B+B Forum Bautenschutz (28. Juni 2011)

Abdichten im Holz- und Bautenschutz
Normen, Regeln und Entwicklungen

Das Abdichten im Holz- und Bautenschutz ist so aktuell wie die Bauwerkserhaltung selbst. Viele Schäden an einem Bauwerk tauchen auf, weil der Schutz gegenüber Feuchtigkeitseinträgen entweder gar nicht vorhanden ist oder im Laufe der Zeit abnimmt. In der Regel sind hohe Kosten damit verbunden, will man die Abdichtungsmängel beseitigen und die daraus entstandenen Schäden beheben. Die nach wie vor unterschätzte Problematik und latente Gefahr einer fehlerbehafteten Abdichtung waren begründeter Anlass genug, um im ersten B+B Forum, das das Dahlberg-Institut, Wismar, und die Fachzeitschrift B+B Bauen im Bestand, Rudolf Müller Verlag, Köln, im April 2011 gemeinsam in Wismar durchführten, den aktuellen Wissenstransfer zu erörtern.

Da nicht jeder Bauexperte und Abdichtungsfachmann den Weg nach Wismar gefunden hat, ist es zu begrüßen, dass die Inhalte des Forums jetzt in dem Sammelband „Abdichten im Holz- und Bautenschutz“ erschienen sind. Die zehn Fachbeiträge beleuchten anschaulich das diskutierte Fachwissen rund um die Abdichtungsproblematik.

   

Die ersten drei Vorträge befassen sich mit der nachträglichen Injektionstechnologie im Mauerwerk. Besonderes Augenmerk finden dabei die Injektionsmittel, die mittlerweile eine breite Anwendung, z.B. als Horizontalabdichtung, erleben, obwohl es nach wie vor schwierig ist, Injektionsmittel derartig kontrolliert einzubringen, dass eine wirksame Abdichtungsebene entsteht. Mit Hilfe eines elektrischen Feuchtigkeits-Messverfahrens wird in Vortrag zwei beispielsweise der praktische Nachweis angestellt, inwiefern die Wirksamkeit und Qualität der nachträglichen Bauwerksabdichtung der gewünschten Dichtheit am nächsten kommt.

Eine innovative Creme-Technologie (Vortrag drei) zeigt die fortschreitende Abdichtungstechnik, damit eine dauerhafte Verteilung der Wirkstoffe mit dem Ziel einer Feuchtigkeitsreduzierung noch besser gewährleistet werden kann. An dieser Stelle soll darauf verwiesen werden, dass es die Mauerwerksinjektionen gegen kapillar aufsteigende Feuchtigkeit im Bohrlochverfahren seit über 60 Jahren gibt und sie zu den anerkannten Regeln der Technik gegen kapillar aufsteigende Mauerfeuchtigkeit gehören.

Vortrag vier beleuchtet die nachträgliche Abdichtung von Rissen und undichten Fugen bei weißen Wannen. Wasserundurchlässige Bauwerke aus Beton, auch als WU-Beton bekannt, erfreuen sich einer zunehmenden Beliebtheit, obwohl sie bisweilen gar nicht so wasserundurchlässig sind. Fehler in der Planung und Ausführung zeigen immer wieder, dass diese berechtigte Betontechnologie in die Hände von Experten gehört. Der Vortrag befasst sich mit der Behebung solcher Mängel mittels einer Abdichtung durch Injektions-Vergelung, eines vollflächigen aufgeklebten streifenförmigen Fugenabdichtungsbandes sowie dem Einbau einer Klemmkonstruktion. Abdichtungsexperten wissen, dass die Dichtheit einer weißen Wanne immer von der Lage, der Nutzung, der Beanspruchung und der Fugenausbildung abhängig ist.

Ein Dach muss dicht sein. Viele Dächer erfüllen diesen Anspruch. Manches Dach ist aber nicht nur wasserdicht, sondern auch dampfdicht, was in der Regel zu Problemen führt. Eine komplizierte Abdichtungstechnologie, die zum einen eine funktionierende Abdichtung verlangt und zum anderen eine Wasserdampfdiffusion in Maßen erlaubt, damit keine Feuchtigkeit eingeschlossen wird. Selbst für jeden Experten gelegentlich eine Gratwanderung, um den Einfluss des Dampfdiffusionswiderstandes der Abdichtung auf den Trocknungsvorgang exakt zu bewerten.

Der nächste, der sechste Vortrag, führt den interessierten Beobachter in die Welt des Holzbaus. Holz vor Feuchtigkeit zu schützen, ist eine Herausforderung, die die Fachleute seit Jahrhunderten beschäftigt. Auf den ersten Blick sind bituminöse Sperrschichten des Rätsels Lösung, schaut man aber genauer hin, so erkennt man, dass die einschlägige Fachliteratur nur unvollständige Lösungskonzepte parat hat. Insbesondere für Instandsetzungsarbeiten gibt es keine genaue Vorschrift, da sich die gültigen DIN-Standards, wie so oft, ausschließlich mit dem Neubau befassen. Ein interessanter Einblick in die Sperrschichtenanordnung im bestehenden Holzbau, das ohne Norm auskommt, um zu planen und zu bauen.

Wirkungsvoller Schlagregen- und Tauwasserschutz bei Fachwerkkonstruktionen helfen, die bewundernswerte Baukultur zu bewahren. Ein Ziel jedes Bauwerksabdichters ist es, die Feuchtigkeit von außen abzuhalten und das Tauwasser von innen zu vermeiden. Der Vortrag gewährt einen guten Einblick in die gestiegenen Nutzeransprüche wie Energieeffizienz, Komfort und Behaglichkeit sowie die berechtigten Schutzziele des Brand- und Schallschutzes bei der Fachwerkinstandsetzung.

Vortrag acht widmet sich der Abdichtungstechnik bei zweischaligem Ziegel-Verblendmauerwerk. Der Fokus gilt speziell dem diffizilen Bereich: Sockel-Sturz-Sohlbank, in dem die Feuchte-Empfindlichkeit sehr latent ist. Ziel jeder dauerhaften Abdichtung sollte sein, den Übertrag des Regenwassers von außen an die Innenbauteile wirkungsvoll auszuschließen. Eine hochinteressante, wie aktuelle Betrachtung dieser beliebten Ausführungsvariante.

Die Befreiungshalle in Kelheim gehört zu den berühmtesten Baudenkmälern in Deutschland, das Ludwig I. in den Jahren 1842 bis 1863 errichten ließ. Zur 150-Jahrfeier soll die Putz- und Natursteinfassade im alten Glanz erstrahlen. Der Vortrag neun beleuchtet die dafür erforderlichen Untersuchungen eingehender. Langlebigkeit und Schäden, insbesondere bei historischen Bauwerken, beinhalten selbstverständlich immer auch den Feuchteschutz. Eine interessante, praxisnahe Abhandlung der anspruchsvollen Sanierungsherausforderung.

Den Abschluss des Vortragswerkes bilden diverse Anwendungsbeispiele von Sachverständigen, die typische Fehler im Abdichtungsbereich und deren Folgen in Wort und Bild eindrucksvoll, aber auch schonungslos aufdecken.

Fazit: Das Fachwerk bietet einen ausgezeichneten Überblick über die Themen, die auf dem Forum behandelt worden sind. Das angereicherte Fachwissen sowie Entwicklungen und Trends auf dem Gebiet des Feuchteschutzes zeigen die hohe Aufmerksamkeit, die dieser Fachbereich verdient. Ein Bauwerk ist nur so gut wie sein Feuchteschutz. Langlebigkeit und individuelle Nutzungsdauer von Bauwerken sind nur zu bewahren, wenn die Bauwerksabdichtung eine hohe Wirksamkeit und Qualität erfüllt.
Uwe Morchutt – Dipl.-Ing. (FH) – unabhängiger Sachverständiger im Bereich Feuchteschutz

Bibliografische Daten:
B+B FORUM Bautenschutz vom 28. bis 29. April 2011 in Wismar.
Hrsg: Prof. Dr.-Ing. Helmuth Venzmer.
DIN A5. Kartoniert. 232 Seiten mit 186 Abbildungen und 20 Tabellen.
59 Euro. 2011.
ISBN 978-3-481-02871-8 (Buch-Ausgabe)
ISBN 978-3-481-02873-2 (E-Book als PDF)
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