Buchtipp (17. September 2014)

Baugesetzbuch für Planer im Bild
Praktisch kommentiert und grafisch umgesetzt

Das deutsche Baugesetzbuch (BauGB), ehemals Bundesbaugesetz (BBauG), ist das Gesetz zum Bauplanungsrecht. Es definiert die wichtigsten stadtplanerischen Instrumente, die den Gemeinden zur Verfügung stehen, da das Bauen in Deutschland ansonsten in der Obhut der Länder liegt. Ähnlich wie in der Bildung herrscht also das System der Kleinstaaterei, oh Verzeihung der Bundesländer, was man leider an vielen Baumaßnahmen sehen kann.

Unterschiedliche Landes-Bau-Ordnungen (LBO) verlangen differenzierte Herangehensweisen, so dass das Bauen unnötig erschwert wird, obwohl ein permanenter Zeit- und Kostendruck vorherrscht. Vielleicht ist der latente Pfusch am Bau auch auf diesen Zustand zurück zu führen. Das BauGB gibt quasi die planerischen und baurechtlichen Grundanforderungen vor.

Jedem Bauplaner ist deshalb Nahe zu legen, die gesetzlichen Vorgaben einzuhalten, um die Baugenehmigung nicht arglos zu gefährden. Verstöße gegen baurechtliche Aspekte werden von Baubehörden schnell geahndet. Das modifizierte Baugesetzbuch wurde zuletzt durch die Länderöffnungsklausel zu Mindestabständen zwischen Windenergie- und Wohnanlagen vom Juli 2014 angepasst. Es bedurfte extra einer Öffnungsklausel zur Zustimmung der Länder.

   

Die jetzt vorliegende 4., überarbeitete Auflage von „Baugesetzbuch für Planer im Bild“ veranschaulicht die Fortentwicklung der Baugesetzgebung in Deutschland in lebendiger Weise. Insbesondere die Klimaschutz- und Städtebaurechtsnovelle (2011 und 2913) gaben Anlass zu dieser Aktualisierung. Nichtjuristen haben in der Regel große Probleme, die bisweilen dehnbaren Gesetzestexte zu verstehen. Durch die Zielsetzung der Autoren, Gesetzestexte durch die Sprache der Bilder einer größeren Allgemeinheit verständlicher zu machen, gewinnt das imposante Fachbuch gewiss eine hohe Wertschätzung. Ein Blick in das Druckwerk, danke Johannes Gutenberg, soll Anspruch und Umsetzung näher beleuchten.

Es ist sicher kein Zufall, dass sich gerade zwei erfahrene Baurechtler mit dieser schweren Kost befasst haben, um dieses gewichtige Fachwerk der Buchdruckkunst entstehen zu lassen. Der große Nutzen für die Architekten und Stadtplaner, die als Zielgruppe explizit angesprochen werden, liegt in dem aktuellen Wortlaut gleich dreier Gesetzestexte wie des BauGB, der BauNVO sowie der PlanZV, so dass man alle Neuerungen in einem Werk an die Hand bekommt. Darüber hinaus gibt es ein Online-Download-Angebot, um stets auf dem aktuellen Stand zu sein. Hinweise dazu findet der Nutzer zu Beginn des Buches.

Des Weiteren erläutert ein Lesehinweis, wie die Textpassagen und Paragrafen jeweils in Marginalspalten, Randbemerkungen, textlich und bildhaft kommentiert werden. Diese intelligente Vorgehensweise zieht sich wie ein roter Faden durch alle drei Gesetzestexte durch, so dass die praxisnahen Erläuterungen mit über 250 Abbildungen das Verständnis der diffizilen gesetzlichen Regeln nachvollziehbarer machen. Mit Hilfe von Diagrammen, Schemata und Beispielen werden die Verfahrensabläufe beleuchtet, um bei ihrer Anwendung in der Praxis wertvolle Dienste zu leisten.

Das Baugesetzbuch umfasst mit seinen vier Kapiteln und 249 Paragrafen 267 Druckseiten. Von der Bauleitplanung, über Flächennutzungspläne, Bebauungspläne, Bodenordnung, Wertermittlung, städtebauliche Sanierungsmaßnahmen, um nur eine wenige zu nennen, findet der interessierte Nutzer alle Vorschriften, die es zu beachten gilt. Kluge Randbemerkungen und kleine Grafiken, die stets den Bezug zur Praxis garantieren, erleichtern das Verständnis im Paragrafendschungel.

Im Anschluss daran folgt die Baunutzungsverordnung (BauNVO), die sich explizit mit der Nutzung von Grundstücken befasst. Eine übersichtliche Verordnung mit gerade einmal 23 Druckseiten. In den fünf Abschnitten werden die Spielräume der baulichen Nutzung postuliert, ohne die es sicher keine zivile Bebauung gäbe. Grundflächen- (GRZ) und Geschossflächenzahl (GFZ) sowie Baumassenzahl (BMZ) sind bestimmt die bekanntesten Kennziffern der BauNVO. Auch hier sorgen geschickte Kommentierungen mit teils farbigen Skizzen für eine nachvollziehbare Verständigung der Textpassagen. Ähnlich einer Bauzeichnung werden Baunutzungsaspekte bildhaft ins Licht gerückt, so dass eine klare Aussage vermittelt wird.

Last but not least folgt die Planzeichenverordnung (PlanZV), die vom Umfang her die kürzeste Verordnung ausmacht. Hierbei handelt es sich dem Sinn nach um Planzeichen, damit bei der Ausarbeitung von Bauleitplänen die Darstellung des Planinhalts typisiert und verständlich grafisch festgehalten werden kann. Jeder Architekt und Planer bzw. Bauexperte hat es gelernt, Bauzeichnungen zu deuten, so dass diese Planzeichen in etwa verwandt damit sind. Die grafische Umsetzung ist hier besonders lehrreich. Nur wer Baupläne und Bauzeichnungen interpretieren kann, der kann auch qualifiziert bauen.

Am Ende der drei Gesetzesvorlagen folgt ein üppiger Anhang mit wichtigen Vorlagen. Hier findet der Nutzer praktische Arbeitshilfen und Vertragsmuster, so z. B. für Flächennutzungs- und Bebauungspläne, für die Umweltprüfung, die Sanierung und zum Entschädigungsrecht. Auf der Internetseite: www.baurecht-im-bild.de stehen diese Arbeitshilfen und Vertragsmuster zum Download und zur individuellen Verwendung bereit. Der Online-Aktualitätsservice inkl. Newsletter informiert bei kleinen Änderungen der Rechtsgrundlagen und sorgt so bis zur Neuauflage für die nötige Aktualität.

Fazit: Gesetzesvorlagen und speziell deren Texte sind nicht jedermanns Sache. Das Baugesetzbuch für Planer im Bild geht ehrgeizige Wege, um die Furcht und Skepsis vor dem Paragrafen-Wirrwarr zu mildern. Die bildhafte Sprache dringt so schneller in das Bewusstsein ein und bleibt dort haften. Hier finden wir eine intelligente Darstellung der gewöhnlichen Form von Rechtstexten und verständlicher bildhafter Umsetzung adäquat nebeneinander. Da gerade Bauplaner und Architekten in einer frühen Bauphase wichtige gesetzliche Vorschriften beachten müssen, wird dieses Fachwerk einen wertvollen Beitrag zum besseren Verständnis der baurechtlichen Vorgaben leisten. Dipl.-Ing. (FH) Uwe Morchutt

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- Johannes Gutenberg, Erfinder des Buchdruckes

Bibliografische Informationen
Baugesetzbuch für Planer im Bild
Praktisch kommentiert und grafisch umgesetzt
Von Folkert Kiepe und Prof. Dr. Arnulf von Heyl.
4., überarbeitete Auflage 2014. DIN A4. Gebunden. 398 Seiten mit 250 Abbildungen und Tabellen. Mit Download-Angebot und Aktualitätsservice.
69 Euro - Subskriptionspreis bis 31. Oktober 2014
79 Euro. Preis ab 1. November 2014
ISBN 978-3-481-03153-4
Verlagsgesellschaft Rudolf Müller GmbH & Co. KG
50933 Köln
URL: www.baufachmedien.de