Schufa-Auskunft: Baufirmen (1. Juli 2011)

Urteil mangelhaft!

Die Schufa wirbt auf Ihrer Web-Site mit dem Slogan: „Wir schaffen Vertrauen“. Die Wirklichkeit, sprich das wahre Leben oder offline, sieht leider wie so oft anders aus. Unternehmensauskünfte der Schufa über Baufirmen verschaffen potentiellen Häuslebauern nur unzureichende Informationen und bieten demzufolge auch keine Gewähr dafür, mit welchem Unternehmen der Bauvertrag letztendlich abgeschlossen werden soll. Das ist das Ergebnis einer stichprobenartigen Untersuchung des Bauherren-Schutz-Bundes (BSB), der das Schufa-Angebot für private Bauherren kürzlich unter die Lupe genommen hat.

Angesichts des immensen Ausmaßes einer privaten Bauinvestition ist es für jeden Bauherrn bisweilen „überlebenswichtig“, sich ein konkretes Bild über seinen zukünftigen Vertragspartner zu verschaffen.  Seriosität, Fachkompetenz und wirtschaftliche Leistungskraft sollten daher an erster Stelle stehen. Das verlockende Serviceangebot der Schufa, das Verbraucher auch Auskünfte über Baufirmen einholen können, erscheint auf den ersten Blick zwar sehr kulant und preiswert zu sein. Bei näherer Analyse entpuppt sich die Serviceleistung aber eher als Flop.

Informationsgehalt völlig unzureichend!
Ausgewählte Unternehmensauskünfte der Schufa wurden bei der Recherche stichprobenartig bewertet. Die Bewertungskriterien reichten von der Firmenidentifikation, der Firmen-Vita, dem Geschäftsgegenstand, den wirtschaftlichen Daten, der Bewertung der Bonität und des Zahlungsverhaltens, der Information über Gesellschafter und Geschäftsführer, der Information über Beteiligungen anderer Firmen bis zur Einschätzung möglicher Insolvenzrisiken.

Die Auswertung förderte erhebliche Informationsdefizite durch unvollständige und fehlerhafte Angaben sowie mangelnde Aktualität der Schufa-Auskünfte ans Tageslicht. Ein vergleichbarer Standard, wie es bei Wirtschaftsauskunfteien für Unternehmen im Geschäftsverkehr gang und gäbe ist, wird Verbrauchern und damit auch unabhängigen Beratern von der Schufa nicht geboten.

Unternehmensangaben unvollständig!
Die Angaben zum Unternehmen und zum Geschäftsgegenstand haben nur einen eingeschränkten Informationsgehalt. Eher als kritisch zu bewerten sind bei der Schufa fehlende oder teilweise unvollständige Informationen zur Firmenentwicklung, zu Umfirmierungen, über Gesellschaftsverhältnisse und über Gesellschafter und Geschäftsführer. Risiken, die in der Person von Gesellschaftern und Geschäftsführern liegen - wie eidesstattliche Versicherungen oder Insolvenzen durch Funktionen in anderen Unternehmen - wurden, obwohl es sie nachweislich gab, nicht dargestellt.

Information über Geschäftsbilanzen mangelhaft!
Das Angebot von Wirtschaftsdaten durch die Schufa über das jeweilige Unternehmen ist ungenügend. Eine Darstellung der vorhandenen Geschäftsbilanz ist nicht Bestandteil der Unternehmensauskunft. Die Schufa liefert lediglich Angaben zum Gesellschaftskapital, zum Umsatz und zur Mitarbeiterzahl. Es fehlen Informationen zur Bankverbindung und zum Krediturteil.

Ein derartiger Informationsmangel hilft weder dem Bauherrn noch wird er den Unternehmen in ihrer Bewertung gerecht. Es ist auch negativ anzumerken, dass die Schufa bei den in den Test einbezogenen Firmen keine Informationen über Beteiligungen und über wirtschaftliche und personelle Verflechtungen mit anderen Unternehmen liefert. Erfahrungsgemäß bildet oftmals die Verflechtung mit risikobehafteten Firmen eine Quelle für mögliche Firmeninsolvenzen.

Bonität von Unternehmen fehlerhaft!
Die Bonitätsinformation der Schufa und die Darstellung des Zahlungsverhaltens sind häufig fehlerhaft und nicht einmal aktuell, so dass diese für private Bauherren ein hohes wirtschaftliches Risiko verursachen können. Beispielweise bewertete die Schufa bei einem Unternehmen die gute Bonität mit einer „grünen Ampel“, obwohl dieses Unternehmen aufgrund eines nachweislich vorhandenen akuten Insolvenzrisikos den schlechtesten Bonitätsindex aufweisen müsste.

Bei der Bewertung eines anderen Unternehmens lagen laut Schufa keine negativen Zahlungserfahrungen vor. Tatsächlich standen nach gesicherten Informationen Zielüberschreitungen bei Zahlungen und auch teilweise Mahnungen auf der Tagesordnung.

Kritisch ist auch zu sehen, dass durch die Schufa zur Unternehmensauskunft kein weiterer Service mit Folgeinformationen zur Unternehmensentwicklung und zur Bonitätsbewertung angeboten wird. Ein solcher Nachtragsservice ist für private Bauherren aber besonders wichtig, weil sich häufig die Bonität eines Unternehmens während der Bauzeit verschlechtert und die meisten Firmenpleiten noch während der Bauausführung entstehen.

Einschätzung des Insolvenzrisikos nicht bestanden!
In der Recherche wurden stichprobenartig gesonderte Wirtschaftsauskünfte über Unternehmen, bei denen ein akutes Insolvenzrisiko nachweislich existierte, ausgewertet. Das untersuchungsergebnis zeigt, dass die Unternehmensauskünfte der Schufa als Informationsangebot für private Bauherren nicht geeignet sind.

Bei einer insolventen Firma gab es beispielsweise keine Informationen über eine Firmeninsolvenz, obwohl Angaben über eine eidesstattliche Versicherung mit Haftandrohung verfügbar waren und die genannte Firma bereits einen Monat zuvor einen Eigenantrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens gestellt hatte.

Bei einem weiteren Unternehmen lag ein Insolvenzverfahren gegen einen Gesellschafter vor - die Unternehmensauskunft der Schufa wies jedoch keinerlei Negativmerkmale aus und es fehlte die Information über das Insolvenzverfahren. Die Schufa hat bei Firmeninsolvenzen den Test nicht bestanden.

Fazit: Unternehmensauskünfte der Schufa über Baufirmen liefern potentiellen Häuslebauern nur unzureichende Informationen und bieten demzufolge auch keine Entscheidungsbasis dafür, mit welchem Unternehmen der Bauvertrag endgültig abgeschlossen werden soll. Hinsichtlich des mangelhaften Informationsgehaltes erscheint der Preis sogar als zu hoch angesetzt. Womit will die Schufa eigentlich Vertrauen schaffen?

Gesamturteil: kein konkreter Nutzen für Bauherren bei ihren privaten Bauinvestitionen! umo (Quelle: bsb)

Weitere Informationen unter: www.bsb-ev.de