Energetische Sanierung (5. Juli 2011, 8. Juli 2011)

In zehn Jahren abgeschrieben!

Die Regierung will mit zusätzlichen Steueranreizen die energetische Sanierung des Wohngebäudebestandes zügig vorantreiben. Ab 2012 soll es neue Abschreibungsmöglichkeiten nach dem Vorbild des alten Paragrafen 82a Einkommensteuer-Durchführungsverordnung (EStDV), der zum 1. Januar 2006 abgeschafft wurde, sowohl für Vermieter als auch Eigennutzer geben. Dann sollen die Kosten für eine energetische Sanierung in Höhe von zehn Prozent pro Jahr über einen Förderzeitraum von zehn Jahren komplett abgeschrieben werden können.

Das Steuergeschenk soll es aber nur für Gebäude geben, die vor 1995 errichtet worden sind und der jährliche Primärenergiebedarf nicht 85 Prozent des nach Energieeinsparverordnung (EnEV) errechneten Wertes für Referenzgebäude überschreitet. Zu beachten gilt, dass nur derjenige, der keine anderen Fördermittel, z.B. KfW-Kredit, in Anspruch nimmt, abschreiben kann. Voraussetzung für die Förderung ist, dass mit der Sanierung der Energiebedarf des Gebäudes erheblich verringert wird. Das ist durch einen Sachverständigen nachzuweisen!

Die Steuererleichterung betrifft in erster Linie Hausbesitzer, die ihre Gebäude vermieten oder verpachten, also damit Einkünfte erzielen. Steuerpflichtige, die das Objekt selbst nutzen, können die Aufwendungen vergleichbar wie Sonderausgaben geltend machen. Das Gesetz soll am 1. Januar 2012 in Kraft treten. Zusatz: Gesetz zur steuerlichen Förderung von energetischen Sanierungsmaßnahmen an Wohngebäuden. Der Bundesrat (Länderkammer) hat in seiner 885. Sitzung am 8. Juli 2011 beschlossen, dem vom Deutschen Bundestag am 30. Juni 2011 verabschiedeten Gesetz gemäß Artikel 105 Absatz 3 des Grundgesetzes nicht zuzustimmen. Die Regelung soll zunächst bis 2022 gelten.

   

2012: Neubauten im Niedrigst-Energiestandard
Mit der EnEV 2012 soll eine schrittweise Heranführung des Neubaustandards an den künftigen europaweiten Niedrigst-Energie-Gebäudestandard erreicht werden. Ab 2012 dürfen demnach  Neubauten nur noch im Niedrigst-Energiestandard erstellt werden.

Derzeit ist es Eigentümern, die ihre Immobilie selbst bewohnen, nicht möglich, energetische Maßnahmen abzuschreiben. Bislang stehen nur KfW-Mittel zur Verfügung, die die Maßnahmen fördern. Vermieter können derzeit umfangreiche energetische Sanierungen mit 2 Prozent linear über 50 Jahre komplett abschreiben.

Bekanntlich gibt es in Deutschland rund 15 Mio. selbst genutzte Ein- und Zweifamilienhäuser mit ca. 19 Mio. Wohnungen. Der Rest, rund 21 Mio. Wohnungen, befindet sich in 3 Mio. Mehrfamilienhäusern, die überwiegend der Vermietung dienen.

Was ist ein Referenzgebäude?
Die Qualität einer Sanierung wird anhand der Referenzgrößen „Primärenergiebedarf“ und „Transmissionswärmeverlust“ bewertet. Für diese beiden Kennzahlen gelten nach der Energieeinsparverordnung 2009 Höchst­werte, die ein vergleichbarer Neubau zu unterschreiten hat. Ein Gebäude, das nach der Sanierung, z.B. 115 Prozent der Primärenergie eines vergleichbaren Neubaus benötigt, wird dem Förderstandard „KfW-Effizienzhaus 115“ zugeordnet und somit gefördert. Das „KfW-Effizienzhaus 55“ verbraucht lediglich 55 Prozent der Energie eines vergleichbaren Neubaus und wird höher gefördert. Je höher der Energiestandard, umso höher die Förderung!

Energetisches Maßnahmepaket
- Durch eine fachgerechte Dämmung der Bauteile (Dachgeschoss, Außenwände, Fenster, Kellerdecke) wird der Transmissionswärmeverlust (H‘T) vermindert.
- Je besser der Wirkungsgrad der Heizung, desto weniger Energie, sprich Brennstoff, wird benötigt, um die erforderliche Wärme zu erzeugen. Beachte: Die Heizung sollte immer richtig eingestellt und die Heizungsrohre in unbeheizten Räumen müssen gedämmt werden!
- Der verwendete Energieträger hat Einfluss auf den Primärenergiebedarf (Qp) des Gebäudes. Hier sind regenerative Energieträger (Biomasse, Holz, Sonne) gegenüber fossilen Brennstoffen (Öl, Gas) deutlich im Vorteil.
- Die Wärmeverluste durch Lüften können durch den Einbau einer Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung nahezu vollständig vermieden werden.

Gebäudehülle
Beim „KfW-Effizienzhaus 115“ wird der Boden zum Dachspitz oberseitig gedämmt, die Dachschräge über dem Kniestock (Als Kniestock oder Drempel bezeichnet der Fachmann die an der Traufseite eines Hauses über die Decke hinaus gemauerte Außenwand, auf der die Dachkonstruktion aufliegt.) erhält im Zuge der Innensanierung eine Zwischensparrendämmung mit korrekt angeordneter Dampfbremse (verhindert die Wasserdampfdiffusion). Die Kellerdecke wird jeweils von unten mit geklebten oder gedübelten Polystyrolplatten (alternativ z.B. Mineralwolle, Holzwolle, Kork) gedämmt. Der Standard des „KfW-Effizienzhauses 85“ verlangt eine lückenlose und wärmebrückenfreie Dämmung der Gebäudehülle. Dies wird durch eine konsequente Außendämmung über das gesamte Gebäude erreicht.

   

Fenster
Im „KfW-Effizienzhaus 115“ kommen Fenster mit zweifacher Verglasung (UW 1,3 W/(m² · K) zum Einsatz. Für das „KfW-Effizienzhaus 85“ werden 3-fach verglaste Fenster mit einem hochwertigen, thermisch getrennten Rahmensystem gewählt (UW 0,9 W/(m² · K)).

   

Heizung
Beim „KfW-Effizienzhaus 115“ kommt eine Öl-Brennwertheizung zur Ausführung. Die Solaranlage trägt hier lediglich zur Erwärmung des Brauchwassers bei. Die Kollektorfläche und der Wasserspeicher sind entsprechend kleiner dimensioniert. In Verbindung mit der neuen Heizung sind die Solaranlagen ebenfalls förderfähig. Die Heizung beim „KfW-Effizienzhaus 85“ arbeitet mit Gas-Brennwerttechnik. Eine großzügig dimensionierte thermische Solaranlage unterstützt sowohl die Raumheizung als auch die Erwärmung des Brauchwassers. Auf diese Weise können die Vorgaben für den Primärenergiebedarf (Qp) für das „KfW-Effizienzhaus 85“ eingehalten werden.

   

Lüftung
Beim „KfW-Effizienzhaus 115“ werden dezentrale Lüftungsgeräte raumweise installiert. Diese sind nach Einbausituation zu montieren, obwohl sie in der Regel einen geringeren Wirkungsgrad haben. Die zentrale Wohnraumlüftung mit Wärmerückgewinnung im „KfW-Effizienzhaus 85“ stellt sowohl in energetischer Hinsicht als auch mit Blick auf die Wohnqualität den neuesten Standard dar. Zugluft und lästiges Fensterlüften im Winter sind damit Vergangenheit. Die Luftqualität ist bei regelmäßigem Filterwechsel durchgehend optimal!

   

Ergebnis
Nach erfolgter Sanierung sind die Gebäude in energetischer Hinsicht mit einem Neubau vergleichbar. Darüber hinaus bietet das sanierte Gebäude einen besseren Wohnkomfort und die Bausubstanz ist nachhaltig gesichert. Die Sanierung schafft letztendlich einen echten Mehrwert für das Haus.

   

Was bedeutet was?
Energie-Einspar-Verordnung (EnEV)
Die Energie-Einspar-Verordnung (EnEV) ist ein Teil des deutschen Baurechts. Die EnEV enthält – neben Bestimmungen zum Energieausweis – energetische Mindestanforderungen für Neubauten, für Modernisierung, Umbau, Ausbau und Erweiterung bestehender Gebäude, für Heizungs-, Kühl- und Raumlufttechnik sowie für die Warmwasserversorgung.

Hydraulischer Abgleich
Beim hydraulischen Abgleich wird das System so eingestellt, dass jeder Heizkörper im Haus mit genau der Wärmemenge versorgt wird, die er benötigt - unabhängig davon, wie weit er von der Wärmequelle entfernt ist. Bei Heizungen ohne hydraulischen Abgleich wird die Heizenergie weniger effizient genutzt, weil Heizkörper, die näher am Kessel sind, heißer werden als solche, die weiter entfernt sind. Der hydraulische Abgleich reduziert so nicht nur den Energieverbrauch, sondern steigert gleichzeitig den Wohnkomfort.

KfW-Effizienzhaus
Der Begriff KfW-Effizienzhaus ist ein Qualitätszeichen, das vom BMVBS und der KfW zusammen mit der Deutschen Energie-Agentur GmbH entwickelt wurde. Die Zahl nach dem Begriff KfW-Effizienzhaus gibt an, wie hoch der Jahresprimärenergiebedarf (Qp) in Relation (Prozent) zu einem vergleichbaren Neubau (siehe Referenzgebäude) nach den Vorgaben der Energieeinsparverordnung (EnEV) sein darf. Ein KfW-Effizienzhaus 85 hat zum Beispiel höchstens 85 Prozent des Jahresprimärenergiebedarfs des entsprechenden Referenzgebäudes.

Je kleiner die Zahl, desto niedriger und besser das Energieniveau. Für die Inanspruchnahme der Förderprogramme der KfW ist neben dem Jahresprimärenergiebe­darf (Qp) auch der Wert des spezifischen Transmissionswärmeverslust (H’T) des Gebäudes relevant. Beispielsweise darf der spezifische Transmissionswärmeverlust beim KfW-Effizienzhaus 85 maximal 100 Prozent eines den Vorgaben der EnEV entsprechenden Referenzgebäudes betragen.

Kraft-Wärme-Kopplung
Bei der Kraft-Wärme-Kopplung werden, z.B. in einem Blockheizkraftwerk (BHKW), gleichzeitig Strom und Nutzwärme erzeugt. Durch diese Kopplung kann die eingesetzte Energie (z.B. Heizöl, Erdgas) sehr viel effizienter genutzt werden als bei der herkömmlichen Erzeugung in getrennten Anlagen. Hauptvorteil ist neben der Reduktion von CO2-Emissionen, dass in erheblichem Umfang Primärenergie eingespart wird.

Primärenergiebedarf (Qp)
Der Jahresprimärenergiebedarf beziffert, wie viel Energie im Verlauf eines durchschnittlichen Jahres für Heizen, Lüften und Warmwasserbereitung benötigt wird. Der Primärenergiebedarf berücksichtigt dabei auch die Verluste, die von der Gewinnung des Energieträgers an seiner Quelle, über seine Aufbereitung und Transport bis zum Gebäude und der Verteilung, Speicherung im Gebäude anfallen.

Referenzgebäude
Das Referenzgebäude ist ein virtuelles Gebäude, das bei jeder Berechnung des Energieausweises neu erstellt wird. Um den Energiebedarf Ihres Gebäudes im Vergleich zur Energieeinsparverordnung (EnEV) bewerten zu können, muss das Referenzgebäude baugleich mit Ihrem Haus sein, denn die Form des Hauses, die Ausrichtung nach der Himmelsrichtung, die Gebäudenutzfläche, die Heizung und anderes haben Einfluss auf Ihren Energiebedarf. Das heißt, jedes Gebäude wird mit einem baugleichen Referenzgebäude verglichen. Somit sind auch die zulässigen Höchstwerte für den Jahresprimärenergiebedarf (Qp) und den spezifischen Transmissionswärmeverlust (H’T) nicht immer gleich, sondern werden für jedes Haus individuell berechnet.

Transmissionswärmekoeffizient (H‘T)
Der Transmissionswärmekoeffizient (H‘T) gibt den durchschnittlichen Wärmeverlust über die gesamte Gebäudehülle an.

U-Wert
Der U-Wert gibt den Wärmedurchgangskoeffizienten eines Bauteils an und beschreibt die Wärmedämmung beziehungsweise die energetische Qualität der Gebäudehülle. Je kleiner der Wert, desto geringer die Wärmeverluste. Bei Fenstern wird zwischen dem U-Wert des Glases (Ug) und dem des gesamten Fensters einschließlich Rahmen (Uw) unterschieden. Moderne Fenstersysteme haben einen U-Wert (Uw) von ca. 1,3 bis 0,8 W/(m² · K), Außenwände von weniger als 0,3 W/(m² · K) und Dächer von weniger als 0,2 W/(m² ·K).

Wärmedurchgangswiderstand Rw
Der Wärmedurchgangswiderstand Rw in (K · m²)/W ist der Kehrwert des U-Wertes. Je größer der Wert, desto geringer der Wärmedurchgang.

Wärmerückgewinnung
Durch Wärmerückgewinnung (WRG) überträgt eine Lüftungsanlage bis zu 90 Prozent der Abluftwärme an die Zuluft. So werden Lüftungsverluste vermieden und der Wohnkomfort spürbar gesteigert. umo

Quelle:
- URL: www.bmvbs.de (Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung. Referat SW 34 - Förderung von Energieeinsparung und Klimaschutz im Gebäudebereich)
- Entwurf eines Gesetzes zur steuerlichen Förderung von energetischen Sanierungsmaßnahmen an Wohngebäuden. Berlin, den 6. Juni 2011
- Energiekonzept der Bundesregierung - 30. Juni 2011

- Grafiken: bmvbs