Buchtipp (10. März 2014)

Grundwissen moderner Holzbau
Praxishandbuch  für den Zimmerer

Für Holzbau-Experten ist Holz der Jahrhundert-Baustoff schlechthin. Für Holz-Liebhaber ein herrliches Material, weil es einen unverwechselbaren Charakter hat. Der moderne Holzbau kann mittlerweile viel mehr, als in der breiten Öffentlichkeit bekannt ist. Trotzdem muss er in Deutschland nach wie vor gegen ein minderwertiges Image ankämpfen, das ihm vor allem Verfechter so genannter traditioneller Bauweisen irgendwann einmal verpasst haben. Viele ältere Holzbauten rechtfertigen sogar dieses Vorurteil, weil sie bisweilen fad und einfallslos daher kommen, so dass es der inzwischen konkurrenzfähig gewordene Holzbau nach wie vor schwer hat. Dabei ist Holz der einzig verfügbare Baustoff, der zuverlässig nachwächst.

Vorurteile entstehen oftmals dann, wenn man etwas gar nicht kennt oder das Wissen darüber lückenhaft ist. Das Bundesbildungszentrum des Zimmerer- und Ausbaugewerbes, Kassel, hat jetzt sowohl für seine Klientel als auch für alle Holzbau-Interessenten das Praxis-Handbuch: Grundwissen moderner Holzbau auf den Markt gebracht, damit das Wissen rund um den Holzbau insgesamt aufgefrischt werden kann. Der Blick in das Werk soll beleuchten, womit der Holzbau-Interessent es zu tun bekommt und worauf er unbedingt zu achten hat. Für den Inhalt zeichnet ein achtköpfiges Autorenteam verantwortlich, das von Dr. Holger Schopbach angeführt wird. Dabei haben drei externe Autoren dem Bildungszentrum, das zugleich als Herausgeber fungiert, zugearbeitet.

   

Der Werkstoff Holz begegnet uns im Baubereich in vielerlei Facetten. Die universelle Eignung macht Holz zu einem geschätzten Baustoff, den man nicht mehr missen möchte. Kapitel 1 befasst sich mit den Eigenschaften und den Anwendungsmöglichkeiten von Holz, ohne die ein fachgerechter Einsatz nicht denkbar wäre. Beispielsweise sind Holz und Gipswerkstoffe sowie Holz in Dämmstoffen in der Ausbauphase nicht mehr wegzudenken. Kaum ein anderer Baustoff ist aber so abhängig von den Umwelteinflüssen wie Holz. Einfach gesagt: Holz arbeitet. Soll heißen. Bei feuchter Umgebung quellt es und bei trockener Umgebung schwindet es. Dieses Phänomen kennt jeder, wenn in der feuchten Jahreszeit die Haustür oder auch die Fenster aus Holz nicht mehr richtig schließen. Die richtige Einbaufeuchte von Holz ist deshalb das zwingende Kriterium überhaupt. Die Feuchte von Holz wird nach DIN 4074 klassifiziert, worauf die Autoren neben vielen anderen Kennzeichen natürlich hinweisen.

Holz in Verbindung mit anderen Werkstoffen wird von den Autoren klar charakterisiert: Beginnend mit den Eigenschaften, über die Klassifizierung, dem Einsatzbereich und den Bestellerangaben. Ebenso wichtig ist die Kennzeichnungspflicht (Konformität, Ü-Zeichen, CE-Zeichen, Zulassung, etc.) für Holz, ohne die am Bau gar nichts läuft. Ein relativ kurzes Kapitel, das aber Wichtiges zu berichten hat.

Bevor Holz einer sinnvollen Verwendung zugeführt werden kann, muss es sorgfältig bearbeitet werden. Unter Maschinen und Werkzeuge (Kapitel 2) werden moderne Bearbeitungsmittel beschrieben, die das Holz in die gewünschte Form bringen. Eine der charakteristischsten Zimmererarbeiten überhaupt ist die Erstellung von Dachstühlen (Dachtragwerke) aus Holz. Damit alles passgenau ist,  braucht es viele Arbeitsschritte und die notwendige Messtechnik. Von der Dachausmittlung über die Schiftung (Ermittlung der Anrisslinien) bis hin zur Ausschreibung und Abrechnung erfährt der interessierte Leser alles Wissenswerte, was er benötigt. Die Einbindung der Leistung im Kontext der baurechtlichen Vorgaben ist dabei genauso wichtig wie die Arbeit selbst. Eine gesunde Mischung aus Text und Grafiken setzen den Beobachter ins fachlich rechte Licht, so dass sich die Arbeitsabläufe gut verfolgen lassen.

Ehe die Bauweisen und Bauteilkonstruktionen aus Holz untersucht werden, wird noch kurz das Wissen rund um den Wärmeschutz, Schallschutz, Feuchteschutz, Holzschutz, Brandschutz und die Statik aufgefrischt, ohne deren Kenntnis kein Holz-Bauteil lange existieren könnte. Holz hat objektiv betrachtet viele Feinde, so dass dem baulichen Holzschutz eine essentielle Aufgabe zufällt. Werden hier Nachlässigkeiten geduldet, ist Holz einem Heer von Schädlingen schutzlos ausgeliefert. Die Folgen wären fatal: Fäulnis und Verfall.

Anhand der dominierenden fünf Holzbauweisen zeigen die Autoren, wie vielfältig das Bauen mit Holz wirklich ist. Besondere Aufmerksamkeit verdient der Fachwerkbau, demonstriert er doch seit Jahrhunderten mit seiner aufwendigen und ästhetischen Farb- und Formgebung eine hohe Baukunst, die seine Betrachter immer wieder entzücken lässt. Mit Dächer und Dachkonstruktionen, Wände, Decken, Treppen und Binder-Konstruktionen werden die wichtigsten Bauteilgruppen beschrieben, ohne die das moderne Bauen kaum vorstellbar, geschweige denn realisierbar wäre.

Ein Bauwerk ohne Verbindungen (Kapitel 11), die alles an ihrem vorbestimmten Platz halten, gibt es nicht. Zusammengefügte Bauteile aus Holz müssen entsprechend ihrer Belastung und Nutzung sowohl starr als auch flexibel ausgeführt sein, so dass die Holzverbindungen den für sich notwendigen Bewegungsspielraum erhalten. Klebeverbindungen bilden dabei die unbeweglichste Verbindungsvariante im Gegensatz zu Nagel-, Schrauben- und Dübelverbindungen. Je nach Verwendungszweck, Nutzung und Belastung ist die richtige Verbindungsart zu wählen, damit die Funktionsfähigkeit nicht beeinträchtigt wird.

Beendet wird das Fachbuch mit Einblicken in den Ausbau, in Fassaden und Außenwandbekleidungen sowie Gerüstarten wie Arbeits- und Schutzgerüste. Normen und Richtlinien weisen insgesamt auf ein umfassendes Regelwerk hin. Im Anhang findet der Holzbau-Interessent noch eine reichhaltige Palette von Bemessungstafeln, die vor allem dem Zimmerer bei seiner täglichen Arbeit gute Dienste erweißen.

Fazit: Grundwissen moderner Holzbau ist ein Praxishandbuch, wie man es sich vorstellt. Anschaulich, lehrreich, erschöpfend und klar in der Ansprache sowie visuell harmonisch ausgeschmückt. Die reichhaltige Palette des modernen Holzbaus findet in diesem Werk eine Heimstätte, die sowohl dem Praktiker als auch Theoretiker das Wissen an die Hand gibt, das er im täglichen Wettstreit um eine hohe Bauqualität benötigt.

Holz, als unverwechselbarer Baustoff, verlangt eine hohe fachliche Bauvorbereitung und Bauausführung, damit Baufehler auf ein Minimum reduziert bleiben. Wird beispielsweise nur der falsche Leim für einen Dachbinder eingesetzt (siehe Einsturz der Eissporthalle in Bad Reichenhall am 2. Januar 2006), kann es schnell zur Katastrophe kommen. Dipl.-Ing. (FH) Uwe Morchutt

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"Für die Entwicklung Holz zerstörender Pilze ist eine Holzfeuchte von mehr als 20 Prozent erforderlich." (DIN EN 335-1, Anhang A, 2.19), 20 Prozent Holzfeuchte ist der obere Grenzwert nach DIN 4074-1 für den Begriff "trocken". Für den Einbau von Holz ist die zu erwartende Holzfeuchte im Gebrauchzustand im Mittel (DIN 1052-1, Abschn. 4.2.2) entscheidend, die beträgt max. 20 Prozent bei Bauschnittholz (DIN 18 334, 3.3.1.)

Bibliografische Daten
Grundwissen moderner Holzbau
Praxishandbuch für den Zimmerer
Hrsg.: Bundesbildungszentrum des Zimmerer- und Ausbaugewerbes, Kassel.
Von Dr. Holger Schopbach, Helmhard Neuenhagen, Petra Marpe, Jens Volkmann,
Elmar Mette, Rainer Fletling, Daniel Schmidt und Harald Ludwig.
2014. 16,8 x 24 cm. Kartoniert. 424 Seiten.
49 Euro (Buch
39,20 Euro (E-Book)
ISBN (Buch) 978-3-87104-177-8
ISBN (E-Book) 978-3-87104-205-8
Bruderverlag Albert Bruder GmbH & Co. KG
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