Buchtipp (26. Oktober 2014)

Kellersanierung
Ratgeber für die Praxis

Schäden erkennen, bewerten, sanieren

Haben Sie schon einmal an einem EBook gerochen? Nichts zu riechen, außer Kunststoff vielleicht. Schälen Sie aber ein druckfrisches Buch aus seiner Zellophanhülle, ohne Plaste geht es scheinbar nicht, dann riechen Sie ein Buch. Ist es sogar ein gebundenes Buch, ein wahrlich unverwechselbarer Duft. Es berührt die Sinne und verleitet zum Anfassen und Aufschlagen! Genau so erging es mir, als ich das kleine, handliche Fachbuch: Kellersanierung das erste Mal in die Hände nahm. Ein Buch sollte aber immer auch seine Daseinsberechtigung belegen, denn es steckt viel Arbeit und Material darin. Schauen wir doch einfach mal hinein!

Die Kellersanierung, eine heikle wie anspruchsvolle Aufgabe zugleich. Gerade hat der BGH (AZ: V ZR 9/14) über eine misslungene Kellersanierung verhandelt, wo die Sanierung dermaßen schief gelaufen ist, dass die Kellergeschoss-Wohnung unbewohnbar ist. Seit dem Jahr 2008 weist die Wohnung nun einen Feuchtigkeitsschaden auf. Ursache hierfür sind in erster Linie Planungsfehler, die bei dem Umbau der Keller- in Wohnräume zu schwerwiegenden Baumängeln geführt haben. Übrigens: kein Einzelfall! Wohnraum wird zunehmend teurer, so dass jeder Eigentümer versucht, möglichst viel Wohnraum zu schaffen, auch wenn es sich um Kellerräume handelt. Beachte: Die Umwandlung von Kellerräumen in Wohnräume ist wohl mit das Anspruchsvollste am Bau, das man sich vornehmen kann!

   

Robert Graefe, der Autor, stellt sich dieser Aufgabe in professioneller Weise, so dass er uns seine Erfahrungen und Ratschläge gern mitteilt. Bereits im Vorwort spricht Graefe den Stellenwert des Kellers an. Nur wer das verinnerlicht, wird Freude an seinem Keller haben. „Der Keller ist der wohl am stärksten belastete Teil eines Gebäudes.“ Genauer gesagt das Mauerwerk. Es hat sowohl die ganze Last des Gebäudes als auch noch den anstehenden Erddruck zu ertragen. Als wäre das nicht schon genug, muss es sich auch noch einer fortwährenden Feuchtebelastung erwehren. Hinzu kommt, dass 97 Prozent unserer Gebäude in die Jahre gekommen sind. Der größte Teil ist sogar 30 Jahre und älter. Also aus einer Bauzeit, wo der gute alte Keller noch Keller sein durfte! Erst die erhöhte Nutzung bringt den Keller buchstäblich ins Schwitzen!

Feuchte Keller haben in der Regel mehrere Ursachen, so dass die Reduzierung der Feuchteeinträge eine komplexe Vorgehensweise erfordert. Eine korrekte Schadensdiagnose ist aus diesem Grunde unentbehrlich, um die entstandenen Bauschäden bzw. vorhandenen Baumängel zu beheben. Graefe gibt sich selbst das Ziel vor, „ein systematisches, umfassendes und praxisbezogenes Vorgehen bei der Sanierung von Kellerräumen zu ermöglichen.“

Warum müssen Keller überhaupt saniert werden? Hier muss die Frage lauten: In wie weit beeinträchtigt die Feuchtigkeit die Gebäudesubstanz? Ist ein Arrangement mit der Feuchtigkeit möglich, so dass man die Nutzung darauf einstellen kann? Denn eines sollte man bedenken: Einen feuchten Altbaukeller wird man niemals ganz trocken bekommen! Graefe nennt sein erstes Kapitel - Notwendigkeit einer Kellersanierung, hier gibt es die ersten Antworten auf die aufgeworfenen Fragen.

Hat man sich intensiv mit der Materie der Kellersanierung auseinandergesetzt, so dass man die Maßnahme mit all seinen Konsequenzen durchziehen will, beginnen die umfassenden Voruntersuchungen. Die gründlichen Voruntersuchungen (Kapitel 2) vor Ort sollen aufzeigen, wie stark das Kellermauerwerk tatsächlich geschädigt ist. Anhand der Schadensbilder erkennt der Fachmann den Umfang der Sanierung, aus dem sich die Sanierungsmethoden ableiten lassen. Die anerkannten Regeln der Technik sind dabei besonders zu beachten. Scharlatane und windige Trockenlegungsverfahren haben hier nichts zu suchen!

Graefe beschreibt in der Folge die vertikalen Abdichtungen von außen und von innen. Alle den Regeln der Technik geläufigen Verfahren einschließlich der verwendeten Abdichtungsstoffe werden hier beschrieben und zur Verstärkung der Aussage visuell ins Bild gesetzt. Ein Blick auf die Kosten verrät obendrein, dass diese stets im Auge zu behalten sind. Der Aufwand sollte sich im akzeptablen Kostenrahmen bewegen. Abdichtung und Wärmedämmung, bauphysikalisch korrekt beleuchtet, ergänzen die jeweilige Abdichtungsmethode.

Bei Altbauten oder älteren Gebäuden kommt in erster Linie eine nachträgliche Horizontalsperrung zur Anwendung. Entweder hat das Gebäude keine horizontale Abdichtung, diese wurde ca. um 1920 in Deutschland eingeführt, oder sie ist nicht mehr funktionstüchtig, weil sie fehlerhaft oder in schlechter Qualität ausgeführt wurde. Eine Horizontalabdichtung kann auch nach 60 oder 80 Jahren ihren Dienst verweigern, weil sie schlicht verbraucht ist. Die Praxis hält hier eine Unzahl an Verfahren bereit, so dass man die für sich geeignetste Methode, Kosten-Nutzen-Verhältnis, auswählen sollte. Die Horizontalsperre verhindert beispielsweise die Kapillaraktivitäten, so dass das Aufsteigen von Feuchtigkeit unterbrochen wird. Mitgeführte, aus kristallisierte Salze können so nicht nach oben steigen und das Mauerwerk sprengen!

Eine zu Beginn des Beitrages, wenn auch misslungene Umgestaltung des Kellers zu Wohnzwecken, geschilderte Sanierung, schließt das Werk ab. Wer mit dem Gedanken spielt, den vorhandenen Keller, der bisher nur zum Zwecke des Lagerns von Gütern genutzt wurde, zu Wohnzwecken umzugestalten, sollte sich das ganz genau überlegen. Denn allein schon mit dem Heizen fangen in der Regel die Probleme an. Physikalische Gesetze lassen sich durch keine Ideologie (Denkweise) ersetzen.

Verlockend wie lukrativ zugleich erscheint es, dem Wohngebäude mehr Wohnraum oder Nutzfläche abzugewinnen. Egal ob Dachboden, Flure oder Keller. Der Fall Schneider, der von Zauberhand gesteuerte Nutzflächenvermehrer, sollte eine ernste Lehre sein. Temperaturextreme (Dachboden) und permanente Feuchtebelastung (Keller) erschweren eine Wohnnutzung derart, dass dem Gebäude nachhaltig Schaden zugeführt werden kann. Im Buch (Kapitel 6) erfährt der aufmerksame Leser weitere Herausforderungen und objektive Schwachpunkte derartiger Umgestaltungen wie zu schaffende Be- und Entlüftung, Beleuchtung und Mindestraumhöhen.

Fazit: Warum haben unsere Großväter und Urgroßväter die Keller so gebaut, wie wir sie heute vorfinden? Weil sie erkannten, wie kompliziert und komplex die Aufgabe ist oder weil sie es schlicht nicht besser wussten? Die modernen Bauverfahren heutzutage ermöglichen es, Baufehler zu vermeiden und bestehende zu beheben. Eine unbedarfte und übereilte Herangehensweise heutiger Bauherren beseitigt allerdings nicht die Feuchteprobleme, sondern verschlimmert sie oftmals noch. Graefe hat mit seinem profunden Ratgeber, natürlich auch für Freunde von EBooks verfügbar, eine Antwort parat, wie man eine Kellersanierung angehen sollte, um diese erfolgreich zum Abschluss zu bringen. Kein Platz für Spinnereien. Fundiertes, bewährtes und praxisbezogenes Wissen, das einen sehr guten Leitfaden für die eigene Kellersanierung aufzeigt. Ein idealer Begleiter für Baupraktiker, Planer, aber auch Bauherren, um kein Feuchte-Fiasko bei der Kellersanierung zu erleiden! Dipl.-Ing. (FH) Uwe Morchutt

Bibliografische Daten
Kellersanierung – Ratgeber für die Praxis
Schäden erkennen, bewerten, sanieren
Von Robert Graefe.
2014. 17 x 24 cm. Gebunden. Ca. 200 Seiten mit 141 Abbildungen und 32 Tabellen.
59 Euro (Buch)
47,20
Euro (EBook PDF)
ISBN Buch 978-3-481-03148-0
ISBN EBook (PDF) 978-3-481-03149-7
Verlagsgesellschaft Rudolf Müller GmbH & Co. KG
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