Buchtipp (6. Juli 2016)

Schimmelpilze in Gebäuden
Erkennen und Beurteilen von Symptomen und Ursachen

Sommer, Sonne, reichlich Regen! Was für Festtage erleben wir da gerade? Genauer gesagt die Schimmelpilzsporen. Die Rede ist vom warmen, feuchten Klima, so dass die winzig kleinen Plagegeister „Purzelbäume“ schlagen. Diese Bedingungen sind wie gemacht, um Schimmelpilze entstehen zu lassen. Wer jetzt nicht aufpasst, also zuviel feuchte Luft in die Wohnung, den Keller oder in das Haus lässt, kann den Schimmelpilz bald persönlich zum Frühstück begrüßen, weil er fresch von der Wand grinst. Zu hohe Luftfeuchtigkeit über einen längeren Zeitraum sollte man deshalb tunlichst vermeiden.

Ursachen für das Auftreten von Schimmelpilzen in Gebäuden sind so vielfältig wie die Streitigkeiten, die sie auslösen können. Die Verschuldensfrage ist in der Regel aber nicht so einfach zu beantworten. Betrifft es den Mieter oder den Vermieter? Wer hat die besseren Argumente und vor allem Beweise, die auch vor Gericht standhalten? Damit Sie aufgeklärt in die Konfrontation mit dem Streitgegner gehen können, auch wenn es nicht immer vor Gericht landen muss, empfehle ich Ihnen die 3., aktualisierte und überarbeitete Auflage von „Schimmelpilze in Gebäuden“, die den konkreten Zusammenhang zwischen Schäden und Ursachen des Befalls mit Schimmelpilzen aufzeigt.

   

Gunter Hankammer, der Autor, ein Profi, wenn es darum geht, Schäden an Gebäuden und Schimmelpilze aufzuspüren, erläutert und dokumentiert in diesem Fachbuch visuell die Ursachen für die Entstehung von Schimmelpilzen, beschreibt die Vorgehensweise bei Symptomen sowie die einzelnen Untersuchungsmethoden und verteilt praxisnahe Ratschläge zur Bewertung und Sanierung von Schimmelpilzschäden. Darüber hinaus helfen die dargebotenen bauphysikalischen, juristischen und medizinischen Zusammenhänge bei der Auswahl der richtigen Untersuchungsmethoden und Sanierungsverfahren. Die Verschuldensfrage, Mieter oder Vermieter, lässt sich somit quasi aufspüren. Klingt erfolgversprechend, weil es genau das Wissen beinhaltet, was die Betroffenen in der Regel erwarten!

13 Jahre nach der Erstauflage hat die Thematik nichts von ihrer Brisanz und Aktualität verloren, obwohl wir heute noch moderner und effizienter Bauen, wie es die Bauwerbung gern verspricht! Wie kommt es dazu? Wie so oft im Leben, klafft hier die Lücke zwischen Anspruch und Wirklichkeit? Natürlich treffen wir auch wieder auf weitverbreitete Unkenntnis der Materie! Wie sagte Hankammer 2003 in seiner 1. Auflage zur Einleitung so einprägsam: „Bauen ist der Kampf des Menschen gegen das Wasser“! Man kann es auch einfacher sagen, ohne Wasser, kein Leben! Denn erst durch die übermäßige Feuchtigkeit, die in die Innenräume unserer Gebäude eindringt, entsteht das Leben, das wir schlechthin als „Schimmelpilze in Gebäuden“ bezeichnen!

Ein professioneller Blick in das gebundene Druckwerk soll verdeutlichen, wie der Autor die komplizierte Materie umgesetzt hat. Die wachsende Zielgruppe soll schließlich den größten Nutzen daraus ziehen können. Das Beste ist natürlich, wenn man den Schimmelpilzen an der Wand nie begegnet! Bereits die Einleitung informiert über die wundersame Welt der Schimmelpilze, wie sie der Mensch in Gebäuden antrifft. Wachstumsbedingungen und Lebenszyklen sind nur zwei Stichworte, die hier fallen. Welches Gesundheitsrisiko geht von Schimmelpilzen aus? Antworten findet der Leser in Kapitel 2. Kapitel 3, rund 130 Druckseiten, widmet sich bereits mit den Schimmelpilzen in Gebäuden. Hankammer hält sich also nicht lange mit den Grundlagen auf. Er kommt gleich zur Sache. Zu wichtig ist das Thema, zu haarsträubend die Verbreitung der Schimmelpilzbelastung.

Schimmelpilze in Gebäuden, der Titel des Buches begegnet uns in diesem Kapitel aufs Neue. Wie kommt die Feuchte aber nun in das Gebäude? Zwei Arten sind hier bestimmend: gebäudebedingt und nutzerabhängig. Schäden oder Mängel am Gebäude verursachen Feuchteeinträge und falsches Nutzerverhalten sorgen für zu hohe Feuchtigkeit. Beispielsweise wenn zu wenig gelüftet wird. Feuchte und das dazugehörige Nährstoffangebot, das im Haus reichtlich vorhanden ist, reichen aus, um Schimmelpilzkulturen entstehen zu lassen.

Der Autor beschreibt und visualisiert die Geschehnisse, die zu Schimmelpilzen führen können, exemplarisch und souverän, so dass alle bekannten Ereignisse erfasst werden. Text, Bilder und Grafiken drapieren die Materie praxisnah und leicht verständlich, so dass alle wichtigen Fragen beantwortet werden. Welch' exorbitante Rolle dabei die relative Luftfeuchte spielt, die ja gern kleingeredet wird, ist nur ein Phänomen, welches beleuchtet wird. Als Autor zahlreicher Fachaufsätze zu diesem Thema ist mir diese Problematik sehr geläufig. Ich erinnere in diesem Zusammenhang nur an die tückische Kondensatbildung! Ebenso begegnen uns wieder einmal die vielzitierten Wärmebrücken, die es zu minimieren gilt. Weil deren Quantität oftmals das eigene Wunschdenken übertrifft.

Die nächsten Kapitel sind natürlich etwas für Experten und Gutachter. Welcher Laie kennt sich schon mit bauphysikalischen Untersuchungsmethoden und Berechnungen aus? Da müssen Profis ran, wie beispielsweise Gutachter Hankammer. Hat der Experte akribisch untersucht und fleißig berechnet, steht der Lösungsansatz kurz bevor. Anhand der mikrobiellen Schäden kann die geeignetste Sanierungsmethode ausgewählt werden (Kapitel 7). Kapitel 8 gibt lehrreiche Einblicke in die umfassenden Sanierungsmethoden, so dass der Schimmelpilz sich ein neues Zuhause suchen muss. Vielleicht schon beim Nachbarn? Akribie und Fachwissen sind hier besonders gefragt, ansonsten kehrt der Schimmelpilzbefall schneller zurück, als man denken kann.

In einem Rechtsstaat hat derjenige gute Karten vor Gericht, der die nachweislich besten Argumente vorlegen kann. Natürlich muss man sich auch einen befähigten Anwalt leisten können. Wie sieht eigentlich die Rechtslage bei Schimmelpilzschäden in Deutschland aus? Der Autor gibt zahlreiche Antworten darauf (Kapitel 9). Wie kompliziert die Angelegenheit in der Praxis ist, zeigt die 70-seitige Abhandlung darüber!

Natürlich ist nicht gleich jeder feuchte Fleck oder Stockfleck mit Schimmelpilzbefall in Verbindung zu bringen. Trotzdem sollte dem Ereignis eine gewisse Zuneigung anheim fallen. Es ist sozusagen die Vorstufe zum Schimmelpilzwachstum! Aus einem kleinen Fleck, der vernachlässig wird, kann schließlich ein üppiges Feuchtgebiet entstehen. Hankammer hat auch an dieses Mysterium gedacht, so dass er in Kapitel 10 passende Beispiele aufzeigt. Ein hilfreicher Anhang, der zur Lösungsfindung beiträgt, rundet das umfangreiche Fachwerk sinnvoll ab.

Fazit: Ohne Wasser, kein Leben! Der größte Feind des Schimmelpilzes ist also die Trockenheit! „Schimmelpilze in Gebäuden“ sind eine moderne Erscheinung, die zum Handeln schreit. Das aktualisierte Buch gibt den neuesten Stand der Regelwerke wider und macht auf Urteile zur Klärung mietrechtlicher Streitfälle aufmerksam. Die vom Autor bewusst gewählte Verschuldensquote – von nutzer- bis gebäudebedingt –, zeigt wie kaum ein Fachbuch zuvor, wie symptomunabhängig die Entstehungsmechanismen im Einzelfall einzuschätzen sind.

Ein Buch, das ausgezeichnet in die Bauwelt unserer Tage passt. Schluderei am Bau spielt hierbei ebenso eine erhebliche Rolle. Gebäude haben heute keine Zeit mehr, angemessen auszutrocknen, weil der Mensch es so will! Wenn ich nur an die verhängnisvolle Baufeuchte beim Einzug in den Neubau denke. Im Vorderteil des Hauses wird schon frohgelaunt eingezogen, im hinteren Teil finden noch die Restarbeiten statt. Die eingebaute Feuchte hat keine Chance zu entkommen! Bereits kurze Zeit später folgt die Nutzerfeuchte!

   

Wer jetzt denkt, dass betrifft mich doch gar nicht. Alles nur Panikmache? Dann schauen Sie einfach mal spaßeshalber hinter ihre Schränke, falls sie diese an der Außenwand stehen haben. Dann wissen Sie, wovon ich spreche! Mangelnde Kenntnis kommt einer Schimmelpilzbelastung in Gebäuden sehr nah! Das Gute daran ist, fehlende Kenntnisse kann man sich aneignen! Vielleicht über ein Fachbuch? Oder man fragt einen Experten? Dipl.-Ing. (FH) Uwe Morchutt

Bibliografische Daten
Schimmelpilze in Gebäuden
Erkennen und Beurteilen von Symptomen und Ursachen
Von Dipl.-Ing. Gunter Hankammer.
3., überarbeitete und aktualisierte Auflage 2016. 17 x 24 cm. Gebunden. 527 Seiten mit 450 farbigen Abbildungen und 70 Tabellen.
Buch: 69 Euro
ISBN 978-3-481-03372-9
E-Book (PDF): 55,20 Euro
ISBN 978-3-481-03373-6
Verlagsgesellschaft Rudolf Müller GmbH & Co. KG.
URL: www.baufachmedien.de