Erzeugerpreise für Strom seit Januar 2000 (10. Oktober 2014)

Private Haushalte: +92 Prozent, Weiterverteiler: –4 Prozent

Im Durchschnitt lagen die Erzeugerpreise für Strom im August 2014 rund 35 Prozent höher als im Januar 2000. Wie das Statistische Bundesamt (destatis), Wiesbaden, jetzt offen legte, entwickelten sich die Preise für die verschiedenen Abnehmergruppen in diesem Zeitraum allerdings sehr unterschiedlich. Die Preise für an private Haushalte abgegebenen Strom haben sich über den gesamten Zeitraum von Januar 2000 bis August 2014 nahezu verdoppelt (+92 Prozent). Auch industrielle Großabnehmer (+76 Prozent) und kleinere Gewerbebetriebe (+79 Prozent) mussten deutlich mehr bezahlen. Die Preise für Weiterverteiler lagen dagegen im August 2014 rund 4 Prozent unter den Preisen von Januar 2000.

Den bislang höchsten Stand hatte der Strompreis über alle Abnehmergruppen hinweg im Juli 2008 erreicht: Damals hatte der Preis um 61 Prozent über dem Wert von Januar 2000 gelegen. Vor allem eine verstärkte Nachfrage von Finanzinvestoren auf den Rohstoffmärkten und Konflikte in Nahost hatten für extreme Preise auf den Großhandelsmärkten und im Börsenhandel für Strom gesorgt. Besonders stark waren die Preise für industrielle Großabnehmer (Sondervertragskunden) (+68 Prozent) und Weiterverteiler (zum Beispiel Stadtwerke oder Versorgungsunternehmen) (+76 Prozent) gestiegen. Private Haushalte hatten im Juli 2008 hingegen nur rund 41 Prozent mehr für Strom gezahlt, kleine Gewerbebetriebe sogar nur 30 Prozent. Hier hatte dämpfend gewirkt, dass die Versorger Strom für kleinere Endverbraucher längerfristig und in Raten beschaffen.

Mit Beginn der Weltwirtschaftskrise Ende 2008 fielen die Großhandelspreise für Strom deutlich. Daneben sorgte die Zunahme des erzeugten Stroms aus erneuerbaren Energieträgern in den folgenden Jahren für einen niedrigeren Preis an den Strombörsen. Daraus konnten die privaten Haushalte ebenso wie kleine Gewerbebetriebe allerdings keinen Vorteil ziehen. Für sie wurde Strom auch nach Juli 2008 deutlich teurer und zwar bis August 2014 um 36 Prozent für Haushaltskunden und um 38 Prozent für kleine Gewerbebetriebe. Bemerkbar machten sich darüber hinaus die gestiegenen staatlichen Belastungen wie beispielsweise die Stromsteuer und EEG-Umlage (Erneuerbare-Energien-Gesetz).

Diese zusätzlichen Belastungen trafen auch Großkunden wie Industrieunternehmen. Allerdings kamen ihnen die gesunkenen Großhandelspreise deutlich stärker zugute. Zum einen profitierten sie teilweise von kurzfristigeren Beschaffungsstrategien. Zum anderen wurde die direkte Beschaffung an den Strombörsen in den letzten Jahren für viele Industrieunternehmen attraktiver. Im August 2014 mussten industrielle Kunden für Strom nur rund 5 Prozent mehr bezahlen als im Juli 2008. Für Weiterverteiler sanken die Preise im gleichen Zeitraum parallel zu den Börsenpreisen um 46 Prozent. Quelle: destatis

Fazit: Was jeder private Haushalt schon wusste, weil er es Monat für Monat über die Abschlagspauschale und spätestens mit der Jahresendabrechnung bezahlen muss, ist jetzt statistisch erwiesen. Die privaten Stromkunden zahlen die Hauptlast der Energiewende. Strom, ein Grundrecht, wird zum Luxusgut, wobei sich private Stromanbieter bereichern und viele industrielle Stromabnehmer vom Staat über die EEG-Umlage subventioniert werden! Für die so genannten Weiterverteiler, ein harmloser Begriff für Stromzwischenhändler, sank der Preis sogar! Unfassbar! Fairer Wettbewerb: Fehlanzeige! Wieso werden Preissenkungen nicht an private Stromverbraucher weitergegeben? Ist diese ungerechte Verteilung der Stromkosten überhaupt mit dem Grundgesetz vereinbar? umo

Beachte: Bei Preiserhöhungen für Strom oder Gas müssen die Verbraucher schon vorab über die Gründe informiert werden. Allein ein nachträgliches Kündigungsrecht reicht nicht aus, entschied der Europäische Gerichtshof (EuGH), Luxemburg. Danach verstießen die deutschen Preisvorschriften von 2005 bis 2008 gegen europäisches Recht.

Die Richter betonten, das EU-Recht fordere mehr Transparenz. Zudem sehe es nicht nur ein Kündigungsrecht vor, sondern auch die Möglichkeit, dass Kunden gegen eine Preiserhöhung klagen. Um diese Rechte wahrnehmen und sachgerecht entscheiden zu können, müssten sie "rechtzeitig vor dem Inkrafttreten der Änderung über deren Anlass, Voraussetzungen und Umfang informiert werden". Jeder EU-Staat müsse für einen hohen Verbraucherschutz sorgen. Die Folge: Jetzt muss der BGH wieder entscheiden.

EuGH - AZ: C-359/11 + C-400/11 (8. Mai 2014) vom 23. Oktober 2014