Energetische Sanierung (27. Mai 2012)

Viele Bauherren von der Einsparung enttäuscht!

Was der Autor (Schäden durch Dämmung?) unter anderem vor wenigen Tagen unverhohlen beschrieben hat, wird jetzt durch eine aktuelle Forsa-Umfrage, die der Bundesverband der Verbraucherzentrale (vzbv) in Auftrag gegeben hat, bekräftigt: die Mehrheit der energetischen Sanierungen bringt nicht das, was sich die Hausbesitzer davon versprochen haben oder besser gesagt, was ihnen bisweilen vollmundig versprochen wurde. Der Grund: Allzu viele legen einfach drauf los, ohne sich hinreichend beraten zu lassen und die Maßnahme gründlich vorzubereiten. Die Erhebung erfolgte bei 1000 Hauseigentümern, die in den letzten fünf Jahren Energieeinsparmaßnahmen im und am Haus vorgenommen haben.

Über ein Viertel der Befragten ärgerte sich darüber, dass sich die gewünschten Energieeinsparungen gar nicht einstellen würden. Bei weiteren 28 Prozent fallen die Einsparungseffekte so klein aus, dass sich die Investitionen frühestens in 25 Jahren rechnen würden. Nur jeder vierte Modernisierer nutzte die Möglichkeit, sich im Vorfeld beraten zu lassen. Der Bedarf von privaten Hauseigentümern an qualifizierter Energieberatung liege bei bis zu 800 000 im Jahr.

Gute Beratung kann sich auszahlen
Erfolgreiche energetische Sanierungsmaßahmen beginnen mit einer unabhängigen Beratung, die eine objektspezifische Bauvorbereitung beinhaltet: Die Energieeinsparung lag bei Hausbesitzern, die im Vorfeld auf eine Beratung verzichtet hatten, im Schnitt bei kargen 16 Prozent. Wer eine unabhängige Beratung eines Architekten oder Ingenieurs in Anspruch genommen hatte, erfreute sich über Einsparungen von immerhin durchschnittlich 27 Prozent. Allerdings kamen insgesamt nur drei Prozent aller Sanierer auf Energieeinsparungen von über 50 Prozent. 80 Prozent der Befragten hatten keine staatliche Förderung in Anspruch genommen. Bedenklich: 83 Prozent erhielten nach den Maßnahmen keinen Qualitätsnachweis!

Beachte: Selbst mit Beratung werden längst nicht diese exorbitanten Einsparungen erzielt, die in vielen bunten Werbeblättern versprochen werden! Nur ein komplettes Sanierungspaket, das natürlich am teuersten ist, bringt den unbestreitbarsten Erfolg. Einfach nur Dämmplatten an die Außenwände zu klatschen, hilft nur den Handwerkern!

   

Gebäudesanierung: immenser Handlungsspielraum
Der Bedarf an sanierungsbedürftigen Gebäuden in Deutschland ist groß, so dass ein massiver Ausbau der unabhängigen Energieberatung erfolgen muss. Die Unternehmen sind gleichzeitig aufgerufen, bei Sanierungen die objektiven Energiesparpotenziale auch voll auszuschöpfen. Hierfür sind zukunftsweisende Techniken zu entwickeln und einzusetzen. Erkenntnisse über die Qualität der durchgeführten Effizienzmaßnahmen sind leider Mangelware, vielleicht auch deshalb, weil sie im Verborgenen schlummern. Nur wenn die Hauseigentümer besser über ihre gebäude- und anlagentechnische Beschaffenheiten aufgeklärt werden, lassen sich auch potentielle Sanierer motivieren.

Dämmstoff-Recycling: brach liegende Reserven!
Rund 130 Mio. Tonnen Bauabfälle fielen allein im Jahr 2010 in Deutschland an. Aber nur 8 Prozent der Bauabfälle, so schätzen Experten, können wieder als mineralische Rohstoffe verwendet werden. Der Rest wird allenfalls als Unterkonstruktion im Wegebau eingesetzt oder landet kostengünstig auf Deponien.

Recycling ist in erster Linie Rohstoffsicherung. Bauabfälle sind zugegebener Maßen schwierige Rohstoffe, weil sie in der Regel getrennt werden müssen (Ziegel, Beton, Kalksandstein, Gips, Metall und diverse Dämmmaterialien). Um daraus aber sortenreine Rohstoffe für Neubauten zu gewinnen, bedarf es neuer Technologien.

Beim Fraunhofer Institut für Verfahrenstechnik und Verpackung in Freising forscht Dr. Andreas Mäurer intensiv zum Thema Dämmstoffe, genauer gesagt zum Polystyrol-Recycling. Das wohl meistverwendete Dämmmaterial ist ein kostbarer Werkstoff. Aber für Styropor, das geschäumte Polystyrol, gibt es bisher praktisch kein Recyclingverfahren.

Das aus Erdöl hergestellte Material wird bisher allenfalls zu Granulat geschrotet, woraus derzeit Blumentöpfe oder Kleiderbügel entstehen. Die Forschungsanlage löst das Polystyrol durch ein speziell entwickeltes Lösungsmittel in seine Bestandteile auf. Am Schluss bleibt reines Polystyrol übrig. Für ein Kilogramm Polystyrol benötigt man gewöhnlich 5 kg Erdöl. Die Recyclinganlage gewinnt den Grundstoff fast vollständig zurück. 90 Prozent der aufgewendeten Energie lassen sich so zurückgewinnen. Dipl.-Ing. (FH) Uwe Morchutt

Quelle:
- forsa-Verbraucherumfrage:  „Energetische Gebäudesanierung und Handwerkerleistungen“. Berlin, 23. April 2012
- Fraunhofer Institut, Freising