Gebäudebestand in Deutschland (30. Juli 2011)

Zustand besser als vermutet

Große Teile des Gebäudebestandes in Deutschland sind, speziell was den energetischen Modernisierungsgrad betrifft, in einem besseren Zustand als allgemein vermutet. Zu diesem Ergebnis kommt die aktuelle Studie zum Zustand und der Zukunftsfähigkeit des deutschen „kleinen Wohnungsbaus“, die von der Arbeitsgemeinschaft für zeitgemäßes Bauen e.V., Kiel, kürzlich erstellt worden ist.

Der gesamtdeutsche Gebäudebestand mit Wohnraum besteht im Jahr 2011 aus 17 950 185 Gebäuden mit 40 057 869 Wohnungen.

Der in dieser Studie untersuchte „kleine Wohnungsbau“ umfasst 17 591 181 Gebäude mit 36 170 306 Wohnungen. Davon entfallen:
- 14 884 333 Gebäude auf Ein-/Zweifamilienhäuser (EFH/ZFH) mit 19 084 618 Wohneinheiten sowie
- 2 706 848 Gebäude auf kleinere Mehrfamilienhäuser (mit 3 bis 12 Wohnungen) mit 17 085 688 Wohneinheiten (WE).

   

Der Gesamtgebäudebestand mit Wohnraum in Deutschland umfasst: 17 950 185 Gebäude = 100 Prozent – davon sind:
- EFH/ZFH: 14 884 333 Gebäude = 83 Prozent,
- kleinere Mehrfamilienhäuser (MFH): 2 706 848 Gebäude = 15 Prozent,
- sonstige Gebäude und größere MFH > 12 WE: = 359 004 Gebäude = 2 Prozent.

   

Die Übersicht zeigt, dass gut 50 Prozent des Gebäudebestandes vor der 1. Wärmeschutzverordnung vom 11. August 1977 (in Kraft seit dem 1. November 1977) errichtet worden sind. In Abhängigkeit des jeweiligen Modernisierungsstandes lässt sich daraus ein erhöhtes Energieeinsparpotential ableiten.

   

Entgegen weit verbreiteter Auffassungen spielte der Einfamilienhausbau auch in der DDR eine wesentliche Rolle. Von 1945 bis zum Jahr 1970 sind in der DDR ca. 90 000 Eigenheime als Reihen-, Doppel- und Einzelhäuser errichtet worden.

Errichtete Einfamilienhäuser auf dem Gebiet der DDR:
- 1945 - 1971: ca.   90 000
- 1972 - 1987: ca. 175 000
- 1988 - 1990: ca. 100 000
Gesamt:        ca. 365 000.

   

Energetischer Zustand des „kleinen Wohnungsbaus“ in Deutschland
Der durchschnittliche Energieverbrauchskennwert in Deutschland liegt für
- Ein-/Zweifamilienhäuser bei 172,3 kWh/m²a und
- bei kleineren Mehrfamilienhäusern bei 144,8 kWh/m²a
(Bezug: Gebäudenutzfläche, inklusive Warmwasserbereitung)

Unter 4 Prozent des gesamtdeutschen Gebäudebestands mit einem Baujahr bis 1978 befinden sich in einem Zustand, der als “nicht modernisiert“ bezeichnet werden kann. Hingegen sind bereits ca. 17 Prozent des gesamtdeutschen Gebäudebestands mit einem Baujahr bis 1978 in einem energetischen Zustand “mittel bis größtenteils modernisiert“.

Energetische Modernisierung/Teilmodernisierung
Die Kostenspanne für eine reine energetische Modernisierung, ohne weitere Sanierungs- oder Umbaumaßnahmen (Ausgangslage: nicht modernisiert) auf den energetischen Neubaustandard nach Energieeinsparverordnung (EnEV2009) beträgt für:
- Ein-/Zweifamilienhäuser zwischen 485 und 792 €/m² Wohnfläche (31 bis 51 Prozent der vergleichbaren Kosten für einen Neubau),
- kleinere Mehrfamilienhäuser zwischen 395 und 532 €/m² Wohnfläche (29 bis 40 Prozent der vergleichbaren Kosten für einen Neubau).

Die Kosten für Teilmodernisierungen, die die Energetische Modernisierung (Neubaustandard nach EnEV-2009), eine Heizungssanierung, eine Balkonnachrüstung oder -sanierung o.Ä. und die Sanierung der Elektroinstallation ohne weitere Umbaumaßnahmen beinhalten, betragen im Mittel für
- Ein-/Zweifamilienhäuser zwischen 550 und 860 €/m² Wohnfläche (36 bis 56 Prozent der vergleichbaren Kosten für einen Neubau),
- kleinere Mehrfamilienhäuser zwischen 540 und 750 €/m² Wohnfläche (40 bis 56 Prozent der vergleichbaren Kosten für einen Neubau).

   

Von den knapp 14 884 333 Gebäuden des Bautyps der Ein- und Zweifamilienhäuser werden auf der Grundlage der festgestellten Modernisierungszustände der bereits durchgeführten Bauteilmodernisierungsgrade sowie des prognostizierten Bedarfs nach generationengerechten Umbauten und der individuellen Ausschlusskriterien für Bestandsersatz ca.1 760 000 Gebäude als nicht wirtschaftlich modernisierungsfähig eingestuft. Soll heißen: ein Abriss ist allemal wirtschaftlicher! Bei den MFH sind das 285 000 Gebäude. umo

   

Quelle: Studie zum Zustand und der Zukunftsfähigkeit des deutschen „kleinen Wohnungsbaus“, Arbeitsgemeinschaft für zeitgemäßes Bauen e.V., Kiel, März 2011