Buchtipp (31. Mai 2011)

Altbaumodernisierung im Detail - Konstruktionsempfehlungen

Die Mehrheit der Gebäude in Deutschland ist vor dem ersten Erscheinen dieses Fachwerkes im Jahr 1989 gebaut worden. Jetzt, wo die 6. Auflage druckfrisch vorliegt, kann man sagen, dass es in den 22 Jahren zu einem Standardwerk geworden ist. Ein Grund hierfür ist auch, dass viele der errichteten Gebäude, die inzwischen zu den Altbauten zählen, mit zu den größten Umweltsündern gehören. Bekanntlich trat erst im Januar 1995 die zweite Wärmeschutzverordnung für Gebäude in Kraft, die erstmals klare Ziele für eine deutliche Energieeinsparung bei Gebäuden postulierte. Bis dahin konnte quasi jeder Bauherr bauen, was ihm lieb und teuer war. Der Gedanke, mit dem Haus auch Energie einzusparen, wuchs eigentlich, wenn überhaupt, erst viel später. Somit stehen heute viele Fachleute und Millionen Gebäudebesitzer vor der Herkulesaufgabe, die alte Bausubstanz aufwendig und energetisch sinnvoll zu modernisieren.

Wer sich mit Bestandsbauten befasst, muss die individuelle Gebäudespezifik kennen lernen. Ähnlich einem alten Auto, das man wieder zum Fahren bringen will. Altbaumodernisierung im Detail vermittelt folglich Architekten, Planern, Ausführenden, aber auch Hausbesitzern das erforderliche Fachwissen für die sichere Altbaumodernisierung und bietet Lösungen für die jeweiligen Baualtersstufen mit ihren typischen Konstruktionen und Schadensbildern an. Wer diesen Erfolg versprechenden Weg leichtfertig verlässt, saniert sein Gebäude sprichwörtlich kaputt! Beispiele hierfür gibt es zu Dutzenden in Deutschland.

   

Ein professioneller Blick in das mittlerweile ausgereifte Druckwerk soll angehenden Modernisierern bei der bisweilen komplizierten Umsetzung einer Sanierung nützliche Dienste erweisen. Dabei ist die genaue Analyse der vorhandenen Bausubstanz die Grundvoraussetzung für die fundierte und sichere Modernisierung von Altbauten. Der Wärmeschutz, in all seinen Facetten, zieht sich dabei wie ein roter Faden durch die Baulektüre. Denn jeder Fehler, der beim Umgang mit dem Wärmeschutz begangen wird, verzeiht keine Bausubstanz und führt früher oder später zu Energieverlusten und Feuchteschäden, die nun wirklich keiner gebrauchen kann.

Das Alter eines Hauses verrät in der Regel auch dessen Bauweise. Deshalb beginnt das Buch auch mit der übersichtlichen Einteilung in die Baualtersstufen, da jede Bauepoche seine individuellen Stärken und Schwächen aufweißt. Im Anschluss daran erfolgt die umfassende Bauwerksanalyse, die für die Planung der Baumaßnahme und den damit verbundenen Kosten unerlässlich ist. Besonderes Augenmerk wird dabei auch auf die Kostenkontrolle während der Bauzeit gelegt. Viel zu oft sind die Baukosten am Ende der Baumaßnahme höher als das anfangs kalkulierte Budget! Das Motto muss daher lauten: je sorgfältiger die Planung, desto genauer lassen sich die Kosten vorhersagen!

Der Eingriff in eine Bausubstanz bedeutet neben den technischen Aspekten immer auch einen Eingriff in die Bauphysik des Gebäudes. Wer diese Regeln missachtet, wird nach der Modernisierung die Baumaßnahme verfluchen. Eine verpfuschte Sanierung führt nicht selten noch zu fatalen Rechtsstreitigkeiten.

Anhand typischer Bauaufgaben innerhalb eines Bauwerkes, sprich von der Sohle bis zum Dach, werden charakteristische Problemfälle beim Bauen im Bestand durch den Autor eingehend beleuchtet und verschiedene Lösungsmöglichkeiten und deren Verfahren vorgestellt: Die Palette reicht von Abdichtungsmaßnahmen gegen Bodenfeuchtigkeit über neue Innenwände, die Sanierung von Decken und Fußböden, die Verbesserung des Schall- und Wärmeschutzes von Decken, Dächern und Außenwänden bis hin zur Erneuerung der Haustechnik.

Die Modernisierungslösungen werden dabei nicht nur sachkundig im Detail beschrieben, nein, unzählige Detailzeichnungen untermauern das geschrieben Wort obendrein noch bildlich. Darüber hinaus gibt es alle wichtigen Angaben zur Konstruktion, zu Baukosten und Einbauzeiten sowie zu den bauphysikalischen Kennwerten des Wärme-, Schall- und Brandschutzes. Eine clevere Idee lässt jedes Kapitel mit einer tabellarischen Gegenüberstellung enden, in dem die wesentlichen Merkmale, Kennwerte und Kosten der Maßnahmen zusammengefasst sind.

Den Abschluss des Werkes, Kapitel 11, bilden ausgewählte Projektbeispiele, die eindrucksvoll zeigen, wie mit Hilfe einer fachgerechten Modernisierung Jahrzehnte alte Bausubstanz zu neuem Glanz erwacht. Eine ausführliche Checkliste zur technischen Bestandsaufnahme, ein Glossar und ein üppiges Literaturverzeichnis runden das Fachwerk sinnvoll ab.

Fazit: Das gelungene Fachbuch erfüllt alle derzeitigen Anforderungen des Wärmeschutzes und der Luftdichtheit sowie die dazugehörigen Normen und Regelwerke. Altbaumodernisierung heißt immer auch, die neuesten Regeln der Technik intelligent und Ressourcen sparend umzusetzen, damit die erhaltenswerte Baukunst der Vergangenheit eine Zukunft hat. Sämtliche Kostenangaben wurden für diese Ausgabe aktualisiert und lassen so persönliche Überlegungen für vergleichbare Modernisierungsmaßnahmen zu. Jeder Hausbesitzer, der eine Modernisierung vor sich hat, ist gut beraten, wenn er auf das fundierte Fachwissen dieses Standardwerkes zugreift, um für seine eigene Baumaßnahme bestens gerüstet zu sein. Angesichts des höchsten jemals gemessenen CO2-Ausstoßes (1,6 Gigatonnen) weltweit im Jahr 2010 hilft jede energetische Sanierung auch dem Weltklima (Quelle: IEA – Internationale Energie-Agentur). Dipl.-Ing. (FH) Uwe Morchutt – unabhängiger Sachverständiger im Bereich Feuchteschutz

Bibliografische Daten
Altbaumodernisierung im Detail - Konstruktionsempfehlungen
Von Dipl.-Ing. Jörg Böhning.
6 ., überarbeitete Auflage 2011. DIN A4. 297 Seiten mit 420 farbigen Fotos und
Zeichnungen und 141 Tabellen.
Subskriptionspreis: 69 Euro bis 31. Juli 2011, danach 79 Euro
ISBN 978-3-481-02717-9
Rudolf Müller Verlag, Köln
URL: www.baufachmedien.de