Zwangsversteigerungen 2010 (19. Mai 2010)

Weniger Termine auf hohem Niveau

Die Zahl der Zwangsversteigerungstermine ist im Jahr 2010 gegenüber dem Vorjahr um 5,10 Prozent auf 82 208 Termine gesunken. Trotzdem bewegt sich die Masse der gerichtlich anberaumten Termine weiterhin auf einem hohen Niveau. Die Summe der amtlich festgesetzten Verkehrswerte ist mit 13,60 Mrd. € beziffert und verzeichnet gegenüber dem Vorjahreszeitraum 2009 einen Rückgang von 148,5 Mio. € bzw. 9,80 Prozent. Ausnahmen bilden hier die vier Bundesländer Bayern, bei abnehmenden Terminen, Hamburg, Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern.

Bremen ist führend bei der Zunahme von Zwangsversteigerungen (+28,40 Prozent), Bayern hingegen bei der Abnahme (-11,5 Prozent).

Die Verkehrswerte, die in den Bundesländern Bremen, Sachsen und Thüringen angesetzt wurden, liegen besonders deutlich unter dem Bundesdurchschnitt. In Ostdeutschland stabilisiert sich insgesamt der rückläufige Trend bei den Zwangsversteigerungen. Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum 2009 ergibt sich ein Minus von 6,20 Prozent. (Quelle: Argetra)

Fazit: Ein Blick in die letzten zehn Jahre verrät, dass sich die Zahl der Zwangsversteigerungen auf einem hohen Niveau eingepegelt hat. Es darf davon ausgegangen werden, dass es ein gutes Geschäft für diejenigen (Makler, Banken, Schnäppchenjäger, etc.) ist, die daran verdienen. Der betroffene Schuldner wird darüber natürlich anders denken: Neben dem finanziellen Fiasko geht ein lang gehegter Traum verloren. Wie kommt es eigentlich, dass das Niveau an Zwangsversteigerungsterminen in Deutschland über einen so langen Zeitraum so hoch bleibt? Trotz differenzierter Betrachtung gibt es klare Anzeichen für vorhersehbare Hindernisse, die schnell in die Zwangsversteigerung führen können:
- viel zu viele Bauherren gehen zu blauäugig in die Baumaßnahme,
- schlechte und überstürzte Vorbereitung der Baumaßnahme,
- zu geringes Eigenkapital,
- Überschätzung der eigenen Finanzierungsmöglichkeiten,
- unseriöse Finanzberatung,
- ruinöse Finanzierungsmodelle,
- Pfusch am Bau,
- überforderte Bauunternehmen sowie
- insolvente Bauunternehmen.
Jeder potentielle Bauherr sollte stets bedenken, dass eine Baufinanzierung über einen langen Zeitraum gehen kann. Was heute noch als machbar erscheint, kann in zehn Jahren (Arbeitslosigkeit, Scheidung, Krankheit, Todesfall, etc.) ganz anders aussehen. Jeder Häuslebauer sollte diese Eventualitäten immer im Auge behalten! Dipl.-Ing. (FH) Uwe Morchutt