Buchtipp (29. Juli 2010)

Typische Bauschäden im Bild

erkennen – bewerten – vermeiden – instand setzen

Baumängel sind eine Plage unserer Zeit, obwohl das Wissen über das Bauen nie größer war. Die Folge daraus sind in der Regel Bauschäden, die früher oder später, ähnlich einem Geschwür im menschlichen Organismus, die Bausubstanz zerstören. Für den Bauherrn eine Horrorvorstellung, die nicht nur unruhige Nächte heraufbeschwört. Natürlich hat jeder Bauschaden seine eigene Entstehungsgeschichte. Das alles Entscheidende dabei ist aber, je früher der Bauschaden erkannt und richtig bewertet wird, je kleiner sind die Folgeschäden und die Kosten.

Vier befähigte Sachverständige haben sich eigens zu diesem Zweck zu einem Autorenteam vereint, um diesem baulichen Auswuchs auf den Grund zu gehen. Entstanden ist das hochinformative Werk: Typische Bauschäden im Bild - das auf 20 Jahre Gutachtererfahrung basiert. Beim ersten Durchblättern fällt auf, das es sich hier um ein praxisnahes, reich illustriertes Fachbuch handelt. Augenscheinlich ist auch, dass die Abbildungen ausnahmslos auf den rechten Druckseiten zu finden sind, so dass sie sofort ins Auge des Betrachters fallen. Für sich sprechende Schadensbilder verraten bekanntlich mehr als jede noch so fein formulierte Beschreibung. Ein versierter Blick in das Buch soll zeigen, was das Werk essentiell zu bieten hat.

Grundanliegen der Schadensbewerter ist die Typisierung ihrer Schadensbilder, so dass sie mit anderen Schäden vergleichbar werden. Die Hinführung auf eine Anamnese (Diagnose) der Schäden und deren genauen Analyse bewirkt letztendlich die Festlegung der wirtschaftlichen Schadensbeseitigung. Falsche Schadensanalysen haben in der Regel fehlerhafte Schadenssanierungen zur Folge. Denn es gibt nichts Schlimmeres, wenn ein Schaden durch eine angebliche Schadensbehebung noch größere Schäden hervorruft!

Die aufgezeigten Schadensbeispiele wurden einer systematischen Herangehensweise unterzogen: Schadensbild, Ursachen, Hinweis zur Schadensvermeidung sowie Maßnahmen und Kosten der Instandsetzung, so dass der beabsichtigte Vergleich mit ähnlich gearteten Schäden methodisch erfolgen kann. Die 13 Kapitel des Buches widerspiegeln in ihrer Abfolge die zeitlichen Abläufen der zu errichtenden Gebäudeteile, damit eine gebäudespezifische Orientierung der Schäden leichter möglich ist.

Schäden an Tiefgaragen bilden den Auftakt des Schadenmarathons. Häufig anzutreffende Schäden sind hier die Korrosion der Bewehrungsstähle, weil die Betondeckung entweder zu gering oder nicht dicht genug ist. Jeder kennt die hässlichen Stellen, wenn die verrostete Bewehrung sichtbar durch den Beton sprießt. Eine weitere, sehr verbreitete Schadensbildung sind die unansehnlichen Abplatzungen und Rissbildungen im Bereich der Fugen. Kommt dann noch Feuchtigkeit hinzu, was ja die Regel ist, kann sich jeder vorstellen, welche Folgen das haben kann.

Kapitel 2 befasst sich mit den Schäden an Außenwänden, speziell mit denen im Kellerbereich. Vor allem hier lauert die permanente Feuchtebelastung auf die Bauteile. Mangelhaft geplante und ausgeführte Bauwerksabdichtungen führen dabei zu den meisten Bauschäden. Baufehler können kaum drastischer ins Bild gerückt werden.

Der Schadensreport führt den interessierten Beobachter weiter zu den Fenstern, Türen und Tore, über die Schäden an Innenwänden, Decken, Treppen und Böden bis hin zu den Terrassen, Balkonen und Dächern. Den Abschluss bilden die Unzulänglichkeiten an den Außenanlagen, wie z.B. Feuchteschäden an erdberührten Stützwänden. Nahezu kein Gebäudeteil fehlt in dem Schadensverzeichnis. Eine Normen- und Literaturübersicht runden das Fachwerk sinnvoll ab.

Das Nachschlagewerk richtet sich in erster Linie an alle Bauschaffenden in der Planung, der Bauausführung, an Sachverständige, an Grundstücksbewerter und Rechtsanwälte, aber auch an Bauherren, die den Pfusch in der Regel bezahlen sollen, sowie Berufseinsteiger, damit sie zeitig erkennen, wohin Baufehler führen können.

Fazit: Ein beeindruckendes Buch, das in keinem Fachbuchregal fehlen sollte. Schonungslos in der Analyse und detailliert in der Darstellung führt es den Fokus direkt in die offenen Bauwunden. Es zeigt aber auch Wege aus der Misere. Bauschäden schädigen nicht nur die Volkswirtschaft, sie schädigen auch die Bauherrenschaft, egal ob öffentlich oder privat. In einer Zeit, wo jeder Bauauftrag hart umkämpft ist und öffentliche Kassen leer sind, eigentlich ein Ding der Unmöglichkeit. Schlecht vorbereitete Baumaßnahmen sind das Hauptproblem, das immer wieder zu Baumängeln führt. Kostspielige Bauschäden sind die logische Folge!
Dipl.-Ing. (FH) Uwe Morchutt – unabhängiger Sachverständiger im Bereich Feuchteschutz

Bibliografische Daten
Typische Bauschäden im Bild
erkennen – bewerten – vermeiden – instand setzen
Autorenteam: Ertl (Hrsg.), Egenhofer, Hergenröder, Strunck
2010. 17 x 24 cm. Gebunden. 349 Seiten mit 607 farbige Abbildungen
Einführungspreis: 59 Euro, danach 69 Euro
ISBN 978-3-481-02556-4
Verlagsgesellschaft Rudolf Müller GmbH & Co. KG
50933 Köln
URL: www.baufachmedien.de