Buchtipp (21. Dezember 2016)

Brandenburgische Bauordnung im Bild
Praxisgerecht kommentiert und grafisch umgesetzt

Der Föderalismus in Deutschland (Artikel 20 des Grundgesetzes) beinhaltet einen politischen Grundsatz, wonach den einzelnen Bundesländern eine größtmögliche Eigenständigkeit zugestanden wird. Diese Art der Selbstbestimmung finden wir beispielsweise im Bereich der Bildung, der Polizei und des Bauwesens, so dass es von Bundesland zu Bundesland zu unterschiedlichen Herangehensweisen kommt, die in der Praxis leider immer wieder zu Problemen führen.

Das Bauordnungsrecht (BauO) wird in den Landesbauordnungen (LBO) umgesetzt. 16 Bundesländer ergeben somit auch 16 Landesbauordnungen. Grundlage aller LBO ist die Musterbauordnung (MBO) in der Fassung vom November 2002 und deren Änderungen vom 21. September 2012. Die MBO versteht sich sozusagen als Rechtsverordnung, um die LBO zu vereinheitlichen, so dass sie ständig aktualisiert werden muss. In der Bauministerkonferenz (Argebau) werden die Länderbauordnungen auf ihre übereinstimmenden Vorschriften formuliert. Unterschiede gibt es somit nur im Detail.

„Die Musterbauordnung sowie die Muster-Verordnungen sind keine Gesetze, sondern Orientierungsrahmen für die Bauordnungsgesetzgebung der Länder. Erst die einschlägigen Bestimmungen der Landesbauordnungen der 16 Länder und die aufgrund der Landesbauordnungen erlassenen Rechtsverordnungen sind die maßgeblichen gesetzlichen Grundlagen für den Vollzug der Aufgaben des DIBt.“ (Deutsches Institut für Bautechnik)

Die Landesbauordnungen postulieren die Anforderungen und die Formalitäten, die an ein Bauvorhaben gestellt werden. Dabei werden sowohl das Grundstück als auch die Bebauung geprüft. In der Regel geht es um die Erschließung, die Abstände oder die Sicherheit auf der Baustelle und im Bauwerk selbst, aber auch um den korrekten Ablauf des Baugenehmigungsverfahrens oder die Frage, wer eine Genehmigungsplanung für die Errichtung oder den Abriss von Gebäuden vorlegen darf (Bauvorlageberechtigung). Auf kommunaler Ebene werden durch den Orts- oder Stadtrat Bebauungspläne erstellt, aus denen hervorgeht, in welcher Weise eine Fläche genutzt werden darf.

   

Am 1. Juli 2016 ist nun die neue Brandenburgische Bauordnung in Kraft getreten. Der Rudolf Müller Verlag hat wie gewohnt zeitnah darauf reagiert, um die Rechtsverordnung möglichst verständlich zu interpretieren. Die „Brandenburgische Bauordnung im Bild“ erklärt den bisweilen schwer verdaulichen Text in visueller Form, so dass der beflissene Nutzer quasi ansehnlich ins Bild gesetzt wird. Ingenieuren, Architekten und Planern wird somit die Anwendung der Vorgaben in der Praxis erleichtert. Sie verdienen sich so bei der genehmigungsfähigen Planung einen zeitlichen Vorteil. Die durchgehende blaue Farbe führt den Betrachter durch das gelungenen Werk.

Was ist nun aber neu? Die modifizierte LBO von Brandenburg hat das fünfstufige Gebäudeklassensystem und die damit verbundenen Brandschutzanforderungen übernommen. Die allgemeine Rauchwarn-Melderpflicht für Wohnungen wurde endlich verpflichtend umgesetzt. Des Weiteren sind der Entwurfsverfasser sowie die qualifizierten Tragwerks- und Brandschutzplaner eingeführt worden. Bauleiter/-innen können nunmehr auch die Funktion der Objektplanerin bzw. des Objektplaners mit übernehmen und last but not least wurde die Wiedereinführung der Baulast aufgenommen. Was heißen soll, dass "eine öffentlich-rechtliche Verpflichtung eines Grundstückseigentümers gegenüber der Baubehörde, bestimmte das Grundstück betreffende Dinge zu tun, zu unterlassen oder zu dulden" einzuhalten ist.

Mehr als 330 Zeichnungen, die im DIN-A4-Format glänzend zur Geltung kommen, erläutern die baurechtlichen Vorgaben und deren Konsequenzen für die Planungspraxis augenfällig und sinnvoll. Wichtige Autorenhinweise beleuchten obendrein schwierige Textpassagen der Bauordnung, so dass ihre Auswirkungen in der Praxis die erforderliche Beachtung erhalten, die sie verdienen. Alle wichtigen Unterschiede der Brandenburgischen Bauordnung gegenüber der letzten Fassung aus dem Jahr 2008 sind von den Autoren farblich hervorgehoben worden, was die Nutzung erleichtert.

Ergänzend dazu wird auch die Richtlinie über Flächen für die Feuerwehr mithilfe von Zeichnungen veranschaulicht. Dem vorbeugenden Brandschutz kommt somit eine besondere Bedeutung zugute. Begleitende Vorschriften und Bauformulare werden als kostenfreie Downloads unter www.baurecht-im-bild.de zur Verfügung gestellt. Darüber hinausgehende Online-Angebote sorgen für einen zusätzlichen Nutzerwert.

Fazit: Deutschland leistet sich 2016 immer noch 16 Landesbauordnungen, obwohl sich das lokale Bauen nur im Detail unterscheidet. Die Frage, ob das noch zeitgemäß ist, lasse ich einmal im Raum stehen? Die „Brandenburgische Bauordnung im Bild“ ist ein Grundlagenwerk für das Bauen in Brandenburg. Durch die kluge Herangehensweise und deren visuellen Umsetzung wird eine bisweilen spröde Baurechtsverordnung verständlich und leicht nachvollziehbar publizistisch dargeboten, so dass neben den Fachleuten auch Baulaien, wie zum Beispiel Bauherren, ihren Nutzen daraus ziehen können. Eine willkommene Darstellung für textbeladene Formulierungen und Grundanforderungen für das Baugeschehen im Bundesland Brandenburg. Ganz nach dem bewährten Verlags-Motto: Bild erklärt Text! So macht selbst eine Bauordnung Freude! Dipl.-Ing. (FH) Uwe Morchutt

Bibliografische Daten
Brandenburgische Bauordnung im Bild
Praxisgerecht kommentiert und grafisch umgesetzt
Von Dr. iur. Udo Moewes und Dirk Richelmann.
2017. 21 x 29,7 cm. Gebunden. 181 Seiten mit 338 farbigen Abbildungen und 16 Tabellen.
69 Euro.
ISBN Buch: 978-3-481-03489-4.
ISBN E-Book PDF: 978-3-481-03490-0.
Verlagsgesellschaft Rudolf Müller GmbH & Co. KG.
URL: www.baufachmedien.de