Buchtipp (8. März 2016)

Baulicher Holzschutz

Derjenige, der sich professionell mit Schäden am Bau auseinandersetzt, ist in der Regel ein Fachmann. Weil er anhand der Bauschäden exakt feststellen kann, was beim Bauen schief gelaufen ist. Egal, ob es sich dabei um Feuchteschäden oder um Schäden am Baumaterial Holz handelt. Tatsache ist, kein Bauwerk kommt ohne Holz aus! Wird das Holz beim Einbau „stiefmütterlich“ behandelt, rächt es sich in Form von Ungehorsam. Man kann auch sagen, es verweigert nach kurzer Zeit seinen Dienst. Damit das nicht passiert, muss das Holz, das verbaut wird, gut vorbehandelt werden. Der Experte sagt hierzu Holzschutz! Die Ressource Holz ist reichlich vorhanden, wenn der Mensch darauf achtet, dass die gefällten Bäume auch wieder ersetzt werden. Holz ist nicht nur ein faszinierender Baustoff, nein, Holz ist auch langlebig, wenn gewisse Regeln bei der Verarbeitung beachtet werden!

   

Ulrich Arnold, ein nachweislicher Holzexperte, kennt sich so gut mit dem Baustoff Holz aus, dass er darüber ein Buch geschrieben hat. „Baulicher Holzschutz“, ein Grundlagenwerk, welches sich mit der Planung und Ausführung befasst, liegt jetzt druckfrisch vor, so dass ich die Möglichkeit habe, einen Blick hineinzuwerfen! Bereits im Vorwort beklagt der Autor, dass viel Wissen über den baulichen Holzschutz in Vergessenheit geraten ist. Wie kann das bloß sein, wo doch in jedem Haus reichlich Holz verbaut wird? Leben wir inzwischen in einer Bauzeit, wo die Laien die Regie beim Bauen übernommen haben? Deshalb verwundert es nicht, dass der Autor bei seinen Stippvisiten viel zu viele Holzkonstruktionen antrifft, die entweder nicht optimal oder gar keinen baulichen Holzschutz vor dem Einbau erfahren haben.

Das gebundene Fachwerk, das angenehm in der Hand liegt, leistet diesbezüglich einen wichtigen Beitrag, um die Wissenslücke zu schließen. Relativ schnell bemerkt der interessierte Leser, dass hier Fachwissen auf Praxiserfahrung trifft. Bereits die Einleitung verrät, dass die Feuchtigkeit der größte Feind des Holzes ist. Zu feucht eingebautes Holz erkennt man in der Regel daran, dass es sehr viele Untermieter hat. Das schmackhafte Naturprodukt Holz ist dann durchzogen von winzig kleinen Bewohnern, also Insekten, die das Holz im Laufe der Zeit sprichwörtlich auffressen! Baulicher Holzschutz bedeutet somit vor allem auch, die Holzschädlinge vom Holz möglichst fernzuhalten. Einer der gefräßigsten Gesellen ist bekanntlich der umgangssprachliche Holzwurm.

Holz gehört zu den Baustoffen, die hygroskopisch sind, so dass es auf Schwankungen der Luftfeuchtigkeit reagiert: Sinkt die Luftfeuchtigkeit, verringert sich auch die Holzfeuchtigkeit. Holz ist demzufolge immer abhängig von der Umgebungsfeuchte. Weshalb auch der Begriff, Holz arbeitet, verwendet wird! Holz mit Holzfeuchten oberhalb von 20 Prozent sind in der Regel kritisch zu sehen, so dass das Bauen mit Holz bauphysikalische Kenntnisse abverlangt!

Was in der Landwirtschaft nach wie vor gelebter Alltag ist, die Anbauflächen großflächig mit Pflanzenschutzmitteln zu übersprühen, z.B. Glyphosat, versuchte man lange Zeit auch beim Holzschutz. Der chemische Holzschutz ist aber aus gesundheitlichen Gründen nicht Bestandteil diese Buches. Die Zeiten, wo noch locker und gedankenlos mit dem Umweltgift hantiert wurde, zum Nachteil der Bewohner, die diese Schadstoffe einatmen müssen, gehören spätestens der Vergangenheit an, seitdem die DIN 68 800 den baulichen Holzschutz neu definiert hat. Der umweltverträgliche Holzschutz beherrscht demzufolge heute die Szenerie. Bauliche Holzschutzmaßnahmen, die allerdings diverse Kenntnisse im Umgang mit Holz voraussetzen, sollten demzufolge zur Selbstverständlichkeit gehören, auch wenn ein schneller Anstrich mit einer chemischen Substanz bisweilen bequem und verlockend erscheint.

Insbesondere der Neufassung der Holzschutz-Verordnung im Jahre 2011/2012 ist es zu verdanken, dass diesbezüglich ein Paradigmenwechsel stattgefunden hat. Darüber hinaus galt es, die EU-Norm in die deutsche DIN-Norm umzuwandeln. Wer korrekt mit Holz arbeiten will, muss in der Tat nur vier Dinge beachten. Schutz vor der Feuchtigkeit, wenn schon feucht geworden, dann möglichst schnell wieder trocknen lassen, dazu der Schutz vor Schädlingen und die richtige Auswahl des geeigneten Holzes für den erforderlichen Zweck. Wer diese Grundanforderungen beachtet, wird lange Zeit Freude an seinem Holz haben!

Arnold widmet sich in der Folge allen wichtigen Fragen, die es im Zusammenhang mit Holz zu beantworten gilt. Der Dauerhaftigkeit des Holzes, den Gebrauchsklassen im baulichen Holzschutz, den Beschaffenheitsvereinbarungen sowie dem Holzschutz in der Planung, Bauausführung und der späteren Nutzung. Daran anschließend wird die breite Palette an Bauteilen und Konstruktionen, die in einem Gebäude sinnvollerweise aus Holz ausgeführt werden, systematisch abgehandelt, wobei der Leser immer wieder an die vier Grundanforderungen erinnert wird. Feuchtigkeit, Schutz vor Feuchtigkeit, Schutz vor Insekten und die Gebrauchsklassenzuordnung. Insgesamt elf Einsatzgebiete am Haus, die die große Vielfalt des Holzeinsatzes unterstreichen. Bevor der übliche Anhang das Werk beendet, werden noch die Holzwerkstoffplatten abgearbeitet, die sich sowohl für den Trockenbereich als auch für den Feuchtebereich eignen.

Fazit: Ein gelungenes, praxisnahes Fachbuch im Umgang mit Holz und dem dazugehörigen baulichen Holzschutz. Eine willkommene Orientierungshilfe für Planer, Bauunternehmer, Handwerker und Fachleute, die über mehr oder weniger Holzsachverstand verfügen. Obendrein verständlich geschrieben und reich an visuellen Interpretationen, so dass der korrekte Umgang mit Holzkonstruktionen erfolgreich gelingen kann. Neben der erforderlichen Grundlagenvermittlung bezieht der Autor all sein praktisches Know-how mit ein, damit der Interessent den erforderlichen Holzschutz erfolgversprechend umsetzen kann, um selbst langlebige Holzkonstruktionen erleben zu können. Wer all diese Hinweise im Buch beachtet, braucht in der Tat keine Angst zu haben, dass eines Tages der „Anobium punctatum“ (Nagekäfer oder Holzwurm) frech aus dem Holz Hallo sagt! Dipl.-Ing. (FH) Uwe Morchutt

Bibliografische Angaben
Baulicher Holzschutz
Grundlagen, Planung, Ausführung
Von Dipl.-Ing. Ulrich Arnold.
2016. 17 x 24 cm. Gebunden. 238 Seiten mit 23 Abbildungen und 20 Tabellen.
1. Auflage
Buch: 59 Euro/ ISBN 978-3-481-03378-1
E-Book PDF: 47,20 Euro/ ISBN 978-3-481-03379-8
Verlagsgesellschaft Rudolf Müller GmbH & Co. KG
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