Buchtipp (15. Juli 2010)

Handbuch der Bauphysik

Wer die Gesetze der Physik, die bekanntlich alle Systeme der Natur beherrschen, außer Acht lässt, bekommt früher oder später Probleme damit. Das gilt vor allem für die kniffligen physikalischen Prozesse rund um das Bauwerk, die die Bauphysik charakterisieren. Kenner der Materie wissen nur zu gut, dass die Bedeutung der Bauphysik in den letzten Jahren sogar noch zugenommen hat: So führten höhere Anforderungen an den Wärmeschutz von Gebäuden zu neuen bauphysikalischen Überlegungen in der Gebäudeplanung. Darüber hinaus kommen permanent wachsende Komfortbedürfnisse der Nutzer, die sich aus gestiegenen Anforderungen an den Schallschutz in Gebäuden artikulieren, hinzu. Ein drittes, aber enorm wichtiges Themengebiet ist der Feuchteschutz, der die Gebäudesubstanz dauerhaft vor Schäden schützen und das Verweilen in ihr so angenehm wie möglich machen soll.

Das Handbuch der Bauphysik ist seit seiner 1. Auflage 1967, Ullstein Verlag, Berlin, ein zuverlässiger Begleiter für Architekten und Baupraktiker und verfügt heute über einen unvergleichbaren Erfahrungsschatz aus Bauphysik-Praxis und Bauforschung. In knapp fünf Jahrzehnten hat sich die Bauphysik längst als eigenständiges Fachgebiet neben der Bautechnik etabliert. Nun liegt die 8., überarbeitete Ausgabe dieses Klassikers druckfrisch vor. Ein imposantes Druckerzeugnis, das garantiert seine Anhänger finden wird, da die 7. Auflage, Verlag Vieweg & Sohn, Wiesbaden, von1995 dem heutigen Stand der Technik angepasst werden musste. Man denke nur an die EnEV 2009.

Wie beeinflussen bauphysikalische Prozesse eigentlich unsere Bauvorhaben? Ein professioneller Blick in das Werk soll einige Aufschlüsse zu der bisweilen komplizierten Materie geben. Den Anfang bilden die „Allgemeinen Grundlagen“, eine Art Glossar, in dem die wichtigsten Begriffe und physikalischen Phänomene erläutert werden. Beispielsweise wird auf die Ausbreitung von Gasen und Flüssigkeiten durch Bauteile, die Diffusion (Wasserdampfdiffusion), hingewiesen. Ebenso findet der interessierte Beobachter die korrekte physikalische Bezeichnung für Wärmebrücken, die nicht nur von Laien gern als Kältebrücken bezeichnet werden.

Das zweite Kapitel beschäftigt sich mit den Messverfahren, in dem ein kurzer Überblick über die wichtigsten Messmethoden, die vor allem für Nachweisverfahren im Streitfall benötigt werden, gegeben wird. Bekannte Messverfahren sind beispielsweise die Thermografie, die Blower-Door-Messung (Luftdichtigkeit) und diverse Verfahren zur Feuchtebestimmung von Bauteilen. Daran anschließend erfolgt ein Einblick in klimatische und städtebauliche Voraussetzungen, die das Bauen unmittelbar beeinflussen. So gehören zunehmende Verkehrsströme und deren Lärmeinflüsse in jede bauplanerische Betrachtungsweise.

Kapitel 4, rund 100 Druckseiten lang, befasst sich mit den einzelnen Bauteilen von Gebäuden. Beginnend mit den Fundamenten werden alle wichtigen Gebäudeteile von ihrer bauphysikalischen Belastung her beleuchtet. Beispielsweise stellen Bauherren durch ihre Nutzungswünsche immer höhere Anforderungen an die Bauteilkonstruktionen, um einen hohen Schall-, Wärme- und Feuchteschutz zu erhalten. Der hochinteressante Abschnitt endet schließlich mit der Betrachtung von Türen, die heute u.a. höchsten Schallschutzanforderungen gerecht werden müssen.

Im Anschluss daran, Kapitel 5, befasst sich das Autorenteam mit den Fußbodenaufbauten  und Oberflächen von Wänden und Decken. Fußböden haben heute pflegeleicht sowie gut wärme- und trittschalldämmend zu sein. Holzfußböden in Form von Parkett bestimmen vielerorts die Szenerie, wobei die Dämmung des Trittschalls besonderes Augenmerk erfordert. Ebenso verlangt der schwimmende Estrich, der seit über 70 Jahren ausgeführt wird, höchste handwerkliche Präzision, um die Vorzüge dieser Bauweise zu garantieren. Denn die Väter dieser Bauweise haben schon damals gewusst, was sie taten. Eine akustische Vorsatzschale zu kreieren, die ohne Verbindung zwischen dem Schall angeregten Element und dem übrigen Baukörper existiert.

Daran anschließend folgen die haustechnischen Anlagen, ohne die ein modernes Gebäude gar nicht mehr denkbar wäre. Heute und in Zukunft kommt es aber vor allem auf die Energieeffizienz in der Gesamtbetrachtung an, so dass intelligente Systeme, die ausnahmslos in einander greifen, zu realisieren sind. Kein Gewerk darf außen vor bleiben, was höchste Anstrengungen aller am Bau Beteiligten erfordert.

In Kapitel 7 werden die unterschiedlichsten Raum- und Gebäudearten, die es in der Realität gibt, hinsichtlich ihrer bauphysikalischen Belastungen beurteilt und kommentiert. Eine praxisnahe Darstellung vom Aktenkeller, über Ballettsäle, Schwimmhallen und Kirchen bis hin zu Wäschereien und Wintergärten. Also ganz alltägliche Nutzungsformen, die immense Anforderungen an den Schallschutz, an die Raumakustik sowie an den Wärme- und Feuchtigkeitsschutz stellen.

Den Anhang und Abschluss des Buches bilden geläufige Abkürzungen und Kurzzeichen, Stoffwerte von Bau-, Dämm- und Sperrstoffen sowie Hinweise auf Normen, Rechtsvorschriften und Merkblätter, ohne die ein Bauen in Deutschland unvorstellbar wäre.

Das überaus informative Handbuch enthält alles, was Architekten, Baupraktiker und auch Bauinteressierte über Schallschutz, Raumakustik, Wärme- und Feuchteschutz wissen müssen, wenn sie Beanstandungen und Bauschäden bereits im Vorfeld ausschließen wollen. Tatsache ist, ohne die Kenntnis bauphysikalischer Gesetze ist ein fehlerfreies Bauen nicht mehr realisierbar. Dipl.-Ing. (FH) Uwe Morchutt

Bibliografische Daten
Handbuch  der Bauphysik
Bobran, Hans W.; Bobran-Wittfoht, Ingrid
8., überarbeitete Auflage, Gebunden, DIN A4
430 Seiten, 474 Abbildungen und 167 Tabellen
Einführungspreis: 89,00 € bei Bestellung bis 31. August 2010
Regulärer Preis: 99,00 € inkl. 7 Prozent MwSt., zzgl. Versandkosten
ISBN 978-3-481-02534-2
Verlagsgesellschaft Rudolf Müller GmbH & Co. KG
50933 Köln, 2010
URL: www.baufachmedien.de