Buchtipp (19. September 2016)

Praxis-Handbuch - Schimmelpilzschäden
Diagnose und Sanierung

Wenn ich den Titel lese, fällt mir sofort auf, dass es sich hierbei um einen praxisnahen Ratgeber handelt. Wer wünscht sich das nicht, wertvolle Einblicke in die Baupraxis zu bekommen, wo in Deutschland die Theorie und die Praxis leider viel zu oft getrennte Wege gehen. Wer das Bauen nicht beherrscht oder ein Bauwerk nicht akkurat vorbereitet, bekommt bekanntlich früher oder später Probleme. Öffentliche Bauvorhaben, die besonders prestigeträchtig sind, werden zum Spatenstich medial zelebriert, um dann im Bauchaos zu versinken. Viel zu viele „Köche“ verderben das Bauwerk, wie den sprichwörtlichen Brei, weil sie es verpfuscht haben. Angezogen durch das viele Geld der Steuerzahler werden Unsummen verschleudert, weil windige Experten vorgaukeln, gerade für dieses Projekt besonders gut geeignet zu sein. Südlich von Berlin wütet ein derartiger „Problem-Bär“ seit zehn Jahren.

Schimmelpilzschäden treten bekanntlich dann auf, wenn zu viel Feuchte ungehindert in die Bausubstanz eindringen kann. Bauliche Fehler können eine Ursache sein. Dem Schimmelpilz ist der Auslöser allerdings schnuppe, er liebt jede Art von Feuchtigkeit, nur dauerhaft sollte sie sein, so dass er es sich als Untermieter bequem machen kann. Denn eines fürchtet der Schimmelpilz auf den Tod, die Trockenheit. Eine Diagnose oder Anamnese fördert bekanntlich ein Ergebnis ans Tageslicht: Wie kommt es zu den unerwünschten Feuchteeinträgen? Interessant zu erfahren, welche Herangehensweise die Autoren gewählt haben, um dem vorliegenden Handbuch die erforderliche Praxisnähe zu verleihen?

   

Zwei Experten, Dr. Lorenz und Stefan Betz, die jeweils den Titel Sachverständiger tragen, sich also nachweislich mit einer Sache auskennen, haben ihre Erfahrungen zusammengetragen, um dem Phänomen Schimmelpilzschäden auf den Grund zu gehen. Die 2., aktualisierte und erweiterte Auflage verdeutlicht, dass wir es hierbei mit einem aktuellen Thema zu tun haben. Obwohl die Gebäudehüllen hierzulande immmer dichter werden und die Baustoffe höchsten Anforderungen genügen, klagen viel zu viele Bewohner über Schimmelpilzschäden. Dr. Lorenz hat außerdem einen Ko-Autor gewinnen können, im Gegensatz zur Erstauflage, damit er mit den vielen Pilzen nicht ganz alleine ist! Schimmel ist aber nur der Oberbegriff, der aus Pilzen und Bakterien entstehen kann. „Schimel“, so Dr. Lorenz im Vorwort, nannte man diese befallenen Flächen bereits im Mittelalter, was darauf hinweist, wie lange uns dieses Phänomen bereits bekleidet. Wir haben es mit winzig kleine Organismen zu tun, die scheinbar erst so richtet unter dem Mikroskop zum Leben erweckt werden! Schimmelpilzsporen befinden sich nun einmal in der Luft, ob wir es wollen oder nicht.

Hier liegt es nun das Fachwerk, das in zehn Kapiteln auf 400 Druckseiten beschreibt, wie der korrekte Umgang mit Schimmelpilzbefall zu erfolgen hat. Die Ausgangslage ist also die schlimmste, man kann es auch „Worst-Case“ nennen, die man sich vorstellen kann, der Schimmelpilzschaden ist bereits eingetreten. Es geht also um die fachgerechte Sanierung dieses Vorkommnisses. Fachgerecht heißt in diesem Zusammenhang übrigens, dass es ein Fall für Fachleute ist. Ein ausführlicher Grundlagenteil, ohne den es nicht geht, weil nicht nur Fachleute zu dem Buch greifen, erläutert zunächst die rechtlichen, baulichen, bauphysikalischen und biologischen Zusammenhänge bei der Analyse und Sanierung von Schimmelschäden. Ein wichtiger Hinweis in Kapitel 1 deutet unmissverständlich auf die Einhaltung der „Allgemein anerkannten Regeln der Technik“ hin, die nicht außer Acht gelassen werden dürfen.

Wie erkenne ich einen Schimmelpilzschaden? In Kapitel 4 wenden sich die Autoren den Schadensmerkmalen zu. Die Statistik besagt, Seite 95, dass von 100 Fällen, die Rede ist von mikrobiellen Schäden, 84 nicht sichtbar waren. Diese Tatsache beschreibt die drastische Relevanz der Problematik. Visuell sehr unappetitlich verdeutlichen die Autoren die aufgefundene Vielfalt der Schadensfälle in diesem Kapitel. „Die Abwesenheit eines Schimmelgeruchs ist kein Beweis dafür, dass kein Befall vorliegt.“ Hieraus ist die Heimtücke derartiger Schäden abzulesen.

Systematisch, wie in der Praxis empfohlen, laufen nun die Untersuchungen, Messungen und Analysen ab. Eine kategorisierte Ursachenanalyse, je nach Art des Feuchteanfalls, liefert die Erkenntnisse, die zur Schadensbeurteilung und Sanierung vonnöten sind. Alle aktuell bekannten Verfahren und Mess-Methoden erfahren hier ihre Erwähnung, die durch zahlreiche Abbildungen unterstützt werden. Auf ein Beispiel, Seite 165, sei an dieser Stelle hingewiesen, weil es so aktuell ist wie die Materie. Die Untersuchung einer gedämmten Außenwand. Taupunktverschiebung und Wärmebrückeneffekt können zu einem Feuchtebefall führen, der stets schwer zu lokalisieren ist.

Sind die Ursachen ausgemacht und die Feuchtequellen klassifiziert, übrigens sehr gelungen und nachvollziehbar abgehandelt in diesem Werk, lassen sich die Schäden beurteilen und die geeigneten Sanierungsmethoden auswählen. Bauen lebt von professioneller Planung und Vorbereitung, wie eingangs beschrieben. Wer hier bereits Fehler begeht, oder denkt, das kürze ich einfach mal ab, sollte vielleicht lieber Politiker werden, weil die ihre Fehler immer noch positiv artikulieren! Die Autoren haben sich wahrhaftig viel Mühe gemacht, auf 164 Druckseiten die Sanierung der Schäden abzuhandeln. Beginnend mit kleinen Schäden bis hin zu Geruchsbelästigung und Abwasserschäden. Eine detaillierte Beschreibung der wichtigsten Schadensereignisse, die die Praxis zu bieten hat. Informativ und bisweilen schockierend, wie es zu solchen Schadensfällen überhaupt kommen kann.

Kapitel 10, das letzte Fachkapitel, bevor die üblichen Sachverzeichnisse erfolgen, widmet sich der Beauftragung, Überwachung, Abnahme und Kontrolle der Sanierung. Lesenswerte Praxistipps weisen den richtigen Weg zur korrekten Sanierung. Wer hier nur an den billigsten Sanierer denkt und nicht an die Befähigung, der hat bereits den nächsten Schaden provoziert! Hier gilt das Motto: Vertrauen ist gut, Kontrolle und Überwachung sparen viel Geld und sichern den nachhaltigen Erfolg. Die Abnahme der Sanierungsmaßnahme ist obendrein von größter Bedeutung, da die Gefahrenübertragung vom Auftragnehmer auf den Auftraggeber hier essentiell eingeläutet wird!

Fazit: Aus Schaden klug werden, besagt ein altes Sprichwort. Wer danach handelt, befindet sich bereits auf dem richtigen Weg. Oder er besorgt sich das „Praxis-Handbuch Schimmelpilzschäden“, wenn er Probleme dieser Art vermutet. Ein Handbuch, das man gern in die Hand nimmt, weil es einem in der größten Schimmel-Not behilflich ist. Es bietet auch nützliche Ratschläge für die Reinigung und Dekontamination sowie für die Trocknung und Geruchsbeseitigung. Ein verständlicher Ratgeber zu einem vermeintlich ausufernden Phänomen unserer Zeit. Manchmal hilft bereits ein Kalkputz oder ein Kalkanstrich, denn Schimmelpilze können auf Kalkputz nicht überleben, weil er basisch (alkalisch, hoher pH-Wert) ist. Dipl.-Ing. (FH) Uwe Morchutt

Bibliografische Daten:
Praxis-Handbuch Schimmelpilzschäden
Diagnose und Sanierung
Von Dr.-Ing. Wolfgang Lorenz und Stefan Betz.
2., aktualisierte und erweiterte Auflage 2016. 17 x 24 cm. Gebunden. 404 Seiten mit 293 farbigen Abbildungen und 77 Tabellen.
Buch: 59 Euro
ISBN 978-3-481-03376-7
E-Book: 47,20 Euro
ISBN 978-3-481-03377-4
Verlagsgesellschaft Rudolf Müller GmbH & Co. KG.
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