Buchtipp (23. Oktober 2011)

Trockenbau kompakt
Mit Kennziffern, Regeln, Richtwerten

Kompaktes Bauwissen wird heutzutage immer wichtiger, weil die komplizierten Zusammenhänge bei der Errichtung eines Bauwerkes zunehmen. In keiner anderen Branche müssen so viele Gewerke Hand in Hand arbeiten wie auf einer Baustelle während der Ausbauphase. Im Vorteil ist derjenige, der das aktuelle Know-how quasi zur Hand hat. Der Rudolf Müller Verlag, Köln, folgt dieser unablässigen Entwicklung, in dem er aktuell bereits den fünften Kompakt-Ratgeber einer breiten Öffentlichkeit präsentiert. Nach „VOB/B kompakt“, „Energieberatung kompakt“, „Ausbau kompakt“ und „Fliesen kompakt“ folgt nun „Trockenbau kompakt“. Für alle fünf spricht: Klein in der Abmessung, aber hilfreich in der Sache!

Die gelungene Ratgeber-Serie verbindet dabei das Nützliche mit dem Notwendigen. Das handliche Westentaschenformat gewährleistet den permanenten Zugriff, und zwar baunah auf der Baustelle, wenn es um die fachlich richtige Beurteilung geht. Denn niemand kann den Wust an Bauregeln im Kopf abspeichern. Einen Innenausbau ohne den Trockenbau, der ursprünglich in den 1960er Jahren aus den USA nach Deutschland schwappte, kann sich heutzutage kaum noch ein Fachmann vorstellen.

Trockenbau heißt dabei lediglich, dass industrielle Halbzeuge miteinander verbunden werden, ohne dass unnötig viel Bauwasser in das Gebäude getragen wird. Selbst bauphysikalische Anforderungen bezüglich des Wärme-, Kälte-, Schall-, Brand- und Feuchteschutzes lassen sich durch die Trockenbauweise erfüllen. Das beliebteste Bauteil dürfte die altbewährte Gipskartonplatte sein. Ein professioneller Blick in das Werk: Trockenbau kompakt, soll den potentiellen Interessenten an die Materie heranführen.

   

Spätestens 2006 erhielten die "Trockenbauarbeiten" durch die Aufnahme der Allgemeinen Technischen Vertragsbedingungen (ATV) der DIN 18 340 in den Teil C der VOB ihre definitive Daseinsberechtigung, so dass der Trockenbau auch bauvertragsrechtlich offiziell zu den eigenständigen Gewerken gehört. Kapitel 1 befasst sich dann auch sogleich mit den bauvertraglichen Gesichtspunkten, ohne deren spezifische Ausformulierung kein Bauwerk entstehen würde. Auf knapp 30 Druckseiten werden die wichtigsten baurechtlichen Hinweise zur Auftragsabwicklung, die sowohl den Auftraggeber als auch den Auftragnehmer betreffen, erläutert.

Daran anschließend, Kapitel 2, beschäftigt sich das Werk mit der Baustellenorganisation und deren Bedingungen vor Ort. Eine Baumaßnahme läuft bekanntlich nur so reibungslos ab, wie gut sie auch vorbereitet wurde. Das trifft vor allem auf die ausgefeilte Baustellenlogistik zu, denn akuter Platzmangel ist ein Merkmal in dieser Bauphase. Eine Checkliste für die Bauleitung verdeutlicht beispielhaft die bisweilen komplizierte Aufgabe der Verantwortlichen.

Was nicht vereinbart wurde, wird auch nicht gebaut! Vielen Bestellern wird dies leider erst am Ende einer Baumaßnahme bewusst. Nur ein klar definiertes Bau-Soll ist Ziel führend. Weicht das Bau-Ist vom Bau-Soll ab, steht Ärger ins Haus. Die vertragsgemäße Bauabwicklung, die in Kapitel 3 ausführlich behandelt wird, ist eine der wichtigsten Voraussetzungen für die ordnungsgemäße Umsetzung einer Baumaßnahme. Die Abnahme und der Anspruch auf Mängelbeseitigung sind dabei nur zwei Prüfsteine einer Kette von Anforderungen. Kapitel 3 erwächst somit für alle Bauverantwortliche als Pflichtlektüre.

Sind alle Vertragsmodalitäten wasserdicht abgeschlossen, rückt die Ausführungstechnik in den Vordergrund der Betrachtung. Abschnitt 4 widmet sich detailliert dem Titelthema: den Trockenbauarbeiten. Auf rund 200 Druckseiten wird die Vielfalt des modernen Trockenbaus erschöpfend behandelt. Die Einsatzbereiche sind heute schier grenzenlos: Montagewände, Unterdecken, Bodensysteme, Schall- und Brandschutzeinbauten, Systeme für den Feuchteschutz und energetische Lösungen für den Wärmeschutz gemäß EnEV. Bei jeder Erklärung steht die korrekte Ausführung nach den anerkannten Regeln der Technik im Mittelpunkt der Beschreibung. Nur unter Beachtung der technischen Vorgaben sichert der Trockenbau qualitätsgerechte Ergebnisse. Ein gelungenes Kapitel, das sowohl durch seine visuelle als auch beschreibende Darstellung allen Ansprüchen gerecht wird.

Nicht nur der Trockenbau lebt von seiner Akkuratesse. Die Einhaltung von Maßtoleranzen (DIN 18 202) und die optische Wirkung von qualitativ hochwertigen Oberflächen sind eine unablässige Notwendigkeit des Trockenbaus. Kapitel 5 widmet sich dieser qualitätsgesicherten Betrachtungsweise. Wenn alles genau sitzt und gut aussieht wird der Besteller auch anstandslos seine Rechnung bezahlen.

Eine Übersicht über Normen, Regelwerke, Merkblätter und Richtlinien runden das Werk sinnvoll ab. Verweise auf die Fachzeitschrift „TrockenBau Akustik“ geben Interessenten weiterführende Informationen.

Fazit: Kompliment dem Autorenteam: Ein Fachwerk, das voll gestopft ist mit wertvollen Tipps und Hinweisen zum Innenausbau. Obwohl der Trockenbau immer ausgereifter wird, lauern die Fehler oftmals im Detail. So führen beispielsweise Nachlässigkeiten im Schallschutz, der vor allem die Wohnqualität sichert, zu Mängeln, die keiner gebrauchen kann. An dieser Stelle sei nur an den Trittschallschutz erinnert. Wer mag schon schwer lokalisierende Geräusche innerhalb des Gebäudes. Ein nützlicher Ratgeber, der in keiner Westentasche fehlen darf, egal ob beim Bauherrn oder beim Auftragnehmer. Dipl.-Ing. (FH) Uwe Morchutt

Bibliografische Daten
Trockenbau kompakt
Von Dipl.-Ing. Helmut Bramann, V-Prof. Dipl.-Ing. (FH) Guido Dietze,
RA Peter Spohrer, Dipl.-Ing. Peter Wachs, Dipl.-Ing. (FH) Ralf Wagner.
2011. Kartoniert. DIN A 6. 366 Seiten mit 83 Abbildungen und 44 Tabellen.
39 Euro
29 Euro: Vorzugspreis für Abonnenten der Fachzeitschrift : Trockenbau Akustik.
ISBN 978-3-481-02720-9
Verlagsgesellschaft Rudolf Müller GmbH & Co. KG
URL: www.baufachmedien.de