Buchtipp (4. Mai 2012)

Praxis-Handbuch Schimmelpilzschäden
Diagnose und Sanierung

Feuchtigkeit ist die Triebfeder für jegliche Schimmelbildung in Gebäuden. Im Allgemeinen beginnen Schimmelpilze auf organischen Substanzen zu wachsen und entfachen dabei eine Reihe von Fäulnisprozessen. Da Schimmelpilz-Sporen (das so genannte Myzel) unablässige Bestandteile der Luft sind, bedarf es bloß noch der speziellen Wachstumsbedingungen, um zu Schimmelpilzkulturen heranzuwachsen.

Ein üppiges Nahrungsangebot (organische Moleküle wie Zellulose - in Tapeten, Klebstoffen, Holzwerkstoffen und Gipskartonplatten oder auch Kunststoffe, wie z.B. Wandbeschichtungen, Teppichböden und Bodenbeläge) wartet in unseren Gebäuden auf die Schimmelpilze, so dass sie sich ungehindert vermehren können, außer, man entzieht ihnen ihre Lebensgrundlage. Sind diese unliebsamen und gesundheitsschädlichen Bewohner erst einmal sichtbar, sollte schnell gehandelt werden. Um Schimmelpilzschäden effektiv zu sanieren und zu beseitigen, bedarf es einer sicheren Beurteilung der Ursachen ebenso, wie die Kenntnis geeigneter Maßnahmen und gesetzlicher Vorschriften.

Bei erhöhtem Schimmelpilzbefall, der die Nutzung einzelner Räume stark beeinträchtigt, kann beispielsweise ein Mieter seinen Mietzins um 20 bis 30 Prozent mindern. Eine mietrechtliche Reaktion, die durchaus zum Handeln zwingen sollte. Massiver Schimmelpilzbefall ist aber immer eine Angelegenheit für Profis! Apropos: Erst seit November 2005 gibt es die Ausbildung zur „Fachkraft für Schimmelpilzsanierung“, die zum Abschluss ein BSS-Zertifikat der Handwerkskammer Düsseldorf (BSS – Bundesverband Schimmelpilzsanierung) erhält, um professionell gegen die Schimmelpilze vorzugehen.

   

Dr. Wolfgang Lorenz, ein nachweislich erprobter Schimmelpilzexperte, hat soeben sein umfangreiches Fachwissen in dem „Praxis-Handbuch Schimmelpilzschäden“ zusammengefasst und publiziert. Ein Blick in das Werk soll zeigen, worauf es dem Autor ankommt und worauf Betroffene achten sollten.

Schimmelpilzschäden wurden und werden gern klein geredet, weil sich oftmals Baupfusch dahinter verbirgt. Natürlich will keiner damit in Verbindung gebracht werden, denn wer gibt schon freiwillig zu, dass er unsauber gearbeitet hat oder seine Immobilie vernachlässigt. Die fachgerechte Sanierung eines Schimmelpilzschadens, Kapitel 1, befasst sich auch sogleich mit den rechtlichen Vorschriften und den technischen Regeln, die es bei der Beseitigung dieser unangenehmen Begleitumstände mittels Feuchtigkeit zu beachten gilt. Es fällt auf, dass es für das Bauen unendlich viele Vorschriften gibt, für die fachgerechte Beseitigung von Schimmelpilzschäden aber nur einige wenige.

Kapitel 2 widmet sich den biologischen Grundlagen. Bekanntlich ist unsere Natur und Luft voll von Mikroorganismen. Bekommen die kleinen Gesellen ausreichend Feuchte und Nährstoffe geliefert, entstehen daraus Schimmelpilze. Ein natürlicher Prozessablauf, den es effektiv zu unterbrechen gilt.

Im anschließenden Kapitel 3 kommt der Autor bereits zu den baulichen und bauphysikalischen Grundlagen, die die Wachstumsprozesse von Schimmelpilzen beeinflussen. Ein Gebäude arrangiert sich mehr oder weniger mit der Feuchtigkeit, die die Bauleute und später die Bewohner hineintragen. Es kommt lediglich darauf an, wann zu viel Feuchte schädigende Prozesse bewirkt. Auf 25 Druckseiten erfährt der interessierte Beobachter alles, was er im Zusammenspiel zwischen Temperatur und Feuchte wissen sollte.

Nicht immer sind die Schäden, die aus zu viel Feuchte entstehen können, sichtbar, weil sie sich auch im Verborgenen entwickeln können. In Schadensmerkmale, Kapitel 4, behandelt Lorenz die wichtigsten Symptome, die zu großräumigen Schimmelpilzbefall ausufern können. Aus Feuchteflecken werden so Schimmelflecken, die sich beispielsweise durch geruchliche Indikation bemerkbar machen können. Der weit verbreitete Fugging-Effekt über Heizkörpern, betont der Autor, hat mit mikrobiellen Schäden allerdings nichts zu tun.

Feuchteschäden müssen fachlich begutachtet und analysiert werden. Hierbei helfen Messungen, z.B. Feuchtemessungen, um den Feuchteherd näher zu lokalisieren. Ein unvermeidbares Themengebiet, das der Autor umfassend in Kapitel 5 beleuchtet und praxisnah dokumentiert. Die visuelle Garnierung hilft dabei, dieses komplexe Fachwissen fassbarer zu machen. Der hochinformative Abschnitt endet mit dem Einsatz von Schimmelpilz-Spürnasen. Hierfür werden speziell ausgebildete Hunde auf das Aufspüren von nicht sichtbaren Schimmelpilzspuren trainiert.

Den Ursachen auf den Grund gehen - ist hier nicht als Floskel gemeint. Diese segensreiche Absicht beherzigt Lorenz in Kapitel 6. Denn jegliche Feuchtigkeit an Stellen, wo sie nicht hingehört und unerwünscht ist, hat ihre Ursachen. Feuchtequellen gibt es aber deren viele. Die wichtigsten davon stellt der Autor eindrucksvoll in Wort und Bild vor, so dass jeder Laie sehen kann, was Nässe Hässliches an einem Gebäude anrichten kann.

Die feuchten Stellen sind lokalisiert und deren Ursachen gefunden. Jetzt geht es daran, die Schäden zu beurteilen (Kapitel 7 + 8). Je nach Ausmaß des Schadens, gilt es jetzt die richtige Methode zu finden, um den Schaden zu beheben. Eine sorgfältige Planung und Vorbereitung der Sanierung sollten dabei zur Selbstverständlichkeit gehören. Nur wenn die Feuchtequelle korrekt erkannt wurde, lässt sich der Schaden  langfristig beheben. Leider gibt es Fälle, wonach der Schaden nach der Sanierung größer ist als zuvor. So etwas nennt der Fachmann dann kaputt saniert. Typische Beispiele findet der Experte an diversen Fachwerkbauten.

Die Sanierung, Kapitel 9, nimmt den größten Teil des Buches ein. Vom Kleinschaden über den Arbeitsschutz bis hin zum Entfernen befallener Bausubstanz findet der interessierte Beobachter alles, was zur Schadenssanierung von Relevanz ist. Reich bebildert wird nichts beschönigt, was es in Wirklichkeit auch nicht ist. Aussagen über Arbeitsgeräte und Verfahren runden den intensiven Abschnitt ab.

Ist die Sanierung vollbracht, schreiten die Verantwortlichen zur Qualitätskontrolle und Abnahme (Kapitel 10). Eine der wichtigsten Handlungen überhaupt, denn jetzt wird der Gefahrenübergang vom Auftragnehmer auf den Auftraggeber besiegelt. Werden hier Fehler begangen, wird bei späteren Mängeln keine Freude an der Sanierung aufkommen.

Fazit: Wasser erzeugt Leben. Aber nicht alle Lebensformen in unserer unmittelbaren Nähe sind dabei erwünscht. Schimmelpilze in Verbindung mit Käse sind eine gelungene Synthese. Schimmelpilze an der Wand sind hingegen ein Ärgernis, das keiner  braucht. Dr. Lorenz geht in seinem Werk diesen kleinen Spielverderbern auf den Grund. Seriös und informativ bringt er die Quälgeister ans Tageslicht, obwohl sie sich im Verborgenen sehr wohl fühlen, allerdings nur mit einem Ziel, um sie zu beseitigen.

Entstanden ist ein nützlicher Leitfaden im Kampf gegen die Schimmelpilze in unserer unmittelbaren Wohnumgebung. Ein Muss für jede Sanierungsfachkraft, aber auch Sachverständigen, da sie konkrete Handlungsanleitungen zur mangelfreien Gebäudesanierung bei Schimmelpilzschäden an die Hand bekommen. Auch geeignet für Mieter und Vermieter, die sich mit der Materie des Öfteren herumschlagen müssen. Präzise ausgedrückt: Von der Feststellung des mikrobiellen Schadens und seiner Ursachen über die Beurteilung, Konzeption und Durchführung der richtigen Maßnahmen bis hin zur Abnahme führt das praxisnahe Handbuch zum alsbaldigen Sanierungserfolg. Dipl.-Ing. (FH) Uwe Morchutt

Bibliografische Daten
Praxis-Handbuch Schimmelpilzschäden
Diagnose und Sanierung
Von Dr.-Ing. Wolfgang Lorenz.
2012. 17 x 24 cm. Gebunden. 330 Seiten mit 299 Abbildungen und 65 Tabellen.
49 Euro
ISBN Buch: 978-3-481-02892-3
ISBN E-Book (PDF): 978-3-481-02893-0
Verlagsgesellschaft Rudolf Müller GmbH & Co. KG
URL: www.baufachmedien.de