Check der Brennwerttechnik (21. Juni 2011)

Katastrophale Ergebnisse!

Nahezu alle neuen Heizungsanlagen in privaten Gebäuden werden mit moderner Brennwerttechnik ausgestattet. Brennwertkessel gelten hinreichend als effizient und sparsam, weil sie einen Wirkungsgrad von über 100 Prozent erreichen können, da sie im  Unterschied zu konventionellen Kesseln auch die Kondensationswärme des Wasserdampfes im Abgas nutzen. Eine aktuelle Untersuchung der Verbraucherzentralen, u.a. in der ZDF-Sendung Wiso am 20. Juni 2011 vorgestellt, deckt aber die rein vom Menschen hervorgerufenen Schwächen schonungslos auf. Viele der Heizungen sind falsch eingestellt und obendrein noch überdimensioniert, so dass die Hausbewohner nichts von der gewünschten und versprochenen Sparsamkeit spüren.

Untersuchungsbasis: Energieberater haben rund 1000 Brennwertgeräte deutschlandweit unter die Lupe genommen: die Ergebnisse sind für die Heizungsbranche ein Desaster!

Laut VZBV (Bundesverband der Verbraucherzentrale) heißt es: „Nur bei einem knappen Drittel der Anlagen können die Besitzer zufrieden sein. Ein weiteres Drittel der Anlagen sollte bei Gelegenheit optimiert werden, beim letzten Drittel ist deutlicher Handlungsbedarf, damit sich die Stärke dieser Technik nicht in Dampf auflöst." Soll heißen: Millionen Euro werden jedes Jahr nahezu sinnlos in teure Anlagen gesteckt, die letztendlich nicht das leisten, was sie eigentlich könnten.

Gegenstand der Untersuchung
Der Fokus des Heizungschecks lag in der Ermittlung der Kondensatmenge im Heizgerät im Zeitraum von 24 Stunden. Darüber hinaus wurden die Verläufe der Vor- und Rücklauftemperaturen direkt am Heizgerät aufgezeichnet.

Weitere Untersuchungsgegenstände waren:
- die Durchführung des hydraulischen Abgleichs,
- das Vorhandensein eines Überströmventils,
- die Art der Heizflächen (Heizkörper/Flächenheizung/Kombination aus beiden),
- die Pumpenart (ein- oder mehrstufig/geregelt/hocheffizient),
- die Stärke und Vollständigkeit der Dämmung von Rohren und Armaturen,
- das Vorhandensein eines Außentemperaturfühlers,
- die eingestellte Warmwassertemperatur,
- das Einstellen einer Nachtabsenkung,
- regelmäßige Anlagenwartung (mit oder ohne Wartungsvertrag) sowie
- die Gebäudeverbrauchskennzahl.

Kondensat als Anhaltspunkt
Die Anlage muss so eingestellt sein, dass aus dem Abgas Kondenswasser entsteht. Die zusätzlich gewonnene Energie wird in den Heizkreislauf eingespeist und senkt die Heizkosten um bis zu 10 Prozent.

Dämmung mangelhaft
Bei jeder zweiten Anlage war die Dämmung der Heizleitungen mangelhaft. In unbeheizten Räumen empfiehlt der Fachmann eine Dämmung, die ungefähr dem Durchmesser der Heizungsrohre entsprechen sollte.

Der hydraulische Abgleich zwischen dem Rohrnetz, den Heizkörpern und der Pumpen, der erst eine effiziente Arbeit der Heizung möglich macht, war in nur ein Viertel der Untersuchungsfälle korrekt abgestimmt.

Tipp zur Dämmung!
Es müssen immer die Bereiche gedämmt werden, die an Bereiche grenzen, die nicht beheizt werden (z.B. die Dämmung der Kellerdecke und des Dachgeschosses sowie die Heizungsrohre in unbeheizten Gebäudeteilen, damit die Wärmeverluste minimiert werden.

Fazit: Was nützt dem Hausbesitzer eine moderne Heizungsanlage, wenn sie nicht effizienter ist als die alte. Nur weil die Heizungsrohre nicht richtig gedämmt sind und der Heizkessel nicht richtig eingestellt wurde. Oftmals wird die neue, viel effizientere Heizung einfach an die alte Heizung angepasst, so dass sie überdimensioniert ist. Die moderne Heizgerätetechnik wird somit karikiert. Nur eine optimal eingestellte Heizungsanlage, die auch dem umbauten Gebäudekörper entspricht, arbeitet effizient und bringt die zu erwartende Einsparung. Wo alle von Energieeinsparung schwadronieren, ist dieses Untersuchungsergebnis ein Armutszeugnis für die gesamte Heizungsbranche! Quelle: VZBV
Uwe Morchutt – Dipl.-Ing. (FH) – Buchautor und unabhängiger Sachverständiger im Bereich Feuchteschutz