Buchtipp (8. April 2013)

Baukostenplanung kompakt
Praxistipps und Arbeitshilfen zur sicheren Kostenermittlung, -steuerung und -kontrolle

Baukostenüberschreitungen sind heutzutage leider an der Tagesordnung und führen folglich zu  Streitigkeiten zwischen den Vertragsparteien. Warum kommt es aber immer wieder, man könnte annehmen, dass sich die Fälle in letzter Zeit verstärkt häufen, zur Überschreitung der angedachten Baukostenobergrenze? Gründe hierfür gibt es zur Genüge. Hauptursache ist eine schlechte Bauvorbereitung, und zwar sowohl von Auftraggeber- als auch Auftragnehmerseite, in deren Folge, mangelhafte Bau- und Leistungsbeschreibungen entstehen, die keine seriöse Baukostenplanung zulassen und für die Bauausführung Tür und Tor öffnen.

Beispielsweise verhindern ständige Änderungswünsche von Bauherren in der Planungs- und verheerender noch in der Ausführungsphase, dass das geplante Kostenbudget eingehalten wird. Ist nicht klar, was gebaut werden soll, kann man auch keinen exakten Preis daraus ermitteln. Jede Veränderung der Bauaufgabe, verändert somit auch die Kosten! Deshalb gilt: Ein klar definiertes Bau-Soll lässt sich verlässlich mit dem Bau-Ist vergleichen, so dass ein zuverlässiger Preis bestimmt werden kann! Besonders teuer kommen so genannte zusätzliche Leistungen (Nachträge), die sich die Bauleute gern üppig honorieren lassen. Bisweilen mit den aberwitzigsten Begründungen, weil man es bei der ursprünglichen Planung schlichtweg vergessen hat. Unvorhergesehene Leistungen, die immer auftreten können, lassen sich auch eindeutig zuordnen.

Zwei aktuelle Urteile zeigen, wie deutsche Gerichte sich andauernd mit der verfehlten Kostenplanung am Bau befassen müssen!
Unklarheiten in der Ausschreibung darf der Auftragnehmer nicht einfach hinnehmen und durch eigene, für ihn günstige Kalkulationsannahmen ausfüllen. Er muss diese vielmehr vor Angebotsabgabe durch Rückfrage beim Auftraggeber ausräumen. (OLG Naumburg – AZ: 12 U 120/12 vom 22. Februar 2013)

Der Architekt muss den Auftraggeber (u.a. Bauherr) zutreffend über die voraussichtlichen Baukosten beraten. Verletzt er diese Verpflichtung schuldhaft, ist er dem Auftraggeber zum Schadensersatz verpflichtet. (BGH – AZ: VII ZR 3/12 vom 7. Februar 2013)

Vor allem öffentliche Bauvorhaben platzen in Sachen Kostenrahmen so gut wie immer aus den Nähten. Aktuelles Beispiel: Flughafen Kassel-Calden. Aus ursprünglich 151 Mio. Euro wurden letztendlich 271 Mio. Euro, bei einer Planungszeit von 14 Jahren und einer Bauzeit von 2006 bis 4. April 2013. Hier muss die Frage erlaubt sein: Was hat man eigentlich bei einem „Provinz“-Flughafen 14 Jahre lang geplant?

   

Wie bekommt man nun aber die Baukosten faktisch in den Griff? Insbesondere in einer Zeit, wo es von so genannten Experten nur so wimmelt (Star-Architekten, Projektsteuerer, Projektplaner, Fachplaner, Controller).  An dieser Stelle soll die Aufmerksamkeit auf ein neues Fachbuch, aus der anwenderfreundlichen  Kompaktserie des Rudolf Müller Verlages, das die Problematik quasi auf den Punkt bringt, gelenkt werden. Kai Schulz, ein vereidigter Sachverständiger für die Baupreisermittlung, will mit seinem Werk Praxistipps und Arbeitshilfen zur sicheren Kostenermittlung, -steuerung und -kontrolle an die Hand geben, damit das Kostenwirrwarr ein Ende hat. Soll heißen: klare Leistungsbeschreibung mit detaillierten Mengenangaben, exakte Verpreisung!

Je nach Vertragsgestaltung kommen auf den Architekten differenzierte Haftungsrisiken zu, die er aus eigenem Erhaltungsantrieb eigentlich vermeiden sollte: von der Honorarkürzung bis hin zur Übernahme der Mehrkosten. Nur mit einer konsequenten Kostensteuerung und plausiblen Begründungen können Architekten und Planer ihr Risiko minimieren und rechtliche Konflikte vermeiden. Ziel aller am Bau Verantwortlichen muss es sein, dass die Baukosten schon in frühen Planungsphasen und mit kalkulierbarem Aufwand realistisch eingeschätzt und unerwartete Kostensteigerungen sicher vermieden werden können. Die jeweiligen Mitwirkungspflichten, wo einer auf die Fehler des anderen hinweist, sollten nicht nur bei Großprojekten wahrgenommen werden.

Ein Blick in das Werk bekräftigt das Gesagte. Kapitel 1 befasst sich mit den unerlässlichen Grundlagen, die in DIN 276-1 „Kosten im Bauwesen“ (2008) postuliert werden. Hier wird auf die Bedeutung der Projektphasen (gemäß HOAI) eines Bauwerkes hingewiesen, die maßgeblich in die Baukostenermittlung einfließen.

Bereits im nächsten Abschnitt, Kapitel 2, werden die Methoden der Baukostenermittlung ins Licht des Betrachters gerückt. Begriffe wie Kostenrahmen, Kostenschätzung und Kostenberechnung widerspiegeln dabei den jeweilig angedachten Planungsfortschritt. Mit der konkreter werdenden Bauplanung und den formulierten Leistungsbeschreibungen kommt es zur Bestimmung der Mengenbedarfe, hier am Beispiel der Hasenbeinmethode erläutert, die im Ergebnis eine Kostenvorgabe ans Tageslicht befördern.

Die Entwicklung eines Kostenanschlages, Kapitel 3 - Fortschreiben der Baukostenermittlung, ist ein dynamischer Prozess, der in der Regel bis zur Baufertigstellung andauert. Der fortwährende Prozess ist somit zugleich auch ein ideales Instrument der Kostenkontrolle und Kostensteuerung, betont der Autor. Ausführungsplanung, Ausschreibung und Vergabe sowie die eigentliche Bauausführung sind weiterführende Kenngrößen, die die Baukostenermittlung fortschreiben.

Nachträge, Kapitel 4, zeigen auf, wie gründlich eine Baumaßnahme vorbereitet und geplant wurde. Nachträge bedeuten immer auch eine Abweichung von der ursprünglichen Bauleistung. Nicht jeder Nachtrag ist aber gerechtfertigt. Manch normale Leistung, die zur Erfüllung des Bau-Solls erforderlich ist, wird als Nachtrag postuliert, um die Baukosten zu erhöhen. Die Berechtigung eines Nachtrages will also erkannt sein. Schulz gibt hierfür zahlreiche Tipps und Hinweise, um berechtigte von unberechtigten besser unterscheiden zu können.

Ein heikles Thema, monetäre Bewertung von Baumängeln und Bauschäden, behandelt der Autor in Kapitel 5. Laut BGB hat ein Werk frei von Sachmängeln zu sein. Die VOB/B fordert ein Bauwerk, das den anerkannten Regeln der Technik entspricht. Vor der Abnahme hat der Auftraggeber ein Anrecht auf ein mangelfreies Werk. Lassen sich Mängel nicht mehr beheben, gibt es eine Wertminderung, die monetär zu bewerten ist.

In Kapitel 6 werden Nutzungs- und Lebenszykluskosten unter die Lupe genommen. Profan ausgedrückt: Welche Lebensdauer haben die Bauteile und was kostet es, diese zu erneuern. Eine umfangreiche Checklistensammlung zur Kostenermittlung, auf 65 Druckseiten, die für Erwerber der Lektüre rund um die Uhr zum Download vorgehalten werden, rundet das gelungene Werk im Anhang sinnvoll ab.

Fazit: Bereits im Vorwort des sympathischen Taschenbuches ist zu lesen: Schritt für Schritt wird aufgezeigt, wie Baukosten ermittelt, aufgestellt, überwacht und eingehalten werden. Dadurch wird das Haftungsrisiko des Planers minimiert und seine Marktstellung verbessert. Eine fundierte Baukostenplanung, auf die sich der Auftraggeber verlassen kann, schafft Vertrauen und gibt Sicherheit. Dem ist nichts hinzuzufügen.

Leider sieht die raue Bauwirklichkeit vielerorts ganz anders aus! Viel zu viele allgemein gehaltene Bau- und Leistungsbeschreibungen werden deutschlandweit den Bauherren mit dem Bauvertrag ausgehändigt, die keine seriöse Überprüfung der Preise und Kosten zulassen und die tatsächliche Bauausführung nach den allgemein anerkannten Regeln der Technik im Verborgenen belassen. Dipl.-Ing. (FH) Uwe Morchutt

Bibliografische Daten:
Baukostenplanung kompakt
Praxistipps und Arbeitshilfen zur sicheren Kostenermittlung, -steuerung und -kontrolle
Von Kai Schulz.
2013. DIN A6. Kartoniert. 309 Seiten mit 30 Abbildungen und 41 Tabellen.
Mit Download-Angebot.
39 Euro
ISBN 978-3-481-03002-5
Verlagsgesellschaft Rudolf Müller GmbH & Co. KG
50933 Köln
www.baufachmedien.de

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