Buchtipp (1. November 2016)

Deutsches Dachdeckerhandwerk
Regeln für Abdichtungen

- mit Flachdachrichtlinie -

Was wäre das Bauen ohne Regeln? Eine Katastrophe, weil es schon mit Regeln viel zu viele Fehler beim Bauen gibt. Der Grund, viele Regeln werden einfach nicht beachtet. Manch einer kennt sie vielleicht auch gar nicht, so dass man sich lieber in Ausreden flüchtet, wenn etwas schief gelaufen ist. Und es läuft verdammt viel schief am Bau! Noch dazu in einer Branche, wo es derzeit „boomt“. Wie immer, wenn eine Sache gut läuft, wollen möglichst viele daran partizipieren. So wird jeden Tag gebaut, dass sich sprichtwörtlich die Balken biegen. Regeln hin, Regeln her!

Werfen wir einen Blick auf das Dach, wo sich die Balken schon gar nicht biegen dürfen, weil es sonst undicht wird und reinregnet. Es gibt kein Gebäude ohne Dach. Das Dach hat vor allem die Aufgabe, das Haus vor Feuchtigkeit zu schützen, damit es lange lebt. Kein Gebäudeteil muss dabei so viele Kräfte und Gefahren abwehren oder erdulden wie ein Dach. Wer beim Dachausbau pfuscht, bringt das gesamte Gebäude in Gefahr. Warum mache ich mir diese Gedanken? Das „Deutsche Dachdeckerhandwerk“ hat soeben „Regeln für Abdichtungen“ neu publiziert. Der Rudolf-Müller Verlag in Köln stand mit seinem publizistischen Know-how hilfreich zur Seite, um die Anforderungen beim Dachbau klar und deutlich in eine präzise Form des Buchdruckerhandwerks zu pressen. In ewiger Erinnerung an Johannes Gensfleisch, besser als Gutenberg bekannt!

Das Taschenbuch ist mir sozusagen vom Dach direkt in meine Hände gefallen, wo es gut behandelt wird. Ich möchte doch allzu gern wissen, was es mit der modifizierten Flachdachrichtlinie, Stand Dezember 2016, auf sich hat. Ein Blick an das Ende des Fachbuches verrät schnell, welche Bedeutung das Dachdeckerhandwerk für das Bauen insgesamt hat. Allein 30 Druckseiten über Normen, Fachregeln, Merkblätter, Hinweise und Produktdatenblätter muss der fleißige Dachdecker beachten, wenn nicht sogar anwenden. Das zeigt, ein hochwertiges, langlebiges Dach baut man nicht einfach mal so im Vorbeigehen. Schon gar nicht ohne Beachtung der anerkannten Regeln der Technik. Wer glaubt, die umgehen zu können, der hat nicht nur ein undichtes Dach, sondern auch schlechte Karten vor Gericht. Das Erfolgsmotto muss also lauten: fundierte Planung und professionelle Ausführung.

   

Die „Fachregeln für Dächer mit Abdichtungen“, heute auch bekannt als Flachdachrichtlinie, sind das erste Mal im Juli 1962 unter dem Titel „Richtlinie für die Ausführung von Flachdächern“ erschienen. Seither sind tausende Dächer gebaut worden. In welcher Qualität, das weiß nur der Bauherr oder Hauseigentümer. Seit 1962 wurde das Regelwerk sechsmal überarbeitet.1982 erhielt es den heutigen Namen Flachdachrichtlinie. Nun liegt die siebte, korrigierte Fassung vor. „Regeln für Abdichtungen“ beinhalten aber nicht nur die Anforderungen der Flachdachrichtlinie, das wäre wahrlich zu kurz gegriffen. Es umfasst eine Vielzahl von Regelwerken, obwohl nicht alle neu sind, so dass das anspruchsvolle Handwerk des Dachdeckers in seiner komplexen Ausführung der Dachabdichtung eingehend beleuchtet wird. Der Nutzer wird es zu schätzen wissen, muss er doch nicht anderweitig recherchieren!

Die europäische Harmonisierung sorgte letztendlich dafür, dass die DIN 18531 und DIN 18195 angepasst wurden. Die Rede ist hier von Dachabdichtungen für nicht genutzte Dächer (DIN 18531). Die Abdichtungen von genutzten Dachflächen wie Terrassen, Parkdecks und intensiv begrünten Dachflächen sind in der DIN 18195-5 – Bauwerksabdichtungen verankert, genauso wie die Abdichtung von Balkonen. Allein diese regeltechnische Unterscheidung veranschaulicht die korrekte Umsetzung der Abdichtungsproblematik. Die DIN 18531 in ihren vier Teilen und die Flachdachrichtlinie sind dabei fortwährend zusammen zu betrachten. Der Teil 4 der DIN 18531 befasst sich darüber hinaus mit der Instandhaltung für nicht genutzte und genutzte Dächer.

Mit der Modifizierung um 2008 bis 2010 herum hielten auch erstmals Flüssigabdichtungen (Flüssigkunststoffe) neben den beiden konventionellen Technologien, Bitumen- und Kunststoffbahnen, Einzug in die Flachdachrichtlinie und in die DIN 18531. Die sogenannte dritte Abdichtungstechnologie ist somit nach über 30 Jahren Praxiseinsatz im Marktsegment Flachdachsanierung anerkannt worden. Natürlich müssen flüssig aufzubringende Dachabdichtungen eine Europäische Technische Zulassung (ETA) auf der Grundlage der ETAG 005 besitzen. Die CE-Kennzeichnung ist gelebte Baustellenpraxis. Siehe auch das „Produktdatenblatt für Flüssigkunststoffe“ in diesem Werk, Stand Dezember 2016.

Die vorliegende Flachdachrichtlinie zeigt, dass der Zentralverband des Deutschen Dachdeckerhandwerks auf Entwicklungen der Bauzeit reagiert, um das Wechselspiel zwischen Planer und Ausführenden zu unterstützen. Eine Regelwerkanpassung dauert schließlich immer einige Jahre. Der obligatorische Gelbdruck, mit der Aufforderung: Einspruch erwünscht, wurde am 1. Juli 2015 mit einer Frist für Einsprüche und Kommentare bis zum 31. Oktober 2015 veröffentlicht.

Hier einige beispielhafte Änderungen zum Gelbdruck, die in der fertigen Richtlinie mündeten. Die Flachdachrichtlinie wurde dabei vollständig neu strukturiert und geändert:
- einheitliche Regelung fur nicht genutzte und genutzte Dächer,
- Verzicht auf Klassen und Kategorien!
- Erhöhung von Mindestnenndicken fur Abdichtungsbahnen und Flussigkunststoffen,
- Grundanforderung: 2 Prozent Gefälle bei allen abzudichtenden Dachflächen sowie
- Berücksichtigung der Toleranzen und Deckendurchbiegung!

Die Flachdachrichtlinie ist in fünf Kapitel untergliedert

  1. Allgemeine Regeln

  2. Beanspruchungen und Anforderungen

  3. Planung und Ausführung der Funktionsschichten

  4. Details sowie

  5. Pflege und Wartung.

Das Taschenbuch „Regeln für Abdichtungen“ beinhaltet neben weiteren insgesamt vier geänderte Fachregeln:
- die Fachregel für Abdichtungen – Flachdachrichtlinie -, Dezember 2016,
- das Produktdatenblatt für Bitumenbahnen, Dezember 2016,
- das Produktdatenblatt Kunststoff- und Elastomerbahnen, Dezember 2016 und
- das Produktdatenblatt für Flüssigkunststoffe, Dezember 2016.

Fazit: Eine Architektin vom BKM – Bau Kompetenz München - begleitete die Phase des Gelbdruckes der neuen Flachdachrichtlinie mit der Bemerkung: Neue Regeln, alte Risiken! Womit sie natürlich recht hat. Nur wer die Regeln kennt, kann sie auch, je nach Dachkonstruktion und individueller Anforderung, anwenden. Denn nicht auf die Praxiserfahrung, sondern auf die anerkannten Regeln der Technik kommt es an!

Jedes Flachdach stellt spezifische Anforderungen an eine Abdichtung. Damit seine Gebrauchstauglichkeit dauerhaft gewährleistet ist, sollten Auswahl und Verarbeitung des Materials auf die Flachdachrichtlinie und die DIN 18531 abgestimmt sein. Vor allem Flachdächer erfordern aufgrund ihres geringen Neigungswinkels, die neue Flachdachrichtlinie fordert mindestens 2 Prozent Gefälle, eine fachgerechte Abdichtung. Pfützenbildung ist der Beginn allen Übels! Die erfolgreiche Sanierung setzt des Weiteren voraus, dass bereits während der Planung die „Allgemein anerkannten Regeln der Technik“ berücksichtigt werden.

Der Teufel steckt bekanntlich im Detail. Warum sollte er gerade beim Dach eine Ausnahme machen. Einbauten und Anschlüsse, ich denke da an Lichtkuppeln, Dachränder und Terrassentür-Anschlüsse, erfordern immer auch ein hohes Maß an Können und Präzision! Die „Regeln für Abdichtungen“ bilden eine sichere Grundlage für alle Planer und für die Verantworlichen in der Ausführung. Regelwerke machen aber nur Sinn, wenn sie im Markt anerkannt sind und mit Leben erfüllt werden. Das Motto sollte dabei immer lauten: Wer Mängel verursacht, muss sie auch beseitigen! Dipl.-Ing. (FH) Uwe Morchutt

Bibliografische Daten:
Deutsches Dachdeckerhandwerk – Regeln für Abdichtungen
- mit Flachdachrichtlinie – Stand Dezember 2016
Herausgegeben vom Zentralverband des Deutschen Dachdeckerhandwerks
Fachverband Dach-, Wand- und Abdichtungstechnik
6. Auflage, 2016. Format: 16,8 x 24,0 cm. 340 Seiten. Broschur.
62 Euro.
ISBN 978-3-481-03529-7
Rudolf-Müller Verlag, Köln
URL: www.baufachmedien.de