Neue Studie: Pfusch am Bau (21. Januar 2015)

Erschreckende Ergebnisse!

Der letzte Bauschadensbericht der DEKRA liegt nun schon genau sieben Jahre zurück. Er stammt aus dem Januar 2008. Wer jetzt annimmt, es gäbe deshalb keine Mängel mehr, weil es keinen aktuelleren Bericht gibt, der irrt. Eine aktuelle Umfrage der Beratungsfirma Porsche Consulting GmbH, repräsentativ durchgeführt vom Marktforschungsinstitut Forsa, fördert es zu Tage, was Bauprofis Tag für Tag bei ihrer Arbeit sehen und erleben, wovon Handwerker und Lobbyisten aber nichts wissen wollen. Das ewige Thema: Mängel beim Bauen! Oder Pfusch am Bau: Die Fakten sind leider so eindeutig, dass leugnen keinen Sinn macht. Die gern gepriesene Ehre der Handwerker oder das handwerkliche Können ist schon lange verloren gegangen! Eigentlich eine Schande, die sich nun wirklich keiner leisten kann.

   

Der nicht hinnehmbare Pfusch am Bau kostet privaten Bauherren jährlich mehrere Milliarden Euro. Bei Rechtsstreitigkeiten aufgrund von Baumängeln gab es vergangenes Jahr rund 40 000 Urteile vor Amts- oder Landgerichten in der ersten Instanz. Jahrelange Rechtsstreitigkeiten schließen sich an. Das Urteil ist in der Regel ungewiss, so dass zusätzliche Kosten hinzukommen, die kaum ein Bauherr eingeplant hat.

Jeder zweite Deutsche, der in den vergangenen fünf Jahren ein Haus gebaut oder eine neue Eigentumswohnung erworben hat, klagt über massive Mängel am Bau. Doch die Bauherren und Käufer leiden auch unter der Unpünktlichkeit: Jedes fünfte Projekt wird nicht zum geplanten Termin fertig. Nahezu jeder vierte Hausbauer oder Wohnungskäufer hat deshalb Verträge gekündigt und den Handwerker gewechselt.

Befragt wurden Frauen und Männer zwischen 25 bis 60 Jahre, die in den fünf Jahren von 2010 bis 2014 ein Eigenheim gebaut oder einen Neubau gekauft haben.

   

Mängel: fünf Prozent des Baupreises
Die Kosten für das Nachbessern von Mängeln betragen im Durchschnitt mindestens fünf Prozent des Baupreises. Das Hauptproblem ist die mangelnde Koordination der Gewerke. Jeder Handwerker denkt nur an sein Gewerk. Laut VOB hat aber jedes Gewerk eine Mitverantwortung gegenüber anderen Gewerken. Die Hinweis- und Mitteilungspflicht auf vorhandene Mängel betrifft somit alle Gewerke, so dass bei Unterlassung immer auch ein Mitverschulden vorliegt!

Durch eine straff organisierte Bauabwicklung von der Planung bis zur Übergabe könnte die Bauzeit um 25 Prozent verkürzt werden. Die einzelnen Handwerksarbeiten müssten jedoch untereinander gut vernetzt und durch einen Bauleiter geführt und kontrolliert werden. Nur acht Prozent der Bauherren gehen aber zu einem Anwalt.

Genau 51 Prozent der Befragten gibt an, dass bei ihrem Bauvorhaben Beanstandungen der Qualität zu Nacharbeiten oder Reparaturen geführt haben. Fast jeder fünfte Bauherr ist darüber in Streit mit den Bauunternehmen geraten. 44 Prozent müssen Verzögerungen hinnehmen, weil die verschiedenen beteiligten Handwerksbetriebe nicht gut aufeinander abgestimmt gewesen sind.

Das hat für manchen Bauherrn drastische Folgen: Bei jedem Fünften hat sich der Bezugstermin verzögert – in 13 Prozent der Fälle um bis zu drei Monate, bei sieben Prozent auch erheblich länger, bei 7 Prozent auch erheblich länger. Aus Unzufriedenheit kündigten 23 Prozent der Auftraggeber sogar Verträge mit einzelnen Handwerkern und wechselten zu einem anderen Anbieter.

Unter den Streitigkeiten leidet das Image des deutschen Baugewerbes: 64 Prozent der Bauherren haben den Eindruck, dass es „große Qualitätsunterschiede bei der Arbeit und der Kompetenz der Handwerker“ gebe, so die aktuelle Umfrage, Als Ursache für Fehler und Verzögerungen nennen 21 Prozent „Schwächen in der Bauleitung“. Till Friedrich, als Partner bei Porsche Consulting verantwortlich für den Bereich Bau, ist überzeugt, dass spürbare Verbesserungen schnell und effektiv umsetzbar wären, wenn mehr Transparenz geschaffen würde: „Allein die konsequente Koordination aller beteiligten Gewerke führt zu zuverlässigeren Abläufen, ermöglicht Termintreue und steigert die Ausführungsqualität erheblich.

Wie in der Automobilindustrie sind auch im Bauwesen Taktplanung und Taktsteuerung wirkungsvolle Instrumente. Das muss bereits in der Planungsphase berücksichtigt werden. Dann kann sich die Wirkung im gesamten Prozess bis zur Fertigstellung voll entfalten.“ Das, so Friedrich, erhöhe nicht nur die Kundenzufriedenheit. Bauunternehmen könnten unnötige Zusatzkosten für Doppelarbeiten und Nachbesserungen sparen sowie Zeit für zusätzliche Aufträge gewinnen, wenn sie ihre Prozesse und ihr Zusammenspiel verbessern.

Laut Dieter Ansorge, Auszug aus den Fachbüchern der Reihe - Pfusch am Bau, Allgemeine Hinweise zur Vermeidung von Pfusch am Bau, Fraunhofer IRB Verlag, verteilen sich die Mängel folgendermaßen:

Typische Baumängel

Vertragsmängel
- schwammige, unvollständige und fehlerhafte Baubeschreibungen mit ungültigen Ausführungsregelungen und oft untauglichen Materialien.

Planungsmängel
- fehlende Ausführungs- und Detailpläne
- unvollständige Pläne
- fehlende oder unvollständige Tragwerksplanung
- fehlende oder unvollständige Planungen der Technischen Gebäudeausrüstung
- fehlende Baugrundgutachten
- fehlende Schallschutzplanungen
- fehlende Energieeinspar- und Wärmeschutzberechnungen.

Wo treten die meisten Mängel auf?
- bei der Grundstücksentwässerung
- bei erdberührten Wänden, Bodenplatten und Decken
- bei Dachdeckungen und -abdichtungen
- an der äußeren und inneren Bauwerksabdichtung
- an Wärmedämmungen
- bei dem Feuchteschutz der Gebäudehülle
- bei Schalldämmungen
- an Installationsleitungen
- bei Estrichen sowie
- an Eingangstüren.

Fazit: Eine alte Bauweisheit sagt: Jeder Mensch baut nur einmal in seinem Leben. Die Gründe liegen auf der Hand. Die Fälle, dass nach einer Baumaßnahme der Bauherr insolvent ist, nehmen spürbar zu. Als Bauexperte, der sich seit 1971 mit dem Bauen beschäftigt, könnte man angesichts der desolaten Zustände auf deutschen Baustellen annehmen, dass die Deutschen das Bauen verlernt haben. Oder steckt sogar System dahinter? Es profitieren einfach zu viele vom Pfusch!

Die großen öffentlichen Bauvorhaben, Flughafen BER, Berlin, die Elbphilharmonie, Hamburg, sowie Stuttgart 21, um nur drei der peinlichsten Bauvorhaben zu nennen, vermitteln obendrein keine guten Beispiele oder Anreize für mangelfreies und pünktliches Bauen, im Gegenteil. Man kann nur jeden Bauherrn ermutigen, sich akkurat und sorgfältig auf die eigene Baumaßnahme vorzubereiten, damit das eigene Bauvorhaben nicht im Fiasko endet! Die objektiven Gefahren dafür sind sehr groß! Es geht schließlich um Ihr Geld! Dipl.-Ing. (FH) Uwe Morchutt