ursachen für die Bauwerksmängel beseitigen.

Hilfreich und nützlich zugleich sind die vom Autor, jeweils zum Ende eines Kapitels, gesetzten Kostenkennwert-Übersichten, so dass der Sanierer sich ein gutes Bild davon machen kann, was die einzelne Maßnahme denn kosten wird. Natürlich nur für solche Arbeiten, die nach den Regeln der Technik anerkannt sind. Beim Fundament käme hier eine Unterfangung ebenso in Betracht wie das Injektionsverfahren, um die Gründung zu stabilisieren. Manchmal kann schon ein Bodengutachten helfen, um Probleme zu beheben! Text und Bilder, das gilt übrigens für das ganze Werk, sind von den Machern des Buches insgesamt sehr gut abgestimmt, so dass der Nutzer einen ausgezeichneten Eindruck von der jeweiligen Fachspezifik erhält. Eine Detailzeichnung lässt sich nun einmal schwerlich in Worte fassen! Ich denke hierbei vor allem an die korrekte Ausbildung einer Bauwerksabdichtung.

Modernisieren heißt aber immer auch, die neuesten Bauanforderungen umzusetzen. Heute wird schließlich energetisch saniert. Was vor 50 Jahren kaum vorstellbar war, wird heute im Sinne der Energie-Einspar-Verordnung baulich umgesetzt. Anhand der Fenster zeigt der Autor eindrucksvoll, wie die energetische Entwicklung insgesamt vorangeschritten ist. Nur zwei Parameter, der Wärme- und Schallschutz, sollen diese These beispielhaft untermauern.

Die Sanierungsreise geht aber noch weiter. Das Dach und der Dachausbau, die Innenwände und Innentüren, die Geschossdecken und Böden sowie die Treppen bekommen die Aufmerksamkeit, die sie verdienen, um die Sanierung komplett zu machen. Bevor der Anhang das Fachwerk sinnvoll abrundet, nimmt sich der Autor noch Zeit für die Gebäudetechnik. Schließlich will heute jeder von der neuesten Technik profitieren, auch wenn die Gebäudesubstanz von gestern ist. Der Gesetzgeber postuliert zudem, die veraltete Heizungsanlage fristgerecht zu erneuern. Was übrigens auch für die Elektro- und Lüftungsanlage gilt. Wer will schon im sanierten Altbau im Dunklen sitzen?

Fazit: Robert Graefe hat mit diesem Werk einen beeindruckenden Praxisratgeber auf den Markt gebracht. Obwohl ein harter Wettbewerb auf diesem Sektor einhergeht, bin ich sicher, dass dieses Fachwerk seine Liebhaber finden wird. Verständlich und leicht nachvollziehbar, obendrein noch visuell anschaulich bekleidet, bietet die „Altbausanierung“ alles Wichtige, was man benötigt, um die Sanierungsherausforderung nicht zur Kostenfalle werden zu lassen. Ein wertvoller Buchtipp für Baupraktiker, Bauherren und Bauplaner, die über eine gesicherte Schadensanalyse das richtige Sanierungsverfahren auswählen und anwenden wollen. Die Millionen Altbauten in Deutschland haben einen fachlich korrekten Umgang verdient, damit sie der Nachwelt nicht nur optisch ansehnlich berichten können, seit der gelungenen Sanierung wollen mich plötzlich alle besuchen kommen. Dipl.-Ing. (FH) Uwe Morchutt

Bibliografische Daten:
Altbausanierung - Ratgeber für die Praxis
Richtig planen und ausführen
Von Robert Graefe.
2017. 21 x 24 cm. Gebunden. 252 Seiten mit 189 Abbildungen und 45 Tabellen.
59 Euro
ISBN Buch: 978-3-481-03508-2
ISBN E-Book: 978-3-481-03509-9
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