Buchtipp (17. November 2014)

Pflaster Atlas
Planung, Konstruktion und Herstellung

Wenn ich das Wort Pflaster und Gehwegplatten lese, dann kommen bei mir ganz persönliche Erinnerungen hoch. Ein Flashback der besonderen Art sozusagen. Der Rücken und die Kniegelenke melden schmerzhafte Signale, weil die besonders beansprucht wurden. Dass ich einmal selbst Hand angelegt habe, obwohl meine Hände eher zum Schreiben taugen, egal, ob nun mit der Feder oder der Tastatur, grenzt schon an ein Wunder. Vielleicht liegt es auch daran, dass es schon gute 40 Jahre her ist. Wegebefestigungen werden aber nach wie vor ausgeführt, so dass ein fachmännischer Blick darauf: Wie wird es eigentlich heute gemacht? – nicht nur die eigene Neugier befriedigen sollte.

Prof. Mentlein, ein erfahrener Straßenbauer und Baustoffexperte, berichtet bereits in der 4. Auflage über die befestigten Verkehrsflächen, die die Menschheit seit Jahrtausenden bekleiden. Wer nicht im Schlamm und Morast versinken will, muss die Wege befestigen. Ganz einfach und nachvollziehbar. Die Einführung erinnert an historische Wegebefestigungen wie die Pflasterstraße in Babylon, die Heilige Straße von Delos und die Römerstraße aus Pompeji, um nur einige beim Namen zu nennen. Allesamt beeindruckende Pflasterflächen, für die jeweilige Zeitepoche, die auch die Bezeichnung verdienen.

   

Vom 1. März 1842 berichten die ersten „Anweisungen für die Legung dauerhafter Steinpflaster“, aus Schleswig und Holstein, in Wort und Bild, so dass die erste Verlege-Vorschrift geboren war, die in Teilen noch heute Bestand hat. Man kann also ohne Untertreibung sagen, beim Verlegen von Pflaster hat sich über die Jahrhunderte nicht viel geändert. Das Pflaster besteht in der Regel aus zwei Elementen: dem Pflaster und den Fugen! Wie bei anderen Tätigkeiten auch kommt es auf die exakte Ausführung an. Die zweite wichtige Prämisse ist die richtige Materialauswahl.

Pflastersteine, Kapitel 1: Über Jahrhunderte hinweg bestimmten die Natursteine das Geschehen bis der künstliche Stein, der Beton, ihnen den Rang ablief. Granit, Basalt und Marmor sind sicher die bekanntesten Materialien, die zum Pflasterstein taugen. Gegenüber den Betonsteinen, deren Form man x-beliebig gestalten kann, hat jeder Naturstein eine unverwechselbare Gestalt, außer man uniformiert sie. Vor allem wird die Deckschicht behandelt, damit die begehbare Oberfläche eine sichere Nutzung gewährleistet. Darüber hinaus gibt es aber auch noch Pflasterklinker und Pflasterziegel sowie Holzpflaster. Alles Wissenswerte zu den Pflastersteinen erfährt der Leser zu Beginn des Werkes.

Welches Pflaster eignet sich aber für welchen Zweck? Die Belastbarkeit und die Beanspruchung, hier sind vor allem die Wettereinflüsse zu nennen, sind die Entscheidungskriterien überhaupt, die die Haltbarkeit von Pflasterflächen beeinflussen. Welcher Stein hier versagt, kommt gar nicht erst in die engere Auswahl. Im dritten Teil des Buches geht es schließlich um den Aufbau einer Pflasterfläche. Wer jetzt denkt, man könne die Steine einfach mal so hinlegen, wird schon bald keine Freude mehr an seinem Pflaster haben. Entscheidend ist der Aufbau, und zwar von Grund auf. Eine gute Basis, als Unterbau und Oberbau bezeichnet, ist unabdingbar für eine zweckdienliche Pflasterfläche.

Der Begriff Planum, der die untere Tragschicht benennt, die auch als Frostschutzschicht dient, klingt sicher für Außenstehende fremdartig, nennt es aber beim Namen. Das darin enthaltene Wort Plan symbolisiert ganz klar, dass es planmäßig zugeht. Die obere Tragschicht wird dann auf das Planum aufgebracht. Beide Tragschichten, auch als Oberbau bezeichnet, liegen auf dem Unterbau. Der Oberbau und der Unterbau bestimmen die Qualität des Pflasters. Vor allem in Frostperioden, Frost-Tau-Wechsel, zeigt sich, wie gut gearbeitet wurde. Sprengt der Frost das Pflaster im Frühjahr übermäßig, wurden bestimmt grundlegende Fehler begangen!

Die Fugen, die Zwischenräume zwischen den einzelnen Steinen, müssen sorgfältig ausgeführt und verfüllt (durch Einfegen, Einschlämmen) werden. Nur so bekommen die Steine einen guten Halt im Pflasterverbund, damit keiner lose wird und herausbricht. Ein fester Pflasterverbund schützt den einzelnen Stein, indem sie sich gegenseitig stützen. Bricht nur einer aus, dann ist die Stolper- und Verletzungsgefahr unvermeidbar. Wird hier nicht schnell gehandelt und die schadhafte Stelle repariert, platzen immer mehr Steine heraus und die gesamte Pflasterfläche ist hinüber. Leider kein seltenes Schadensbild in unseren Städten. Je größer der Schaden, desto teurer wird die Reparatur.

Die Tragschicht kann je nach Belastung gebunden oder ungebunden, ob nun als Gehweg, der eine geringere Belastung erfährt, oder befahrbare Straße, mit größerer Belastung, hergestellt werden. Gebunden heißt in diesem Fall, dass ein so genannter Magerbeton (zementgebundener Mörtel, Dränmörtel), also ein Beton geringerer Güte, eingebracht wird. Am Rand wird die Pflasterfläche zusätzlich eingefasst, hier kommen Bordsteine zum Einsatz, so dass die komplette Pflasterfläche ein Ganzes Erscheinungsbild ergibt. Diverse Verbände, ähnlich wie beim Mauerwerk, können dem Pflaster obendrein ein ästhetisches Antlitz und optischen Schmuck verleihen.

Die Fugen können auch mit einem Bitumenverguss verschlossen werden, so erhält man eine Versiegelung, so dass das Niederschlagswasser nicht versickern kann. Damit das Wasser trotzdem gut abläuft, ist ein Quergefälle (ca. 2,5 bis 4 Prozent) anzuordnen. Das Gefälle in Pflasterflächen sorgt generell dafür, dass das Wasser zu einem Regeneinlauf (z.B. Randbereich, Rinne) fließt und mittels Schacht und Regenwasserleitung zu einem Vorfluter gelangt. Einläufe und Schachtabdeckungen müssen exakt in der Höhe in das Pflaster eingebettet werden, damit keine Stolperkanten entstehen. Leider ein weit verbreitetes Phänomen, oftmals liegen die Gitterroste und Abdeckungen zu tief, was sehr nervend, aber auch als Gefahrenquelle fungieren kann. Die Einfassungen bedürfen deshalb hoher Aufmerksamkeit und einer Portion baufachlichen Könnens. Sie werden gerade durch Frost-Tau-Wechsel, weil hier unterschiedliche Materialien aneinander stoßen, besonders stark beansprucht, so dass diese Stellen relativ schnell Schäden aufweisen. Regeneinläufe müssen darüber hinaus periodisch gereinigt (Sandfänge, Schlammeimer) werden, so dass sie nicht verstopfen!

Ein wichtiges Kapitel, Nummer 11, sei noch erwähnt. Planungs- und Ausführungsmängel, Abnahme und Toleranzen zeigen zum einen die Fehlerquellen und zum anderen einzuhaltenden Arbeitsschritte auf. Die Abweichungen müssen im erlaubten Toleranzbereich liegen, ansonsten gelten sie als Mängel, die bei der Abnahme zu protokollieren und fristgemäß abzustellen sind. Texte für Leistungsbeschreibungen, Abrechnung von Pflasterarbeiten, Unterhaltung sowie Schäden und deren Ursachen schließen das Werk ab. Des Weiteren enthält der Pflaster Atlas auch die Neuerungen in den RStO 12 (Richtlinien für die Standardisierung des Oberbaus von Verkehrsflächen). Der übliche Hinweis auf alle aktuellen Regelwerke, die sich mit der Thematik befassen, darf natürlich nicht unerwähnt bleiben.

Fazit: Pflasterflächen sind etwas Besonderes! Vielleicht mit Fachwerkbauten zu vergleichen. Gegenüber Bitumen oder Beton verfügt Pflaster über einen individuellen Charme. Ein Fachbuch, das Freude bereitet, wenn man es in die Hand nimmt. Da dieses bewährte Grundlagenwerk bereits in der 4. Auflage vorliegt, hat es seine Anhänger bisher nicht enttäuscht. Die Komplettierung zu Schadensarten und deren Ursachen, Konstruktionszeichnungen und Vorschläge für Leistungsverzeichnistexte verleiht dem Werk eine zusätzliche fachliche Note, die sicher gern gesehen wird.

Der Pflaster Atlas ist ein fachlich fundiertes, in der Beschreibung und Erläuterung seines Inhaltes leicht verständliches Fachwerk. Die qualitativ hochwertige Visualisierung sorgt obendrein für eine bildreiche Erklärung. Planer, Ausführende, Garten- und Landschaftsbauer, Sachverständige, aber auch in der Lehre befindliche Berufseinsteiger, die den Berufswunsch realisieren wollen, bekommen ein Buch an die Hand, womit sie Punkten können. Ich wäre vor 42 Jahren in meiner Lehrzeit froh gewesen, wenn ich solch einen Erfahrungsschatz rund um das Pflaster an meiner Seite gehabt hätte. Dipl.-Ing. (FH) Uwe Morchutt

Bibliografische Daten
Pflaster Atlas
Planung, Konstruktion und Herstellung
Von Prof. Dr.-Ing. Horst Mentlein.
4., aktualisierte und erweiterte Auflage 2014. DIN A4. Gebunden. 241 Seiten mit 330 Abbildungen und 78 Tabellen.
79 Euro
ISBN 978-3-481-03245-6 (Buchausgabe)
63,20 Euro
ISBN 978-3-481-03246-3 (E-Book, PDF-Ausgabe)
Verlagsgesellschaft Rudolf Müller GmbH & Co. KG
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