Buchtipp (15. März 2015)

Hausfäule- und Bauholzpilze
Diagnose und Sanierung

Diverse Schädlinge am Bauwerk, hier sind explizit keine Handwerker gemeint, können sich nur entwickeln, wenn ideale Wachstumsbedingungen vorhanden sind. Wärme und Feuchtigkeit reichen in der Regel schon aus, um dem fröhlichen Treiben nicht den notwendigen Einhalt zu gebieten. Hinzukommen selbstverständlich noch organische Elemente, Hölzer aller Art sind solch wohlschmeckende Stoffe, die die reichhaltige Nahrungskette feilbieten, um die Fortpflanzung und Vermehrung richtig anzuregen. Der Nährboden, hier die Biomasse, ist in jedem Gebäude vorhanden, es ist sozusagen angerichtet!

Hat man die kleinen gefräßigen Schlawiner einmal im Haus, wird man sie so schnell nicht wieder los. Deshalb sollte man eher früher als später, bevor alles aufgefressen ist, unbedingt etwas dagegen unternehmen. Einfacher gesagt als getan, ihnen die Nahrungsgrundlage zu entziehen! Um es richtig angehen zu lassen, ist mir doch dieser Tage, natürlich rein zufällig, ein Handbuch in die Hände gefallen, dem Rudolf Müller Verlag sei dank, dass er ausgerechnet für diese Zwecke geballtes Fachwissen bereithält, damit die Sache garantiert nicht daneben geht.

Hausfäule- und Bauholzpilze heißt dieses wohlklingende Fachbuch, was schon viel über den Inhalt verrät. Der Untertitel „Diagnose und Sanierung“ weißt aber schon den Weg, wo die Reise hinführt. Es wird allerdings eine lange Reise, da das Handbuch, ein faszinierendes Grundlagenwerk, allein schon von den Ausmaßen her, einiges in petto hält.

   

Dr. Tobias Huckfeldt, ein Mykologe, auch Pilzforscher genannt, und Prof. Dr. Olaf Schmidt, ein Holzbiologe, also zwei Experten auf dem Gebiet, die sich in mikrobiologischen Sphären scheinbar zu Hause fühlen, zeichnen für den Inhalt verantwortlich. Ein Blick in ihr fleißiges Werk, soll die „wundersame“, bisweilen fremde Welt der Pilzkulturen für uns Laien begreifbarer machen. Blättert man das imposante Buch erstmalig durch, 600 DIN A4-Seiten, fällt einem sofort die große Menge an Abbildungen auf. Ein farbenfrohes Schauspiel der Pilzkulturen wartet sogleich auf sein gespanntes Publikum.

Gleich zu Beginn des Werkes erfährt der interessierte Leser, was für mich auch neu ist, dass Pilze weder Tiere noch Pflanzen sind, sondern zu der eigenständigen Gruppe der „Fungi“ zählen. Sie ernähren sich vor allem durch Biomasse, so dass der Nährstoff Holz eine ideale Nahrungsquelle bietet. Da es kein Gebäude ohne Holz gibt, man denke nur an den Dachstuhl, ist die Gefahr latent vorhanden, sich einen „Fungi“ einzufangen.

Die Autoren behandeln in ihrem Pilz-Leitfaden, der insgesamt elf Kapitel umfasst, das Thema Hausfäule- und Bauholzpilze dermaßen akribisch und vor Sachkunde nur so strotzend, dass jeder Betroffene, wie z.B. Bauherren, Architekten und ausführende Unternehmen, alle Informationen erhält, die er zur Abwehr und Beseitigung der gefräßigen Schädlinge benötigt. Jeder Pilz besteht demnach aus den Teilen Fruchtkörper, Stränge und Mycelien, die feine Fäden oder Röhren bilden. Dieses netzartige Geflecht wird dann Hyphe bezeichnet. Das schlauchförmige System sorgt dafür, dass die Nährstoffe gut verteilt werden können. Die Folge: der Pilz wächst. Verständliche Sprache und die üppige Visualisierung erleichtern die leichte Aufnahme der gewöhnungsbedürftigen Kost.

Warum finden wir dieses Phänomen aber im und am Holz? Selbstverständlich gibt es hierauf die passende Antwort. Das Holz ist ja morsch! Diesen Ausspruch kennt ein jeder von uns. Schuld daran sind die Pilze und andere kleine Lebewesen, denen Holz einfach gut schmeckt. Die Struktur des Holzes, bestehend aus einem Röhrensystem, macht es möglich, dass sich die Schädlinge dort so Wohlfühlen, wenn genug Feuchte vorhanden ist.

Äußerst spannend und hoch interessant zu lesen, Kapitel 1, wie Holz in fünf Phasen systematisch von Pilzen zerstört wird. Jetzt könnte ein pfiffiger Geist erwidern, dann schütze ich mein Holz ganz einfach. Recht hat er. Deswegen muss Holz unterhalten und geschützt werden, z.B. durch Fungizide, auch als Anti-Pilzmittel bekannt. Dann haben die Pilze keine Chance! Übrigens kann jede Holzart, so die Autoren, von Pilzen befallen werden, wenn man es nicht entsprechend schützt. Beruhigend zu vernehmen, dass Holz schon eine relativ hohe Feuchteumgebung erfordert und die noch über einen längeren Zeitraum andauern muss, also einige Wochen, um von Pilzwachstum überhaupt befallen zu werden. Vorbeugender Holzschutz sollte also regelmäßig und sorgfältig vorgenommen werden! Wichtigste Voraussetzung überhaupt, das einzubauende Holz muss die zulässige Holzfeuchtigkeit aufweisen. Wer zu feuchtes Holz verbaut, wird alsbald Besuch von den „Fungis“ bekommen!

Wer hingegen sein Holz gut behandelt, hat dauerhaft Freude daran. Ein weitgehend intakter Dachstuhl aus dem Jahre 1250, eine Abbildung dazu in Kapitel 2, bekräftigt diese Aussage bildhaft. In der Folge werden die Fäulepilze systematisch nach ihrem Auftreten vorgestellt, so dass kein wichtiger Vertreter dieser Gattung unerwähnt bleibt. Die Autoren liefern einen atemberaubenden Einblick in die bunte Welt der Pilzkulturen, die das Auge wahrlich fesseln können. Den Schaden trägt allein das Holz davon.

Relativ spät, erst in Kapitel 10 und 11, widmen sich die Pilzforscher der Diagnose und der Sanierung von Gebäuden, die durch befallenes Holz geschädigt sind. Allein diese lange Verweildauer bei den Pilzen zeigt, wie viele Arten von Fäulepilzen es tatsächlich gibt. Die relativ große Anzahl an Untersuchungsmethoden und Gerätschaften ermöglichen es aber heute, den Pilzkulturen auf die Schliche zu kommen. Probenentnahmen und Untersuchungen führen so zur sicheren Diagnose, so dass im Ergebnis dessen die adäquate Sanierung eingeleitet werden kann. Das Bauordnungsrecht besagt indes, dass der Pilzbefall nachgewiesen und die Notwendigkeit der Bekämpfung gegeben sein muss. Die Obliegenheit liegt hier in der Regel beim Bauherrn! Ein Befall mit dem echten Hausschwamm gehört sogar in Teilen der Republik in die Kategorie meldepflichtig!

Bevor ein umfangreicher Anhang das Werk beendet, in dem Fachbegriffe erklärt und die vorkommenden Pilz namentlich aufgelistet sind, erläutern die Autoren die fachlich korrekte Pilz-Sanierung, die nur von Spezialunternehmen vorgenommen werden sollte. Weil Fäulepilze, die nicht komplett beseitigt wurden, alsbald wieder ungeniert durchs Holz Hallo sagen.

Fazit: Da Holz im Gegensatz zu den meisten Menschen immer arbeitet, kommt es vor allem darauf an, dass das Holz, was eingebaut wird, genügend abgetrocknet ist. Denn wir treffen hier das Phänomen der Ausgleichsfeuchte (Gleichgewichtsfeuchte) an. Holz hat immer die Angewohnheit, die Umgebungsfeuchte anzunehmen! Dieses Mysterium gestattet dem Holz, sich bei andauernder feuchter Umgebung einen Pilz einzufangen. Bedeutet aber auch für jeden Hausbesitzer, die Holzumgebung permanent zu überwachen und das Holz vorbeugend zu schützen. Wird über einen längeren Zeitraum Holz zu starker Feuchtigkeit ausgesetzt und ist das Holz ungeschützt, wird der betreffende Eigentümer die Art von Fäulepilzen vorfinden, die uns das faszinierende Fachbuch Hausfäule- und Bauholzpilze zu Tage fördert. Eine wunderhübsche Welt der Pilzkulturen, die sowohl dem Holz als auch dem Gebäude schwer schaden können.

Aktuelle Ergebnisse aus Laborversuchen zu Holzfeuchte, Holzabbau und Temperaturansprüchen liefern darüber hinaus zusätzliche Entscheidungshilfen. Die Neuauflage wurde mit Blick auf die neue DIN 68 800, Teile 1 bis 4, aktualisiert und um ca. 230 Seiten intensiviert. Die Autoren haben zudem eine große Anzahl alternativer Sanierungsvorschläge und Schadensschwerpunkte gewissenhaft in das Werk eingearbeitet. Wer den Roh- und Baustoff Holz liebt und lange Freude daran haben will, kommt an diesem gelungenen Handbuch garantiert nicht vorbei! Dipl.-Ing (FH) Uwe Morchutt

Bibliografische Daten
Hausfäule- und Bauholzpilze – Diagnose und Sanierung
Von Dr. Tobias Huckfeldt, Prof. Dr. Olaf Schmidt.
2., aktualisierte und erweiterte Auflage 2015. DIN A4. Gebunden. 610 Seiten mit 1882 Abbildungen und 150 Tabellen.
99 Euro. Subskriptionspreis bis 30. April 2015.
119 Euro. Preis ab 1. Mai 2015.
ISBN 978-3-481-03100-8
Verlagsgesellschaft Rudolf Müller GmbH & Co. KG
URL: www.baufachmedien.de