Buchtipp (12. Januar 2012)

Passivhäuser in Holzbauweise
Planen - Bauen - Betreiben

Die Meinungen über Passivhäuser gehen weit auseinander. Auch deshalb, weil sie oftmals etwas anders aussehen. Das trifft insbesondere für die Anfänge (1991) dieses Gebäudetypus zu, wobei das Pultdach symptomatisch dafür steht. Eine Tatsache ist aber, dass es sich inzwischen um Gebäude handelt, die einen maximalen Komfort bei minimalem Energiebedarf bieten können. Das Passivhauskonzept ist auf die Minimierung der Wärmeverluste und auf die möglichst effektive Nutzung von solaren Wärmegewinnen angelegt. Für die Umsetzung sind somit Gewerke übergreifendes und komplexes Denken erforderlich, wozu vor allem genaues Arbeiten in höchster Qualität gehört. Was nutzt dem Bauherrn die Etikette Passivhaus, wenn die berechneten Werte in der Praxis verfehlt werden?

Passivhäuser in Holzbauweise“ zeigt u.a., dass höchste energetische Ansprüche gepaart mit modernem Komfort auch durch den nachwachsenden Rohstoff Holz umgesetzt werden können. Für den Holzbau ist das Passivhaus inzwischen ein mehrfach realisierter Baustandard, so dass sich deren Detaillösungen zunehmend für gut gedämmte und luftdichte Konstruktionen eignen.

   

Der Autor, Gerrit Horn, Architekt und Zimmermeister, ist ein klarer Verfechter der Holzbauweise, der davon überzeugt ist, dass sich Holz ideal für ein Passivhaus eignet. Seine druckfrische Publikation liegt jetzt vor. Ein fachmännischer Blick hinein soll zeigen, wie weit sich das Passivhaus in 20 Jahren entwickelt hat. Horn betont, mit seinem Werk vor allem einen Beitrag zur stärkeren Umsetzung in der Praxis zu leisten, wobei er keinen anderen Baustoff diskriminieren will. Jeder, der sich mit der Passivhaus-Bauweise befasst, soll selbst erkennen, worin die Vorzüge der Holzbauweise liegen. Nüchtern betrachtet, steht Anfang 2012 jedoch fest: Das Passivhaus hat es auch nach zwei Jahrzehnten schwer, sich gegenüber traditionellen Bauweisen durchzusetzen.

Das Buch eröffnet mit einer beispielhaften Darstellung von gebauten Passivhäusern in Holzbauweise, die zeigt, dass Passivhäuser nicht unbedingt unansehnlich sein müssen. Bei intelligenter Herangehensweise und Nutzung aller Fördermöglichkeiten, so der Autor, sind Passivhäuser nicht einmal teurer als traditionell errichtete.

Kapitel 2 gehört der Motivation: Warum bauen wir eigentlich Passivhäuser und warum ausgerechnet aus Holz? Betrachtet man die Holzbauweise nur aus der Sicht des Feuchtigkeitseintrages in das Gebäude während der Bauphase, so erkennt nicht nur der Experte, dass es eine trockene Bauweise ist. Der größte Vorteil ist sicherlich die Energiebilanz!

Die wohl wichtigste Frage für jeden Bauinteressenten folgt in Abschnitt 3: Was ist ein Passivhaus? Das Wissen über Passivhäuser ist vielen immer noch unklar. In wenigen Worten erklärt Horn das Passivhauskonzept: Gewonnene Solarerträge tragen über hochwertige Fenster passiv zur Beheizung des Hauses bei. Darüber hinaus wird die abgegebene Wärme der Bewohner und die Wärmeabstrahlung aller elektrischen Geräte zur Beheizung genutzt. Durch die hochwertig gedämmte Außenhülle geht wenig Energie verloren, so dass ein aktives Heizsystem fast überflüssig wird. Das oftmals fehlende Image der Passivhäuser geht sicher auch mit der Scheu vor dem qualitätsgesicherten Bauverständnis einher, das höchsten Ansprüchen in der Planung und Umsetzung gerecht werden muss.

Das Entwerfen von Passivhäusern folgt in Kapitel 4. Am besten lassen sich Passivhäuser in kompakten Baukörpern umsetzen, weil diese sich energieeffizient am ehesten realisieren lassen, was wiederum die Kosten minimiert. Natürlich kann das zu ästhetischen Nachteilen führen, so dass Passivhäuser oftmals eher schlicht daher kommen. Hier ist, wen wundert es, Kreativität gefragt!

Mauerwerk oder Holz? Beide Bauweisen haben Vor- und Nachteile. Im Massivbau liegt die Dämmung außen, im Holzbau in der Konstruktionsebene. Kapitel 5 beschäftigt sich ausführlich mit der Gebäudehülle. Wichtige Begriffe wie Reduzierung der Transmissionswärmeverluste, Wärmebrückenfreiheit durch Luftdichtigkeit und Diffusionsverhalten der Bauteile spielen auch hier eine bedeutende Rolle. Die Bauweisen sind heutzutage so ausgereift, dass fast alles umsetzbar ist. Neu entwickelte Jumbo-Steine erlauben es sogar, eine 49 cm starke Wand ohne Dämmung vorzusehen, um die geforderten U-Werte (Wärmedurchgangskoeffizient) zu erzielen.

Neben der baulichen Hülle spielt die Gebäudetechnik im Passivhausbau eine überragende Rolle. Die schwierige Aufgabe lautet, die Wärme im Gebäude zu halten, aber die Feuchtigkeit, die permanent produziert wird, herauszulassen. Abschnitt 6 widmet sich dieser bisweilen komplizierten Problemlösung.

Die anschließenden zwei Kapitel befassen sich mit dem Stand des Holzbaus 2011/12 im Allgemeinen und den Holzbaukonstruktionen im Passivhausbau im speziellen. Wie in anderen Bauweisen trifft der interessierte Beobachter auch in der Holzbauweise auf bekannte Kenngrößen, wie eine optimierte Planung und deren Aspekte: Statik, Wärmeschutz, Luftdichtigkeit, Schall- und Brandschutz. Vorgefertigte Elemente und Montageabläufe sind ebenfalls nicht neu. Kapitel 9 beschäftigt sich mit der großen Vielfalt, die der moderne Holzbau mittlerweile offeriert, gefolgt von passivhaustauglichen Fenstern und Türen. Anhand von Beispielen zeigt der Autor nachfolgend, wie moderne Passivhäuser aus Holz entstehen.

Passivhäuser haben eine Zukunft und rechnen sich über einen langen Zeitraum. Horn nennt es: das Passivhaus zahlt die Rente! Damit diese Botschaft auch verstärkt an den Verbraucher kommt, muss das Image (Marketing) aber noch erheblich verbessert werden. Der gestiegene Komfort und die tatsächliche Wirtschaftlichkeit von Passivhäusern, ganz zu schweigen von der Umweltverträglichkeit, sind bisweilen noch im Verborgenen. Ebenso die Diskrepanz zwischen Planung und Umsetzung von Passivhäusern. Nicht jedes Passivhaus ist auch ein Passivhaus, weil das Ist vom Soll abweicht. Ungenaues Arbeiten und Pfusch am Bau wirken hier wie so oft kontraproduktiv.

Fazit: Das moderne Passivhaus aus Holz hat im modernen Hausbau seine objektive Daseinsberechtigung. Es steht keiner anderen Bauweise nach. Das sehr praxisnahe und leicht verständliche Werk soll dabei helfen, subjektive Einflüsse und Hinderungsgründe auszuräumen. Nicht nur Freunde der Holzbauweise werden an diesem Buch ihre Freude haben. Der moderne Holzbau hat eine erstaunliche Entwicklung hinter sich. Schon der Umwelt zu liebe hat er einfach mehr Aufmerksamkeit verdient! Der inzwischen offen kritisierte Dämmwahn (Mio. Kubikmeter Dämmstoff an den Gebäudewänden) im nachträglichen Massivbau, auch wenn damit der Passivhaus-Standard gar nicht erreicht wird, schafft nur in die Zukunft verlagerte Probleme im Rückbau (Sondermüll), an die heute kaum einer laut zu denken wagt! Dipl.-Ing. (FH) Uwe Morchutt

Bibliografische Daten
Passivhäuser in Holzbauweise
Planen - Bauen - Betreiben
Von Gerrit Horn, Architekt und Zimmermeister
2011. 17 x 24 cm. Gebunden. 288 Seiten mit 236 Abbildungen und 17 Tabellen.
59 Euro
ISBN 978-3-87104-175-4
Verlagsgesellschaft Rudolf Müller GmbH & Co. KG
URL: www.baufachmedien.de