Zwei Buchtipps (19. Oktober 2012)

Praxis-Handbuch Bautenschutz
Beurteilen, Vorbereiten, Ausführen

Wärmebrücken
erkennen – optimieren – berechnen – vermeiden

Effizienter Bautenschutz kann in der Regel nur erreicht werden, wenn sämtliche Schwachstellen in einem Gebäude erkannt und ausgeschlossen werden. Hierzu zählen u.a. die Wärmebrücken. Beide Fachtitel befinden sich somit im permanenten Konflikt miteinander, so dass eine gemeinsame Beleuchtung sinnvoll erscheint.

Um unsere Bauten vor den Gefahren des täglichen Lebens zu schützen, müssen interdisziplinäre Zusammenhänge aus der Bauphysik, der Bauwerksdiagnose und -sanierung sowie begründete Fachkenntnisse aus der Praxis richtig gedeutet werden können. Beherrscht man zumindest die Grundlagen, wozu schon eine Menge Sachverstand vonnöten ist, so lassen sich auch die Charakteristika von Wärmebrücken leichter bestimmen.

Wärmebrücken, die fiesen kleinen Unzulänglichkeiten eines Bauwerkes, können bisweilen großen Schaden anrichten. Durch den erhöhten Wärmefluss im Bereich einer Wärmebrücke sinkt die innere Oberflächentemperatur des Außenbauteils, insbesondere in kalten Wetterperioden, die zu Tauwasserausfall führt. Tauwasser bildet sich sodann, wenn warme, feuchte Luft auf eine kalte Oberfläche trifft und dort unter den so genannten Taupunkt abgekühlt wird. Einfach ausgedrückt: Wasserdampf kondensiert und durchfeuchtet umliegende Gebäudeteile.

Ein weiterer, wenn nicht sogar der wichtigste Begriff für den Schutz von Bauwerken ist die Bauwerksabdichtung, die verhindern soll, dass das Wasser in das Gebäude eindringt. Je nach Lastfall des anstehenden Wassers sind geeignete Maßnahmen zum Schutz des Bauwerkes zu treffen. Wirft man einen Blick auf das Baualter der Wohngebäude in Deutschland, so wurden 26 Prozent davon vor 1948 errichtet und 40 Prozent zwischen 1949 und 1978. Damit sind insgesamt 66 Prozent (zwei Drittel) der Wohngebäude ohne geltende Anforderungen an den energetischen Wärmeschutz erbaut worden, da die 1. Wärmeschutzverordnung erst 1978 in Kraft getreten ist. Darüber hinaus erfüllen viele nach 1978 errichtete Gebäude keineswegs die heutigen energetischen Anforderungen. Allein diese Sachlage verdeutlicht, dass das Bauen im Bestand und der damit verbundene Bautenschutz immer mehr an Bedeutung gewinnen.

Ein paar Blicke in die Veröffentlichungen sollen zeigen, was die Bauexperten als gangbare Lösungen zur Bauwerkserhaltung vorschlagen. Wie kompliziert und Gewerke übergreifend die Sache mit den Bautenschutz ist, zeigt allein die Ansammlung von Autoren, die sich im Praxis-Handbuch Bautenschutz mit der Materie befassen. 22 Experten sind explizit aufgeführt, um sprichwörtlich Licht in das Dunkle des Bautenschutzes zu bringen.

   

Am Beginn des Werkes werden thematisch unumgänglich die Grundlagen für den Umgang mit dem Bautenschutz abgehandelt. Warum sind Feuchtigkeit und austretende Salze so gefährlich für unsere Mauerwerksbauten und was ist bei Betonschäden zu tun? Nur zwei Fragen von vielen, die es zu beantworten gilt. Die Vielzahl der aufgeführten Regelwerke veranschaulicht, wie mannigfaltig der Bautenschutz uns tagtäglich herausfordert.

Feuchtigkeit ist bekanntlich der größte Feind der Bausubstanz. Werden hier Schäden vermutet oder treten diese bereits schonungslos zutage, müssen sie untersucht, bewertet und behoben werden. Kapitel 2 befasst sich ausführlich mit dieser Problematik, wobei auch die geläufigsten Messverfahren vorgestellt werden. Wertvolle Sanierungskonzepte zeigen Wege und Mittel auf, wie die Nutzungsfähigkeit gesichert werden kann.

Den breitesten Raum des Buches (70 Druckseiten) nimmt die Bauwerksabdichtung ein. Ohne die richtige Abdichtung, insbesondere im erdberührten Bereich, wären unsere Gebäude nicht so nutzbar, wie wir sie gern nutzen. Denn gerade der immer größer werdende Wunsch nach einer hochwertigen Nutzung, insbesondere auch im Kellergeschoss, stellt wachsende Anforderungen an die jeweils gewählte Bauwerksabdichtung.

Kapitel 3 bietet dann auch alle erdenklichen Angaben zur Bauwerksabdichtung, auf die es in der Praxis ankommt. Angefangen bei den erdberührten Bauteilen (Außenwände und Bodenplatte), fortfahrend über die Innenabdichtung, die Injektionsabdichtung, das Füllen von Rissen, nachträgliche WU-Konstruktionen und Horizontalsperren sowie Abdichtungen im Sockelbereich und die sichere Abdichtung im Bereich von Terrassen. Jeweils angereichert mit den wichtigsten Tipps, wie z.B. den erprobten Abdichtungsstoffen (u.a. Dichtungsschlämmen und Flüssigkunststoffe) sowie den wichtigsten Regelwerken, bekommt der interessierte Nutzer alle Informationen an die Hand, die er benötigt.

Neben den eigentlichen Abdichtungsarbeiten kommt es nicht selten vor, dass auch zusätzlich flankierende Maßnahmen (Kapitel 4) ergriffen werden müssen. Die bekannteste unter ihnen ist sicherlich die Drainage (DIN 4095), die vor allem bei schwach durchlässigen Böden zu empfehlen ist, um aufstauendes Wasser zu vermeiden. Weitere Maßnahmen sind: Bauteiltrockenlegungen, Dämmungen, Imprägnierungen, Boden- und Untergrundbehandlungen sowie Putzsanierungen. Insgesamt alles Maßnahmen, um der Feuchtigkeit geeignet entgegenzuwirken.

Das Praxis-Handbuch Bautenschutz streift das Thema der Wärmebrücken, ob nun beabsichtigt oder auch nicht, nur kurz im Zusammenhang mit der Dämmung (Mauerwerksfeuchte), so dass ein Blick in das Fachbuch: Wärmebrücken - bestimmt keine Zeitverschwendung hervorruft.

   

Wärmebrücken, Bereiche in denen die Temperatur sinkt, so dass der Wärmefluss steigt, sind vermehrt ins Gerede gekommen, seitdem die Gebäudehüllen immer dichter konstruiert werden. In der Praxis gibt es drei Arten von Wärmebrücken:

Die geometrisch bedingten Wärmebrücken entstehen oftmals dort, wo die Wärme aufnehmende Innenoberfläche kleiner als die Wärme abgebende Außenoberfläche ist. Das ist beispielsweise an Gebäudekanten und noch besser an Gebäudeaußenecken zu beobachten.

Auf die konstruktiv bedingten Wärmebrücken treffen wir dann, wenn Materialien mit hoher Wärmeleitfähigkeit konstruktionsbedingt ein Außenbauteil mit besserem Wärmeschutz durchbohren. Derartige Beispiele gibt es zur Fülle:
- eine das Außenmauerwerk unterbrechende Stahlbetonstütze oder Ringanker,
- ein unzureichend gedämmter Fenstersturz sowie die Kästen von Rollläden und
- eine auskragende Stahlbetonplatte (Balkon).

Wärmebrücken entstehen beispielsweise auch dort, wo unsachgemäß gearbeitet wird, wie z.B.:
- bei Lücken in der Dämmung, bei Durchdringungen sowie
- bei mangelhaften Anschlüssen zwischen Außenwand und Fenstern.

Neben der Schimmelbildung kann ein Tauwasserausfall im Bereich von Wärmebrücken zu einer dauerhaften Durchfeuchtung eines Bauteils und zu einem Bauschaden führen. Geschädigtes Mauerwerk und verfaultes Holz sind oftmals die Folge, die sogar die Tragfähigkeit und Standsicherheit beeinträchtigen können.

Effiziente Gebäudesanierungen erfordern eine wärmebrückenreduzierte Gebäudehülle, um unnötige Energieverluste und Feuchteschäden zu vermeiden. Experten sind  sich indes einig, dass es kein Gebäude gibt, auch kein Neubau, das 100 Prozent frei von Wärmebrücken ist. Der ungewollte Wärmeabfluss lässt sich herrlich mittels Wärmebildkamera visualisieren und darstellen. Beispiele hierfür bietet das Werk in Hülle und Fülle.

Fazit: Das Praxis-Handbuch Bautenschutz ist ein Fachbuch, das man gern in die Hand nimmt. Form (gebunden!) und Inhalt erfüllen sowohl die hohen Ansprüche eines Fachtitels als auch die visuell gelungene Darstellung. Besonders hervorzuheben ist die permanente Nähe zur Praxis, so dass sich das Handbuch auch als idealer Begleiter für den Baunachwuchs eignet. Sogar für Bauherren, die für ihr in die Jahre gekommenen Haus etwas Gutes tun wollen, hält das Buch viele Tipps und Hinweise parat. Denn nur eine gesunde Gebäudehülle beherbergt auch ein gesundes Wohnklima.

Wer umfassend über Wärmebrücken informiert sein möchte, sollte an dem Werk: Wärmebrücken nicht achtlos vorbeigehen, damit er die bauphysikalischen Zusammenhänge in einem Gebäude besser verstehen lernt. Wärmebrücken sind letztendlich auch ein Ausdruck dafür, wie gut die Baufachleute ihr Fach beherrschen. Und zwar von der Planung bis zur Fertigstellung. Darüber hinaus beeinflussen Wärmebrücken die Energiebilanz eines Gebäudes negativ.

Die Publikation vermittelt die erforderlichen Grundlagen und erläutert detailliert und leicht verständlich die verschiedenen Nachweise nach EnEV (Energie-Einspar-Verordnung). Darüber hinaus enthält das Buch einen praktischen Leitfaden zur Anwendung des kostenlosen Isothermen-Programms „Therm“. Ergänzende Excel-Tabellen, mit denen sich schnell und unkompliziert der gesuchte Wert für die jeweilige Wärmebrücken ermitteln lässt, stehen zum Download zur Verfügung. Dipl.-Ing. (FH) Uwe Morchutt

Bibliografische Daten:
Praxis-Handbuch Bautenschutz
Beurteilen, Vorbereiten, Ausführen
Von Dipl.-Ing. Bodo Appel, Dipl.-Ing. (FH) Michael Bertels, Heinz-Peter Dahmen, Dipl.-Ing. Jens Engel, Dr.-Ing. Ralf Fischinger, Prof. Dr.-Ing. Wilhelm Fix, Stefan Flügge, Dipl.-Ing. (FH) Jürgen Gänßmantel, Ingolf Georgy, uva.
2012. DIN A4. Gebunden. 210 Seiten mit 275 Abbildungen und 47 Tabellen.
59 Euro
ISBN 978-3-481-02992-0
Verlagsgesellschaft Rudolf Müller GmbH & Co. KG
50933 Köln, 2010
www.baufachmedien.de

Wärmebrücken
erkennen – optimieren – berechnen – vermeiden
Von Johannes Volland, Michael Pils und Timo Skora.
2012. Kartoniert. 17 x 24 cm. 221 Seiten mit 242 Abbildungen und 47 Tabellen. Excel-Berechnungshilfen stehen für Buchkäufer zum Download bereit: www.baufachmedien.de/waermebruecken
49 Euro: Subskriptionspreis bis 31. Dezember 2012
59 Euro: Preis ab 1. Januar 2013
ISBN 978-3-481-02799-5
Verlagsgesellschaft Rudolf Müller GmbH & Co. KG
50933 Köln, 2010
www.baufachmedien.de