Buchtipp (26. Februar 2014)

Bautrocknung im Neubau und Bestand
Technik, Geräte, Praxis

Eine alte Konstruktionsregel fordert: Wasser weg vom Bauwerk! Einfacher gesagt, als in der Praxis umgesetzt. Denn allein schon die unterschiedlichen Bautechniken tragen, je nach Auswahl, mehr oder weniger Feuchtigkeit in das Gebäude, die so genannte Baufeuchte! Darüber hinaus gibt es unzählige weitere Formen, wie Wasser in das Bauwerk gelangen kann. Unbestritten ist: Wird gegen die Feuchtigkeit nichts unternommen, tritt im Laufe der Zeit eine Gebäudezerstörung statt. Beispielsweise verfault das Holz und Schimmelpilze malträtieren die Gesundheit der Bewohner, bis sie das Weite suchen.

Wie bekommt man nun aber die Feuchtigkeit aus dem Gebäude? Noch dazu in einer Zeit, wo der Mensch dem Gebäude kaum eine Chance lässt, wie es früher einmal üblich war, in Ruhe auszutrocknen. So lässt sich nur mithilfe einer intelligenten Bauwerkstrocknung der Trocknungsprozess beschleunigen. Der druckfrische Buchtitel „Bautrocknung im Neubau und Bestand“ zeigt moderne Techniken und Geräte, wie die Bauwerksfeuchte auf ein gesundes Maß reduziert werden kann. Denn nur darum geht es in der Praxis, eine hundertprozentige Materialtrockenheit bleibt den Laborbedingungen vorbehalten. Ein vertrauter Blick in das Werk soll aufzeigen, wie die Autoren versuchen, mögliche Lösungswege aufzuzeigen.

   

Im Vorwort weißt das Autorenteam, das von Gunter Hankammer angeführt wird, auf einen Sachverhalt hin, der nicht nur in Fachkreisen Aufhorchen lässt. Für die Bauwerkstrocknung gibt es keine anerkannten Regeln der Technik und keine ATV, wie sie die VOB/C interpretiert. Na und, wird so mancher sagen. Kein Problem! Mitnichten. Ein so wichtiges Teilfachgebiet, das für die Lebensdauer eines Bauwerkes und das Wohlfühlen seiner Bewohner mitverantwortlich zeichnet, öffnet so Spielräume für Marktakteure, die es mit der Bautrocknung nicht so genau nehmen! Schlicht ausgedrückt: Man kann auch fehlerhaft trocknen, so dass zusätzliche Schäden entstehen!

Nach einer kurzen Einleitung zum technischen Trocknungsprozess beginnt die bauphysikalische Grundlagenvermittlung, ohne die keine effiziente Bauwerkstrocknung erzielt werden kann, als logischer Einstieg in das Fachwerk. Denn nur wer weiß, was zu tun ist, kann das Richtige bewirken. Für Experten geläufige Begriffe wie Luftfeuchte, Sättigungsfeuchte, Gleichgewichtsfeuchte und Feuchtetransport in der Bauwerkspore werden verständlich erklärt, ohne deren Kenntnis keine Bautrocknung denkbar wäre. Komplizierte Abläufe, wie z.B. der Feuchtetransport in der Bauwerkspore, müssen bekannt sein, will man sie effizient eindämmen!

Kapitel 3 befasst sich sogleich mit den Bauteilkonstruktionen eines Gebäudes. Da Bauteile unterschiedliche Aufgaben  erfüllen müssen, bestehen sie in der Regel auch aus verschiedenen Materialien. Unterschiedliche Materialien bedeuten wiederum ein differenziertes Verhältnis zur Wasseraufnahme, Wasserspeicherfähigkeit und Wasserabgabe. Sowohl Fußbodenaufbauten, hier die unterschiedlichsten Estricharten, Decken- und Wandkonstruktionen, innen und außen, als auch Installationskanäle, die durch Wassereinträge betroffen sind, sowie Dachkonstruktionen werden von den Autoren derart beleuchtet, damit in der Folge die richtigen Trocknungsmethoden ausgewählt werden können.

Ist die Bautrocknung gründlich vorbereitet, kann es an die Auswahl des geeigneten Trocknungsverfahrens gehen. Die „technische Trocknung“, wie es die Autoren als Oberbegriff bezeichnen, führt zwangsläufig zur Wahl des zweckdienlichsten Trocknungsgerätes (Kapitel 4). Das Autorenteam unterscheidet hierbei zwischen indirekter und direkter Bauteiltrocknung. Auf 24 Druckseiten werden die wichtigsten Trocknungsverfahren und -geräte beleuchtet, die aufgrund ihrer Anwendung und Eignung am Markt nachgefragt werden.

Wie und womit erfolgt aber nun die Bautrocknung der bereits in Kapitel 3 behandelten Bauteile im Einzelnen? Kapitel 5, das praxisnahe Hauptkapitel, beschreibt die wichtigsten bauteilbezogenen Trocknungsverfahren in Wort und Bild. Beispielhaft soll die wichtige Estrichtrocknung im Neubau und Bestand an dieser Stelle erwähnt werden, weil diese immer wieder Fragen aufwirft. Bei welchem Feuchtegrad kann z.B. der Fußbodenbelag aufgetragen werden? Unzählige Praxistipps und visuelle Darstellungen verleihen diesem Kapitel die gewünschte Praxisnähe, ohne die dabei erforderliche Messtechnik nicht zu vernachlässigen.

Die fiesen kleinen Auslöser vieler Schäden, die bei Feuchtigkeit besonders gut gedeihen, werden in einem extra Abschnitt (Kapitel 6) behandelt: die Mikroorganismen. Diese Winzlinge, die in unserer Luft herumschwirren, sind für viele organische Baustoffe, die die moderne Bauwelt heute bereithält, wie Gipskarton, Putze, Farben und Tapeten, ein idealer Nährboden, um bei zu hohem Feuchteeintrag den Bewohnern auf den Geist zu gehen. Eine kurze, aber wichtige Abhandlung, die es zu beachten gilt.

Schäden durch Trocknungsfehler, Kosten, Arbeitsschutzmaßnahmen sowie rechtliche Aspekte rund um die Bauwerkstrocknung, u.a. Schadenersatzansprüche, beenden das Fachwerk sinnvoll und verständlich. Nicht unerwähnt soll der interessante Anhang bleiben. Neben dem üblichen Literaturverzeichnis findet der Interessent eine Matrix Dämmstoffe, eine Mustervorlage zur Schadensaufnahme und eine umfangreiche Marktübersicht der gängigsten Bautrockner am Markt.

Fazit: Zuviel Feuchtigkeit schädigt unsere Bausubstanz nachhaltig. Im Ranking der Bauschäden nehmen die Feuchteschäden seit Jahrzehnten einen Spitzenplatz ein. Moderne Bauweisen und Bauverfahren können dieses nicht neue Phänomen zusätzlich begünstigen, werden sie fehlerhaft und nachlässig ausgeführt. Bautrocknung im Neubau und Bestand ist gerade deshalb so wichtig, weil die Gebäude und deren Nutzer es verdienen. Pfusch am Bau, falsches Nutzerverhalten sowie Unwetterkapriolen können so korrigiert werden. Ein wertvolles Buch zu einem aktuellen Thema, das hohe Aufmerksamkeit verdient. Gibt es doch nicht einmal allgemein anerkannte Regeln der Technik zu dieser weit verbreiteten Anomalie. Trotzdem oder gerade deshalb prosperiert das Geschäft mit der Bautrocknung ungebremst! Dipl.-Ing. (FH) Uwe Morchutt

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Die VOB/C beinhaltet die Allgemeinen Technischen Vertragsbedingungen für Bauleistungen (ATV), die gleichzeitig auch als DIN-Normen herausgegeben werden. § 1 in der VOB, Teil B, legt fest, dass die ATV zugleich Bestandteil eines VOB-Vertrags sind.

Bibliografische Daten
Bautrocknung im Neubau und Bestand
Technik, Geräte, Praxis
Von Dipl.-Ing. Gunter Hankammer, Michael K. Resch und Wolfgang Böttcher.
2014. 17 x 24 cm. Kartoniert. 197 Seiten mit 149 Abbildungen und 16 Tabellen.
39 Euro (Buch)
31,20 Euro  (E-Book PDF)
ISBN Buch: 978-3-481-02725-4
ISBN E-Book: 978-3-481-02890-9
Verlagsgesellschaft Rudolf Müller GmbH & Co. KG
URL: www.baufachmedien.de