Buchtipp (7. März 2011)

Rechtssicherheit beim Bauen im Bestand

Mit Sicherheit gehört das Bauen im Bestand zu den baulichen Herausforderungen der Zukunft. Jeder Gebäudebesitzer, der modernisieren will oder muss, sollte sich darum schon bei Zeiten mit den spezifischen Anforderungen einer Modernisierung vertraut machen. Neben den bautechnischen gehören vor allem die zahlreichen rechtlichen Aspekte in den Fokus der Betrachtung, die es nicht zu unterschätzen gilt. Die Komplexität von Baumaßnahmen im Bestand zählt somit zu den anspruchsvollsten Bauaufgaben überhaupt. Egal, ob öffentliches Baurecht, Vertragsrecht, Urheberrecht, Nachbarschaftsrecht, Mietrecht oder der Denkmalschutz, eine in sich greifende Ansammlung von Rechtsgebieten, die jede Baumaßname im Bestand zu einer komplizierten Herausforderung machen kann. Für Laien auf dem Gebiet des Baurechtes in der Regel ein Unterfangen, das kaum ohne rechtlichen Beistand zu bewältigen ist.

Das Autorenteam von Rechtssicherheit beim Bauen im Bestand hat sich vereint, um diese nützliche Hilfestellung an die Hand zu geben und mehr Klarheit in die bisweilen komplizierte Materie zu bringen. Drei promovierte Bau- und Immobilienrechtler versuchen quasi das latente Baubestandsrisiko von Beginn an zu minimieren. Entstanden ist ein Werk, das übersichtlich, praxisnah und leicht verständlich ist. Ein prüfender Blick in das Buch soll diesen Gesamteindruck untermauern.

   

Am Anfang steht die alles entscheidende Frage: Lässt das öffentliche Baurecht, Kapitel 1, die geplante Baumaßnahme überhaupt zu? Wird die Ungewissheit nach der Baugenehmigung zufrieden stellend beantwortet und gilt es weitere Hürden, wie z.B. zum Bestandsschutz, zu Abstandsflächen, zur Energie-Einspar-Verordnung und zum Denkmalschutz, auf dem Weg zur Realisierung zu überspringen? All diese Fragen werden in Kapitel 1 umfangreich erörtert und beantwortet. Beispielsweise ist der Austausch von Fenstern nicht baugenehmigungspflichtig, hingegen die Erneuerung des Dachstuhles schon. Je nach Standort des Gebäudes geben die Landesbauordnungen der Bundesländer, die auf der Muster-Bau-Ordnung (MBO) basieren, die entsprechenden Antworten. Sind alle Genehmigungen unter Dach und Fach, kommt es zur mindestens genauso wichtigen Bauvertragsregelung.

Kapitel 2 befasst sich ausgiebig mit der für die Beteiligten am Bau entscheidenden Frage der Vertragsgestaltung. Grundsätzlich gibt es zwei verschiedene Wege der Vertragsgestaltung: entweder nach VOB/B oder nach BGB. Beide Vertragsarten haben Vor- und Nachteile, die es im Vorfeld abzuwägen gilt. Rechtlicher Beistand und Studium der Materie können hier wertvolle Dienste leisten! Jeder Bauherr sollte stets bedenken, was nicht vertraglich geregelt ist, wird letztendlich auch nicht gebaut. Das Werk hat hier viele wertvolle Tipps parat, denkt man nur an die Kosten, Termine, Bauqualität und an das richtige Mängel-Management. Zu guter Letzt stellt sich auch hier die Frage nach dem Baubestandsrisiko.

Im daran anschließenden Abschnitt, Kapitel 3, gehen die Autoren auf die Besonderheiten der Vertragsgestaltung ein. Stichworte wie Leistungsbeschreibung, Objektüberwachung und Honorierung werden hierbei umfassend behandelt und erörtert. Kapitel 3 endet mit dem nicht zu unterschätzenden Urheberrecht. Etwaige Rechte des Urhebers sollten auf der Dringlichkeitsliste bei der Abarbeitung ganz oben stehen.

Modernisierungsmaßnahmen greifen bei bestehenden Gebäuden auch fast immer in das Mietrecht ein. Kapitel 4 befasst sich mit dieser Spezies von Recht. Da Sanierungsmaßnahmen nicht selten auch im bewohnten Zustand durchgeführt werden, ist die Frage nach den Duldungspflichten frühestmöglich zu klären.

Die interessante Publikation endet mit einem ebenso wichtigen Anhang. Der interessierte Leser findet hier einen Abdruck der VOB/B (Ausgabe 2009) und die wichtigsten Paragrafen zum Werkvertragsrecht im BGB (Stand: September 2009). Die Kenntnis beider Rechtsinstrumente hilft garantiert bei der Vertragsgestaltung. Auszüge aus der HOAI 2009 (Honorarordnung für Architekten und Ingenieure) runden den Anhang sinnvoll ab.

Fazit: Rechtssicherheit im Zusammenhang mit dem Bauen im Bestand ist ein wertvolles Gut. Jeder Gebäudebesitzer sollte dieses hehre Ziel anstreben, um nicht am Ende einer Baumaßnahme ein böses Erwachen zu erleben. Das vorliegende Werk eignet sich sehr gut dazu, diesem Anspruch gerecht zu werden, weil es die bisweilen komplizierte Rechtsterminologie für jeden verständlich artikuliert. Visuell hervorgehobene Tipps und Ratschläge, die das Buch wie ein roter Faden durchziehen, geben obendrein nützliche Handlungsanweisungen für jeden Baupraktiker. Praxisnahe Fallbeispiele und Auszüge aus Urteilen bringen sowohl dem Auftraggeber als auch dem Auftragnehmer die erforderliche Handreichung bei der Vertragsgestaltung und Bauabwicklung. Rechtsstreitigkeiten kann sich doch eigentlich niemand leisten, weil man nie weiß, ob man am Ende als Sieger hervorgeht! Dipl.-Ing. (FH) Uwe Morchutt – Buchautor und Sachverständiger im Bereich Feuchteschutz

Bibliografische Daten:
Rechtssicherheit beim Bauen im Bestand
Von Dr. Harald Brock, Dr. Hendrik Schilder und Dr. Daniel Strupp.
2011. DIN A4. Kartoniert. 87 Seiten. 39 Euro
ISBN 978-3-481-02726-1
Verlagsgesellschaft Rudolf Müller GmbH & Co. KG
50933 Köln
URL: www.baufachmedien.de