Trinkwasser (2. Dezember 2013)

Bleifrei genießen!

Die kommunalen Wasserversorger sind bekanntlich für die Leitungen im öffentlichen Raum (bis zur Grundstücksgrenze) zuständig. Die Wasserleitungen innerhalb des Grundstückes und im Haus verantwortet allein der Eigentümer. Jeder Hausbesitzer hat somit die Pflicht, Material und Zustand des Hausanschlusses und der Hausinstallation zu warten und zu modernisieren.

Bei der Verwaltung nach WEG - Wohnungseigentumsgesetz (amtliche Bezeichnung WoEigG) übernimmt der Immobilienverwalter die Sorge für die Instandhaltung und Instandsetzung sowie Verkehrssicherheit des Objekts, die ansonsten den Eigentümer, Vermieter oder die Wohnungseigentümergemeinschaft betreffen würde.

Vom 1. Dezember 2013 an gelten nun strengere Vorgaben – gemäß neuer Trinkwasserverordnung (TrinkwV) - für den zulässigen Bleigehalt im Trinkwasser. Hauseigentümer sollten umgehend vorhandene alte Trinkwasserleitungen aus Blei austauschen lassen, sofern dies noch nicht erfolgt ist. Der Grenzwert für Blei wurde nun von 0,025 Milligramm auf 0,010 Milligramm pro Liter (mg/l) gesenkt.

Bleirohre könnten nach Meinung von Experten vor allem noch in den Häusern verlegt sein, die vor 1973 in Nord- und Ostdeutschland gebaut worden sind. In Süddeutschland sind Bleirohre zum Transport von Trinkwasser schon seit 1878 verboten. Übrigens ist der Einbau von Bleirohren in Deutschland - auch in der DDR – seit 1973 verboten. Bei unsanierten Altbauten, die vor 1945 errichtet wurden, sind stellenweise noch Bleirohre zu vermuten.

   

Beachte: Wer seinen Mietern vorsätzlich oder fahrlässig bleiverseuchtes Trinkwasser zumutet, der begeht eine Straftat!

Sollten, gegebenenfalls auch nur in Teilbereichen, noch Bleirohre verbaut sein, so ist generell der Austausch dieser Rohre durch trinkwassergeeignete Materialien (z.B. Kupfer oder Edelstahl) zu empfehlen.

Wie erkennt man eigentlich Bleirohre?
Bei einem Rohre-Check sollten, an der Wasseruhr im Keller beginnend, alle sichtbaren Wasserleitungen auf folgende Eigenschaften hin überprüft werden:
- Verbindungen von Bleileitungen sind immer gelötet, die Lötstellen der Bleirohre sind wulstig,
- geschraubte Verbindungen zwischen Bleirohren gibt es nicht,
- Bleirohre sind nicht magnetisch,
- Blei klingt beim Klopftest mit einem metallischen Gegenstand dumpf.
- Blei lässt sich leicht, schon mit dem Fingernagel, einritzen,
- Blei ist ein weiches Material, so dass die Leitungen oft in weiten Bögen verlegt wurden. Winkelstücke aus Blei gibt es nicht.

Was kostet der Austausch?
Für die komplette Sanierung eines Einfamilienhauses sind rund 3000 bis 4000 Euro anzusetzen. Billiger wird es, wenn die alten Leitungen nicht herausgerissen, sondern stillgelegt, und die neuen über Putz installiert werden.

Wie viele Altbauten in Deutschland noch betroffen sind, kann keiner genau sagen. Laut einer nicht repräsentativen Erhebung der Stiftung Warentest wiesen 2010 die Regionen um Kiel, Hamburg, Bremen, Schwerin, Berlin, Potsdam, Magdeburg und Leipzig überdurchschnittlich häufig eine erhöhte Bleikonzentration im Trinkwasser auf. Rund 5 Prozent der eingesandten Proben enthielten mehr als 25 Mikrogramm pro Liter. umo

Quellen:
- Stiftung Warentest (TEST vom März 2010)
- TrinkwV – Novellierung 11/2011

--------------
- 1 Milligramm (mg) = 1 Tausendstel Gramm = 10-3 g
- 1 Mikrogramm (µg) = 1 Millionstel Gramm = 10-6 g