Buchtipp (6. Februar 2012)

Altbau-Modernisierung kompakt
Die 100 wichtigsten Konstruktionen und Anschlüsse für das Bauen im Bestand

Einer weit verbreiteten Redewendung zufolge steckt der Teufel im Detail. Insbesondere in der baulichen Detailgestaltung liegt die Kunst, möglichst keine Fehler zu begehen, die ein Gebäude dauerhaft schädigen können. In der Regel sind es fehlendes Wissen und handwerkliches Unvermögen, die zu kostspieligen Baumängeln führen. Ein Gebäude bringt es dabei auf unzählige Detailkonstruktionen, die nach den Regeln der Technik auszuführen sind.

Der Autor, Architekt Jörg Böhning, hat sich speziell diese Konstruktionsbereiche ausgewählt, um die 100 wichtigsten davon in seinem Werk: Altbau-Modernisierung kompakt, näher zu beleuchten. Das Interesse an dem handlichen Taschenbuch ist so groß, so dass bereits die 2. Auflage publiziert wurde. Kein Wunder, werden die Konstruktionsdetails doch in Wort und Bild (Detailzeichnungen) beispielhaft ins Licht gerückt. Dem Rudolf Müller Verlag gilt die Ehrerweisung, dass er mit der nützlichen Kompakt-Buchreihe die vorhandenen Wissenslücken bei den am Bau Beteiligten auf intelligente Art und Weise zu minimieren versucht.

   

Eine der großen Herausforderungen unserer Zeit ist es, Modernisierungen an bestehenden Gebäuden vorzunehmen, da 87 Prozent unserer Gebäude (Quelle: destatis) bis 1990 errichtet wurden. In der Regel geht es dabei um den sachgerechten Eingriff in ein funktionierendes System, das vordergründig energetisch auf die Höhe der Zeit gebracht werden soll. Die kleinsten Fehlleistungen bestraft das intakte Gebäudesystem mit einem Verlust der Bauqualität. Steigende Feuchteeinträge, oftmals hervorgerufen durch Wärmebrücken, sind nur ein Beispiel von vielen. Angestrebte höhere Gebrauchswerte durch die Modernisierung werden so schnell ins Gegenteil umgekehrt. Ein Blick in das Werk soll das Gesagte plausibel untermauern.

Zur Einführung befasst sich der Autor mit den Grundlagen der Altbaumodernisierung. In Kapitel 1 werden nicht nur täglich verwendete Begriffe fachlich korrekt definiert, sondern auch typische Schadensbilder anhand der Baualtersstufen aufgezeigt. Jede Bauepoche hat bekanntlich ihre Vor- und Nachteile aufzuweisen, die die Leistungsfähigkeit der jeweiligen Bauzeit eindrucksvoll widerspiegeln.

Bereits im darauf folgenden Kapitel 2 geht das Werk auf die gebäudespezifischen Konstruktionsabschnitte ein. Typische Schwachstellen von Altbauten, die jeder beim Betreten sofort sehen und vor allem riechen kann, sind Feuchteschäden im Kellergeschoss. Die Bauwerksohle wird deshalb als erste wichtige Konstruktionsebene ins Blickfeld des Betrachters gerückt. Eine gelungene Modernisierung, z.B. durch geeignete Abdichtungsmaßnahmen, zeichnet sich vor allem durch einen abgetrockneten Keller aus, da in der Regel eine höherwertige Nutzung angestrebt wird.

Jede bauliche Veränderung widmet sich alsbald den Außenwänden (Kapitel 3) zu, die oftmals nicht den modernen energetischen Anforderungen entsprechen. Über ineffiziente Außenwände kann bis zu 40 Prozent Energie verloren gehen, weil sie durch ihre große Fläche einen Großteil des Gebäudemantels ausmachen. Inzwischen werden Außenwände millionenfach nachträglich von außen gedämmt, um die Energieverluste zu reduzieren. Zukünftige Generationen werden die derzeitige Bauepoche auch unter dem Aspekt des Dämmwahns einordnen. Schon allein der Gedanke an den Rückbau (Sondermüll) wird sie schier zur Verzweiflung bringen. Aus heutiger Sicht scheint es wohl alternativlos zu sein.

Das Kapitel über die Außenwände endet mit zwei immer wieder kehrenden Problemfällen: Zum einen geht es um die vertikal aufsteigende Feuchtigkeit in Außenwänden infolge von Kapillarität und zum anderen um die horizontal eindringende Feuchtigkeit aus dem Erdreich. Werden diese weit verbreiteten Feuchteschäden im Mauerwerk der Altbauten nicht beseitigt, weil die Abdichtungen nicht auf der Höhe der Zeit sind, ist jede Modernisierung zum Scheitern verurteilt. Einige bekannte Verfahren zur nachträglichen Bauwerksabdichtung werden in Wort und Bild dargestellt.

Kapitel 4 befasst sich mit den Innenwänden. Grundrisse in Altbauten lassen für heutige Verhältnisse viel Raum für Veränderungen zu. Hell und großzügig wünschen es die Bewohner. Im Rahmen des Machbaren sind viele Gestaltungsmöglichkeiten realisierbar, wenn die Wände keine tragenden Funktionen haben. Auf über 50 Druckseiten bietet Böhning eine Vielzahl von Wandvariationen an, wie sie heute üblich sind. Besonderes Augenmerk gilt dabei den leichten Wandkonstruktionen und dem Schallschutz, der im Wohnungsbau oftmals ungenügend ist. Ein weiterer wichtiger Gesichtspunkt ist die Dichtheit von Innenwänden in Feuchträumen. Einfach nur mal soeben ein Bad einbauen, wo vorher ein Abstellraum war, reicht da nicht aus.

Was wären die Wände ohne die Decken, die dem Gebäude die erforderliche Stabilität verleihen. Kapitel 5 befasst sich mit den horizontalen Bauteilen. Gleich zu Beginn treffen wir dabei auf die gute, alte Holzbalkendecke, die über Jahrzehnte das Non plus ultra der Deckenkonstruktionen ausmachte. Schädlings- und Fäulnisbefall der Holzbalken bzw. Balkenköpfe sind ernstzunehmende Schäden, die es zu beseitigen gilt, damit die Tragfähigkeit keinen Schaden nimmt. Ebenso wichtig ist die Darstellung des Schall- und Wärmeschutzes bei Deckenkonstruktionen.

Mit den Dächern, Treppen, Fußböden sowie Fenster und Türen, die sich thematisch aneinander reihen, schließt das Werk ab, so dass ein vollständiger Überblick über die wesentlichsten Bestandteile eines Gebäudes im Ergebnis festzuhalten ist.  

Fazit: Technische Zeichnungen von Detailkonstruktionen bilden die Grundlage für jedes Bauprojekt. Egal, ob Neu- oder Altbau! Wer sie deuten gelernt hat, wird seine pure Freude an diesem Werk haben. Für Architekten, Ingenieure und Ausführende im Bauwesen ist es eine willkommene Entscheidungshilfe im Sanierungsalltag. Jedes Detail präsentiert sich auf einer Doppelseite mit einer Detailzeichnung und den dazugehörigen textlichen Erläuterungen. Es gibt wohl kaum ein kompaktes Fachwerk, das diesen Leitgedanke so konsequent verfolgt.

Mit der übersichtlichen tabellarischen Beschreibung (u.a. den  Baukosten und Einbauzeiten) bekommt der Nutzer obendrein unverzichtbares Fachwissen an die Hand. Auffallend ist, dass sämtliche Baukonstruktionen hinsichtlich des Wärme-, Schall- und Feuchteschutzes bewertet werden, ohne deren Einhaltung kein Gebäude hochwertig nutzbar wäre. Nahezu jede Modernisierungsmaßnahme lässt sich durch das handliche Westentaschenformat fachlich korrekt vor Ort begleiten, da eine permanente Verfügbarkeit gesichert ist. Ein weiterer Meilenstein im Repertoire der durchdachten Kompakt-Buchserie. Dipl.-Ing. (FH) Uwe Morchutt

Bibliografische Daten:
Altbau-Modernisierung kompakt
Die 100 wichtigsten Konstruktionen und Anschlüsse für das Bauen im Bestand
Von Dipl.-Ing. Jörg Böhning.
2., überarbeitete Auflage 2012. DIN A6. Kartoniert.
335 Seiten mit 168 Abbildungen und
101 Tabellen.
39 Euro
ISBN 978-3-481-02883-1
Verlagsgesellschaft Rudolf Müller GmbH & Co. KG
50933 Köln
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