Buchtipp (11. März 2016)

VOB im Bild
Hochbau- und Ausbauarbeiten

Wenn ein Fachbuch zum 21. Mal aktualisiert und erweitert wird, muss es sich um einen Klassiker handeln. Obwohl wir in einer Zeit leben, wo mit dem Begriff Klassiker bisweilen inflationär umgegangen wird, kommt man bei der VOB nicht umhin, diese Kategorie zu wählen. Weil das Bauen nun einmal so kompliziert ist, wie es ist, wurde bereits im Jahr 1921 auf Anregung des „Deutschen Reichstages“ damit begonnen, spezielle Regelungen für die Erbringung von Bauleistungen zu erstellen. Nach fünfjähriger Entwicklungsarbeit wurde dann die VOB, die „Verdingungsordnung für Bauleistungen“, im Jahr 1926 eingeführt. Die VOB wurde seither wiederholt den aktuellen Anforderungen am Bau angepasst. Einer Änderung im Jahr 2002 ist dabei auch der alte Begriff der Verdingungsordnung zum Opfer gefallen. Das Kürzel VOB steht seither für „Vergabe- und Vertragsordnung für Bauleistungen“.

Nun schreiben wir das Jahr 2016. Die umfassende VOB, die es bekanntlich in drei Teilen gibt, bestehend aus den Teilen A, B und C, hat natürlich nach wie vor den Anspruch, möglichst aktuell und nah am Baugeschehen zu sein. Insbesondere der Teil C, der insgesamt 65 von den „Allgemeinen Technischen Vertragsbedingungen“ (ATV) enthält, wurde mit der Ausgabe 2012 und des Ergänzungsbandes 2015 in 44 Gewerken modifiziert, um den Bauanforderungen der Gegenwart gerecht zu werden. Hier liegt sie nun kompakt vor mir, stark an Seiten und druckfrisch, die „VOB im Bild – Hochbau- und Ausbauarbeiten“, ein Werk, das die Bau-Erfahrung von über 90 Jahren in sich vereint! Anlass genug, einen fachmännischen Blick hineinzuwerfen.

   

Wer es nicht weiß, der Teil C der VOB befasst sich mit den Bauarbeiten, in diesem Fall den Hoch- und Ausbauleistungen, so dass es für jedes der einzelnen Gewerke, die für ein Bauvorhaben erforderlich sind, eine allgemein verbindliche Nomenklatur gibt, wonach die Bauleistungen abzurechnen sind. Das Werk bildet aktuell die 44 modifizierten, hochbauspezifischen ATV von den genannten 65 ab. Die fehlenden ATV, die für die „Tiefbau- und Erdarbeiten“ sprechen, werden in einem Extra-Buch „VOB im Bild – Tiefbau- und Erdarbeiten“ mit 33 tiefbaurelevanten ATV abgehandelt. Jeder, der sich mit der Ausführung von Bauarbeiten professionell befasst, sollte wissen, was in den einzelnen ATV postuliert wird!

Sollte ein Verantwortlicher am Bau glauben, das gehe ihm nichts an, bekommt er spätestens bei der Abnahme der Bauleistungen und bei der Rechnungslegung ernsthafte Probleme mit seinem Vertragspartner. Die VOB/C weist als Allgemein-Norm die ATV DIN 18299 „Allgemeine Regelungen für Bauarbeiten jeder Art“ aus, so dass sowohl die ATV als auch die DIN als einheitliche Regelungen zu interpretieren sind. Auch wenn DIN-Normen nicht 100 prozentig mit den allgemein anerkannten Regeln der Technik konform gehen, weil sie nicht immer den aktuellen technischen Kenntnisstand aufzeigen, sind sie doch unabdingbar für die Realisierung von komplexen Bauvorhaben. Das Bauen ist nun einmal so heikel, wie es ist. Das sollte man immer im Auge behalten! Eines haben sämtliche ATV gemein, sie sind im Aufbau identisch! Das hilft beim Umgang mit den ATV, da sie doch in ihrer Textfindung bisweilen erklärungsbedürftig sind.

Die Einführungs-Norm DIN 18 299 ist den Normen der DIN 18 300 ff. vorangestellt, weil sie als Erklärungsnorm (-Text) fungiert. Wer das Arbeiten mit Normen gewohnt ist, für den ist es nichts Neues. In der Folge werden die Haupt-Bauleistungen behandelt, die es braucht, um ein funktionierendes Bauwerk zu errichten. Für „Besondere Leistungen“ werden übrigens keine Abrechnungseinheiten aufgeführt, da sie in der Regel, wenn sie anfallen, auch nachgewiesen werden müssen. Da der Umgang mit DIN-Normen keine Tätigkeit für Laien ist, müssen hier auch keine weiteren Erklärungen erfolgen, obwohl die DIN 18 299 Beispiele parat hält, worum es sich bei den „Besonderen Leistungen“ handelt.

„VOB im Bild“ beginnt nach der Einführungsmodalität mit der eigentlichen Abarbeitung der 44 DIN-Normen, wie eingangs beschrieben, beginnend mit der 18 300 „Erdarbeiten“ bis hin zur DIN 18 459 „Abbruch- und Rückbauarbeiten“ in fortlaufender Reihenfolge. Die „Vergabe- und Vertragsordnung für Bauleistungen“ im Bild wird seiner Bezeichnung dadurch gerecht, indem die aufwendige Textbeschreibung zu den einzelnen Gewerken und Arbeitsschritten durch visuelle Erklärungen bildhaft in Szene gesetzt werden. Ganz nach dem bewährten Motto, anschauliche Bilder helfen bei der Erklärung des Textes. Wie bei einer Bauzeichnung greift hier das Mittel der bildlichen Darstellung. Selbstverständlich braucht es auch hierfür Übung und Sachverstand, um Bauzeichnungen korrekt interpretieren zu können. Die Autoren nennen sie schmucklose und schlichte Ingenieurzeichnungen, die nichtsdestotrotz den Kerninhalt fachgerecht wiedergeben. Durch die zusätzliche Farbe blau, neben dem schwarz, kommt es zu einer besseren Übersicht, die beim Betrachter sofort erkennen lässt, wie die Bauleistungen detailliert zu ermitteln sind. Streitigkeiten, die am Bau keine Seltenheit sind, lassen sich so im Vorfeld besser vermeiden und Konflikte bei der Abrechnung von Bauleistungen leichter lösen.

Für die Urheber der modifizierten VOB war es vor allem wichtig, insbesondere bei der Abrechnung, noch mehr Klarheit und Transparenz zu schaffen, so dass der Abschnitt 5 neu gegliedert wurde. Die einheitliche Gliederung umfasst dabei die Regelungen, die zur besseren Ermittlung der Maße und Mengen führen. Das imposante Normen-und Grundlagenwerk für Leistungsbeschreibungen endet schließlich mit einer Sammlung von Formeln zur Berechnung von Längen-, Flächen und Rauminhalten, die zum normalen Rüstzeug bei der Berechnung von Bauleistungen dazu gehören.

Fazit: Baulaien werden gewiss sagen, was soll ich mit dieser schweren Baukost. Wenn sie sich überhaupt mit der Materie der ATV DIN befassen. Es ist deswegen auch für Leute am Bau konzipiert. Für Fachleute am Bau ist die „VOB im Bild“ ein Grundlagenwerk, das in jedes Baubüro gehört. 44 ATV DIN gebunden in einem Werk, die man sonst einzeln und aufwändig zusammensuchen müsste. Wo bekommt man das sonst! Die „schwere“ Kost vermittelt allen Verantwortlichen am Bau genau das Know-how, das sie brauchen, um den aktuellen Stand der ATV DIN bewältigen zu können. Denn auf der Baustelle zählt die korrekte Umsetzung der Bauplanung, also dem Bau-Soll, und die letztendliche Abrechnung des gebauten Bau-Ist, damit das Bauwerk im Vergleich zum Bau-Soll auch einwandfrei funktioniert, und die ausgeführte Bauleistung insgesamt korrekt abgerechnet werden kann. Pfusch am Bau gibt es hierzulande ja genug! Oftmals deswegen, weil Verantwortliche leichtfertig glauben, sie beherrschen das Bauen. Da das Bauen aber komplexer ist, als viele denken, gibt es die VOB seit 1926 mit all seinen Veränderungen, damit das qualitativ hochwertige Bauen nicht in der Versenkung verschwindet! Dipl.-Ing. (FH) Uwe Morchutt

Bibliografische Angaben
VOB im Bild - Hochbau- und Ausbauarbeiten
Abrechnung nach der VOB 2012 mit Ergänzungen 2015
Begründet von Hans von der Damerau und August Tauterat.
Bearbeitet von Dipl.-Ing. Rainer Franz und Dipl.-Ing. Johannes Nolte.
21., aktualisierte und erweiterte Auflage 2016. DIN A4. Gebunden.
440 Seiten mit 1023 farbigen Abbildungen.
129 Euro
ISBN 978-3-481-03400-9
Verlagsgesellschaft Rudolf Müller GmbH & Co. KG
URL: www.baufachmedien.de