Buchtipp (21. März 2016)

Schimmelpilzanalytik

Im Januar 2016 fand der zweite „Deutsche Schimmelpilztag“ statt, nachdem der erste Thementag dieser Art 2014 unter dem Motto „nachhaltig sanieren“ bereits ein voller Erfolg war. Wer es nicht weiß, Schimmelpilzsporen bekleiden den Menschen ein Leben lang. Unwissenheit über das Vorhandensein unserer winzigen Mitbewohner, den Mikroorganismen, gefährdet nicht nur die Gesundheit der Menschen, sondern macht obendrein ganze Wohnbereiche unbewohnbar! Weshalb erzähle ich das?

Vor 30 Jahren wurde die Labor Urbanus GmbH als Pegasus Lab in Uppsala Schweden gegründet. Ihr Ziel, die Analytik von Schimmelpilzen in Innenräumen. Einfacher ausgedrückt, die Durchführung einer systematischen Untersuchung eines Sachverhaltes. Dieser Sachverhalt heißt in diesem Fall: Schimmelpilze! Schimmelpilze sind ein natürlicher Bestandteil unserer Umwelt, von denen unter gewissen Umständen keinerlei Gefährdung unserer Gesundheit ausgeht. Übersteigt jedoch eine Schimmelpilz-Konzentration ein bestimmtes Maß, so kann es zu schwerwiegenden gesundheitlichen Beeinträchtigungen für den Menschen kommen.

   

So wohlschmeckend uns der Schimmel auf dem Käse begegnet, so gefürchtet ist er, wenn er uns im Schlafzimmer zu aufdringlich wird! Deshalb sollten sich Baufachleute mehr für Schimmelpilze auf feuchtem Holz oder Wänden interessieren. Feuchtigkeit, z.B. zu feuchte Raumluft, ist für die Bildung und Ausbreitung eines Schimmelpilzbefalles eine Grundvoraussetzung. Wie erkennt der Laie aber, dass es sich tatsächlich um Schimmelpilzkulturen handelt? Das Wissen darüber ist leider nicht sehr verbreitet, obwohl es, ähnlich wie die Schimmelpilzsporen, so greifbar nah liegt. Das aktuelle Buch „Schimmelpilzanalytik“ wurde gerade aus der Druckpresse entnommen und zu einem Fachwerk zusammengefügt, so dass ich einen Blick hineinwerfen kann, damit das Wissen über Schimmelpilze nicht länger im Verborgenen bleibt.

Judith Meider, die Autorin und Leiterin des Urbanus Labors, Düsseldorf, ist seit langer Zeit den mikrobiellen Bauschäden auf der Spur, so dass sie mit diesem Buch all ihre Erfahrungen einer interessierten Öffentlichkeit an die Hand gibt. Im Geleitwort schildert Dr. Urban Palmgren, der als Koautor fungierte und leider urplötzlich verstorben ist, wie häufig er und sein Team in jüngster Zeit vermehrt auf Feuchteschäden in Gebäuden getroffen sind. Das Erstaunliche, so Palmgren, sei, dass der Mensch durch seine gut gemeinten Eingriffe in die Bausubstanz, wie z.B. die uferlose Wärmedämmung und die neuen Fensterkonstruktionen, diese Schäden noch begünstigt hat. Der Zwang zu dichteren Gebäudehüllen seitens des Gesetzgebers und der davon profitierenden Baubranche führt letztendlich vermehrt zu Feuchteschäden, weil die Bewohner das Lüftungsregime nicht wirklich in den Griff bekommen. Hinzukommt noch die fehlerbehaftete Bauausführung!

Die Befürchtungen der Autorin, das Buch sei vielleicht fachlich zu anspruchsvoll, weil der Laie die biologischen Fachkenntnisse nicht parat hat, versucht sie im Vorwort selbst auszuräumen, indem sie bekundet, die komplexe Thematik möglichst verständlich darzustellen. Beim ersten Durchblättern kann ich bestätigen, dass ihr das gelungen ist. Anschaulich, verständlich und praxisnah kommt das Buch daher, wenn man es aufschlägt, so dass der Verdacht, es sei nur etwas für „Fachidioten“, schlichtweg unbegründet erscheint.

In der Summe bekommt es der Leser mit vier Kapiteln zu tun, um den Schimmelpilzen auf die Spur zu kommen. Angefangen bei den Grundlagen, über die Methoden der Untersuchung und den Praxisbeispielen. Die „Grundlagen der Mikrobiologie von Feuchteschäden“ eröffnen den bisweilen bunten Reigen der skurrilen Pilzkulturen. Hierbei wird aber auch deutlich, dass wir Menschen es sind, die den Nährboden reichen, indem wir für die Nährstoffe und die Feuchtigkeit sorgen. Alle Schimmelpilze ernähren sich nämlich von organischen Molekülen (z.B. Kohlenhydrate, Fette und Proteine), wozu nicht nur Lebensmittel, sondern auch Holz, Staub, Kunststoffe, Leder, Papier und Erdreich gehören.

Die Untersuchung von Feuchteschäden vor Ort (Untersuchungsverfahren) führt bekanntlich zu ersten Ergebnissen, die sich durch eine Probenentnahme mit anschließender Laboruntersuchung (Analyseverfahren) präzisieren lassen. Ein geläufiger, immer wiederkehrender Prozess, der sich in der Fachwelt bewährt hat, um eindeutige Aussagen zu Feuchteschäden treffen zu können (Kapitel 2 und 3). Methoden und Grundregeln bei der Probenentnahme von mikrobiologischen Ansammlungen werden nicht nur anschaulich dargeboten, sondern auch der Umstand erklärt, welche Gefahren beim unprofessionellen Umgang mit ihnen einhergehen. Darüber hinaus werden die wichtigsten und am häufigsten auftretenden Fragen zur Untersuchung (Analytik) und zur Probenentnahme beantwortet.

Die Autorin betont im Vorwort, dass kein Schimmelpilzschaden dem anderen gleicht. Im Ergebnis heißt das, das jede mikrobiologische Probe eines Schadens korrekt entnommen und analysiert werden muss, um daraus die richtigen Schlüsse für die Schadensbehebung zu ziehen. Kapitel 4, Praxisbeispiele, zeigt, wie facettenreich die Welt der Schimmelpilze in unseren Gebäuden ist. Wenn man diese Beispiele sieht, die wahrlich keine Erfindung der Autorin sind, wird einem die Bedeutung der Problematik quasi bildlich vor Augen geführt. Schimmelpilze können überall wachsen, wenn sie den Nährboden dafür finden. Bedenklich sind vor allem die Schadens-Beispiele in vielen Neubauten. Was läuft hier eigentlich schief in der Praxis? Feuchteschäden, die Schimmelpilzbefall fördern, sind somit keine Erscheinungsform nur in Altbauten! Ein Wörterverzeichnis (Glossar) zu den wichtigsten Fachbegriffen rundet das Werk sinnvoll ab.

Fazit: Streitigkeiten über sich häufende Feuchteschäden in Gebäuden sind ein ernstzunehmendes Problem, das gern klein geredet oder sogar negiert wird. Leider leben wir in einer Bauzeit der wachsenden Feuchteschäden. Ursachen hierfür gibt es genügend. Vor allem die Unwissenheit im Umgang mit der Bausubstanz ist hier zu nennen. Nachfolgende Generationen werden eines Tages über unsere Bausanierung sagen, die haben aus gutgemeinten Umweltabsichten die Gebäude kaputt gedämmt und das Klima ist trotzdem im Eimer. Dazu die quälende Frage: Wohin nur mit dem Sondermüll?

„Schimmelpilzanalytik“ ist ein wertvolles Fachwerk, das zeigt, wohin Feuchteeinträge führen können. Werden Feuchteschäden nicht rechtzeitig erkannt und falsch interpretiert, leidet sowohl der Mensch als auch das Gebäude darunter. Die korrekte Probenentnahme und die dazugehörige Untersuchung im Fachlabor liefern den stichhaltigen Beweis für einen Feuchteschaden, der zu Schimmelpilzbefall führen kann. Die richtige Interpretation des Bauschadens sichert in der Regel auch die nachhaltige Sanierung, damit die wertvolle Bausubstanz erhalten bleibt. Diese, durchaus wichtige Erkenntnis vermittelt uns das Fachbuch auf präzise Art und Weise! Dipl.-Ing. (FH) Uwe Morchutt

Bibliografische Daten
Schimmelpilzanalytik
Grundlagen, Methoden, Beispiele
Von Judith Meider.
2016. 17 x 24 cm. Gebunden. 191 Seiten mit 60 farbigen Abbildungen und 40 Tabellen.
Buch: 49 Euro/ ISBN 978-3-481-03374-3
E-Book PDF: 39,20 Euro/ ISBN 978-3-481-03375-0
Verlagsgesellschaft Rudolf Müller GmbH & Co. KG
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