Buchtipp (22. November 2010)

Energieberatung kompakt

Die wichtigsten Richtwerte, Maßnahmen und Checklisten

Sparsamer Umgang mit immer teurer werdender Energie rund um die Immobilie ist die Herausforderung der Gegenwart und der Zukunft. Keiner sollte heutzutage mehr vorsätzlich Energie verschwenden. Die energetische Sanierung von Gebäuden verlangt diesbezüglich eine gewissenhafte Herangehensweise und eine hohe fachliche Kompetenz, damit sich das investierte Kapital auch amortisiert und die Wohnqualität tatsächlich gesteigert wird. Denn fehlerhafte und schlampige Sanierungen, die oftmals auf die billige Weise Gehör finden, können zu immensen Feuchteschäden führen, die letztendlich sogar die Gebäudesubstanz zerstören und ein zukünftiges Bewohnen unmöglich machen. Natürlich sollten am Computer simulierte Energieeinsparungen oder vollmundige Versprechen vor der Modernisierung auch in der Realität annähernd erreicht werden.

Heinz P. Janssen, ein nachweislich befähigter Energieberater, hat mit seinem aktuellen Werk: Energieberatung kompakt, die wichtigsten Aspekte und Parameter in ein beispielhaftes Taschenbuch gepackt, das jede energetische Sanierung einfacher bewerkstelligen lässt. Der praktische Nutzen zeigt sich darin, dass die kompakte Westentaschenfibel ohne große theoretische Abhandlungen und komplizierte Berechnungen auskommt. Das handliche Format sichert zudem eine ständige Verfügbarkeit.

   

Das Buch beginnt dann auch sogleich mit der in der Praxis oft anzutreffenden Problematik der individuellen Bauteilbewertung. Eine Bauteiltypologie, die auf viele Gebäudetypen anwendbar ist, ersetzt die fehlenden Parameter, wenn beispielsweise Bauunterlagen nur unvollständig vorhanden sind. Anhand der U-Werte (Wärmedurchgangskoeffizienten) lassen sich die wichtigsten Bauteile eines Gebäudes hinsichtlich ihrer Wärmespeicherfähigkeit relativ genau beurteilen.

Genauso verhält es sich mit der Anlagentypologie. Da Heizungsanlagen ca. alle 20 Jahre erneuert werden, lassen sie in der Regel kaum Aussagen über die Baualtersklasse zu. Ist der tatsächliche Endenergieverbrauch für die Heizung so ermittelt, kann der Nutzenergiebedarf (Primärenergiebedarf) eingeschätzt und mit der vorhandenen Gebäudetypologie verglichen werden.

Im Kapitel 2 wird die ausführliche Bestandsaufnahme anhand einer eingehenden Checkliste (auch online unter www.bauenimbestand24.de verfügbar) simuliert und schrittweise aufgezeigt. Prüfmethoden sowie Beurteilungen der Gebäudesubstanz und Anlagentechnik sichern das Anamneseverfahren ab. Verweise auf erprobte Messtechniken (Thermografie, Luftdichtheitsprüfung und Endoskopie) unterstützen dabei die Diagnose qualitätsgesichert.

Im Anschluss daran befasst sich der Autor mit der EnEV (Energie-Einspar-Verordnung), die bekanntermaßen die Mindeststandards für eine energetische Sanierung postuliert. Nachrüstpflichten, Bauteilnachweise, Verantwortlichkeiten und Kontrolle sind nur einige Stichwörter, die es in diesem Zusammenhang zu beachten gilt. Werden die Forderungen der EnEV missachtet, drohen empfindliche Bußgelder.

Kapitel 4 beschäftigt sich als nächstes ausführlich mit möglichen Sanierungsmaßnahmen: angefangen bei der Gebäudehülle bis hin zur Anlagentechnik. Das Ziel eines jeden Sanierers sollte immer sein, günstige Energiebilanzen anzustreben. Egal wie die Maßnahme auch aussieht. Das Prinzip muss dabei immer lauten: Beheizte Bereiche so zu dämmen, dass die Wärmeverluste gegenüber unbeheizten Bereichen oder sensiblen Bauteilen, z.B. Kellerdecke, Außenwände, Rollladenkästen, so gering wie möglich ausfallen. Wärmebrücken sollten ausnahmslos beseitigt werden!

Bei der Anlagentechnik kommt es vor allem auf die Beseitigung von Schwachstellen an. Heizungsanlagen sollten beispielsweise jährlich gewartet und ältere Umwälzpumpen gegen effizientere Pumpen ausgetauscht werden. Alte Heizungsanlagen müssen dann auch mal komplett ausgewechselt werden, da die Anlagentechnik in den letzten Jahren viel effizienter geworden ist.  Ebenso sollte die Wärmeerzeugung (Öl, Gas, Pellets, Erdwärme) überdacht werden.

Was spare ich eigentlich ein, wird sich jeder Modernisierer zu Recht fragen? Kapitel 5 hält hierfür diverse Antworten parat. So kann jeder potentielle Sanierer Aussagen über Kosteneinsparungen erfahren. Aufgelistete Förderprogramme (Abschnitt 6) des Staates helfen bei der Verwirklichung und schaffen zusätzliche Anreize für geplante Maßnahmen. Alles Wissenswerte im Zusammenhang mit Energieausweisen (Bedarf und Verbrauch) erfährt der interessierte Leser im Kapitel 7. Eine umfangreiche Übersicht über Rechtsvorschriften und Richtlinien runden das gelungene Werk sinnvoll ab.

Resümee: Abschließend eine bisher unbeantwortete Frage: Wo ist eigentlich unsere Bauqualität geblieben? Nach Studien der Dekra (2. Bauschadensbericht) weist jedes Bauvorhaben im Schnitt 32 Mängel auf. Rund 70 000 Mal im Jahr wird deshalb vor Zivilgerichten um die korrekte Ausführung von Bauvorhaben gestritten. Die Verfahren verursachen dabei nach Hochrechnungen der Bergischen Universität Wuppertal pro Jahr rund 75 Milliarden Euro an Kosten für Anwälte, Justizbehörden und Sachverständigengutachten.

Pfusch am Bau und die Übervorteilung von Verbrauchern auf der Baustelle sollen nach Vorstellungen des Bundesjustizministeriums zukünftig vermehrt eingedämmt werden. Hierzu soll ein einheitliches Bauvertragsrecht geschaffen werden, das die Bauherren-Rechte gegenüber Bauträgern und Generalunternehmern deutlich stärken soll. Danach soll Streit zwischen Bauherr, Architekt und Baufirma künftig in einem so genannten „Adjudikationsverfahren“ geschlichtet werden, um die Zahl der Gerichtsprozesse zu reduzieren. Erst wenn ein unabhängiger Sachverständiger als Adjukator (auch Mediator genannt) keine Einigung erzielt, soll ein Gericht angerufen werden dürfen. Als relativ sicher gilt, dass Anfang 2012 ein 14 Tage währendes Widerrufsrecht für Bauherren, Modernisierer und Immobilienkäufer in Kraft treten soll.

Sowohl Fachleute als auch Bauherren sollten deshalb das Wissen von anerkannten Spezialisten im Vorfeld jeder Baumaßnahme nutzen, um Pfusch am Bau und Rechtsstreitigkeiten von vornherein aus dem Weg zu gehen. Energieberatung kompakt gehört in jedes gut sortierte Fachbuchregal eines energetischen Modernisierers. Je mehr der Bauherr oder Modernisierer Bescheid weiß, umso besser kann er seriöse von unseriösen Angeboten unterscheiden. Unabhängiges Fachwissen ist heutzutage nicht nur für bauinteressierte Laien wichtiger als je zuvor!
Dipl.-Ing. (FH) Uwe Morchutt – unabhängiger Sachverständiger im Bereich Feuchteschutz

Bibliografische Daten
Energieberatung kompakt
Die wichtigsten Richtwerte, Maßnahmen und Checklisten
Dipl.-Ing. (FH) Heinz P. Janssen
2010, DIN A6, Kartoniert, 229 Seiten mit 168 Abbildungen und 57 Grafiken
Rudolf Müller Verlag, Köln
ISBN 978-3-481-02724-7
Preis: 39,00 €
URL: www.baufachmedien.de