Buchtipp (5. Februar 2013)

Holzkonstruktionen im Baubestand
Schäden erkennen, beurteilen und bewerten

Holz, ein faszinierendes Naturprodukt, gehört zu den ältesten Baustoffen, seitdem Menschen Behausungen errichten. Die Natur schenkt uns diesen unvergleichlichen Rohstoff seit Jahrtausenden, so lange der Mensch die Bäume achtet und bewahrt. Jeder, der sich mit dem einzigartigen Werkstoff für Bauzwecke befasst, sollte seine Eigenschaften gut kennen lernen, um bei der Anwendung kein Fiasko zu erleiden. Größter Feind von verbautem Holz ist eine Holzfeuchte von über 20 Prozent. Diese sorgt dafür, dass sich Holz zerstörende Pilze einquartieren können, die dem Holz sprichwörtlich die Lebensdauer rauben und sogar die Existenz von Bauwerken gefährden.

Jeder Planer hat einfach die Pflicht, alle erdenklichen Möglichkeiten eines baulichen Holzschutzes auszuschöpfen. Einbaufeuchte und vorbeugender Holzschutz sind die wichtigsten Merkmale im modernen Holzbau. Die Grundregel für den baulichen Holzschutz heißt nicht umsonst: Das Wasser muss immer vom Holz ferngehalten werden, indem ein schnelles Ablaufen gewährleistet wird. Hinreichende Luftzirkulation ermöglicht darüber hinaus eine rasche Abtrocknung. Holzschutz bedeutet so auch Feuchteschutz!

2012 wurde die Überarbeitung der alten Holznorm, die DIN 68 800 „Holzschutz“, aus den Jahren 1974 (Teil 1), 1996 (Teil 2), 1990 (Teil 3) und 1992 (Teil 4) im Ganzen abgeschlossen, damit der Schutz dieses Naturgutes besser in die moderne Bauzeit passt. Hauptziel (Teil 3 der Norm) ist es, die Anwendung von Holzschutzmitteln auf ein Minimum zu beschränken. Holzschutzmittel für tragendes Holz müssen zusätzlich über einen bauaufsichtlichen Verwendbarkeitsnachweis (abZ – allgemeine bauaufsichtliche Zulassung) des DIBt verfügen.

   

Ein Blick in die Fachliteratur veranschaulicht, dass es speziell für den Holzbau an qualifizierter Literatur mangelt, die den Baustoff angemessen ins Licht rücken. Insbesondere die unzähligen Holzkonstruktionen im Bestand werden geradezu stiefmütterlich behandelt, obwohl gerade diese verbauten Holzbauteile eine besondere Wertschätzung verdient hätten. Dr.-Ing. Michael Abels, ein Fachmann in Sachen Holz, hat diese Lücke jetzt verringert: Holzkonstruktionen im Baubestand widmet sich dieser Materie, um Wissensdefizite im Umgang mit verbautem Holz zu reduzieren.

Im hellen optischen Holzlook, ähnlich dem einer Fichte, begrüßt uns das Werk sympathisch, doch was beabsichtigt der Autor mit seinem Handbuch. Im Mittelpunkt der Betrachtung stehen die tragenden Holzkonstruktionen, da gerade diese Bauteile dem Bauwerk Stabilität verleihen sollen. Ein spektakulärer Schadensfall, den wohl jeder kennt und der sich nicht wiederholen soll, weil Menschenleben zu beklagen waren, ist der Einsturz der Eissporthalle in Bad Reichenhall am 2. Januar 2006. Hier brachten die über Jahre hinweg durchfeuchteten Dachbinder, weil u.a. der falsche Holzleim verwendet wurde, die Halle zum Einsturz.

Bausachverständige kommen oftmals dann zum Einsatz, wenn etwas im Argen liegt. In der Regel sind es Baumängel oder schlechte Wartung und Pflege des Baubestandes, die zu Bauschäden führen. Dr. Abels geht bei seiner Arbeit systematisch vor, um die Schäden zu erkennen, zu beurteilen und zu bewerten. Sein eigenes Beurteilungsprinzip für Holz besteht aus acht Begutachtungsregeln, die es beharrlich abzuarbeiten gilt.

Kapitel 1 befasst sich, wie viele andere Werke auch, mit den Grundlagen. Hier wird Basiswissen über Holzkonstruktionen aufgefrischt oder neu vermittelt, je nach Wissensstand des Nutzers, so dass eine fachliche Kommunikation entstehen kann. Beispielsweise hat die Feuchte von Holz einen großen Einfluss auf die mechanischen und physikalischen Eigenschaften, weil Holz zu den hygroskopischen Baustoffen gehört. Soll heißen, dass die Holzfeuchtigkeit durch die Umgebungsfeuchte bestimmt wird.

Der Immobilienbesitzer in Deutschland ist verpflichtet, sein Gebäude derart instand zu halten, dass davon keine Gefahr für Mensch und Leben ausgeht. In Bewertung von Holzkonstruktionen (Kapitel 2), dem eigentlichen Hauptkapitel des Werkes, werden alle denkbaren Kriterien einer sachgerechten Untersuchung von Holzkonstruktionen erschöpfend beleuchtet, so dass ein exakter Befund am Ende herauskommt muss. Sechs Formblätter, die u.a. im Internet bezogen werden können, münden insgesamt in einem Objektbuch, mit dessen Hilfe die zutreffende Bauzustandsstufe eindeutig zu charakterisieren ist. Typische Schadensfälle zeigen zudem, wo die wiederkehrenden Schwachstellen an einem Gebäude anzutreffen sind. Abschließend weißt die systematische Erfassung der Schäden auf die Ursachen hin, so dass die gutachterliche Bewertung in einer punktgenauen Sanierung münden kann.

Die gewünschte Praxisnähe des Buches, ohne die ein Fachbuch heutzutage nicht konkurrenzfähig wäre, liefert Kapitel 3. Anhand von drei konkreten Fallbeispielen, wird der zuvor aufgezeigte Bewertungsalgorithmus systematisch abgebildet. Jeder Interessent wird somit in die Lage versetzt, das Beurteilungsprinzip von Holzkonstruktionen genau zu verfolgen. Dr. Abels sieht in seiner profunden Vorgehensweise sogar ein tragfähiges Modell für einen standardisierten Gebäudecheck. Mit einer Übersicht über Vorschriften und Normen schließt das ausgereifte Fachwerk zweckmäßig ab.

Fazit: Das Handbuch bietet neben dem erforderlichen Grundlagenwissen über Holz und dem Holzbau eine bislang unbekannte Methode zur Erfassung und Beurteilung von Schäden bei Holzkonstruktionen an. Ein so genanntes Bewertungsraster mit anschließendem Gewichtungssystem ermöglicht es, eine eindeutige Beschreibung der untersuchten Konstruktion zu definieren. Zahllose Formblätter und Checklisten helfen dabei, eine vollständige Zustandsbewertung zu erstellen. Am Ende steht eine Gesamtnote, die die Gebäudequalität eindeutig beschreibt und dem Hausbesitzer, der in der Regel ein Baulaie ist, eine genaue Bewertung für seine Immobilie an die Hand gibt. Ein nützliches Buch nicht nur für alle Freunde des Holzes, das zur Erhaltung der komplexen Holzbauweise beiträgt.

Holz kennt im Übrigen kein nachsichtiges Wetter, denn egal ob Hitze, Kälte, Frost, Temperaturwechsel, UV-Strahlung, Regen, Tau, Hagel, Schnee oder Wind, alle Wettereinflüsse schaden dem Holz mehr oder weniger und führen über die Jahre hinweg zur Verwitterung. Insbesondere Holz im Außenbereich bedarf sorgfältiger Pflege! Nur wer Holz dauerhaft schützt, der hat seine Freude daran! Die Zeiten, in denen toxische Holzschutzmittel zum Einsatz gelangten, gehören Erfreulicherweise der Vergangenheit an! Dipl.-Ing. (FH) Uwe Morchutt

Bibliografische Daten:
Holzkonstruktionen im Baubestand
Schäden erkennen, beurteilen und bewerten
Von Dr.-Ing. Michael Abels.
2013. 17 x 24 cm. Gebunden. 148 Seiten.
49 Euro
ISBN 978-3-87104-189-1
Bruderverlag Albert Bruder GmbH & Co. KG, Köln
URL: www.baufachmedien.de

                                 
DIBt – Deutsches Institut für Bautechnik, Berlin
Hygroskopisch – anziehend (z.B. Wasser)