Buchtipp (27. Mai 2010)

VOB/B kompakt – 150 Antworten auf die wichtigsten Fragen zur VOB 2009

Der Autor, Rechtsanwalt Stephan Bolz, spricht in seinem Vorwort von einer gewissen Furcht der am Bau Beteiligten, wenn sie an den Umgang mit der „Vergabe- und Vertragsordnung für Bauleistungen“ denken. Eine Aussage, die durchaus den Kern trifft, denn vor allem diejenigen Akteure am Bau, die die VOB/B nicht gut kennen, sind bei Anwendung der VOB von vornherein als Verlierer auszumachen. Viele Rechtsexperten machen sich diese unerklärliche Phobie gern zu nutze, um die Bauleute diesbezüglich zu beraten. Denn klar ist, wer heutzutage „nur“ das Bauen beherrscht, kann am Ende eines Bauvorhabens der Verlierer sein! Fehler bei der Abwicklung eines VOB/B-Vertrages können zu erheblichen wirtschaftlichen Verlusten führen. Darüber hinaus ist das Bauen mit seinen unzähligen Gesetzen, Verordnungen und Richtlinien in den letzten Jahrzehnten immer komplizierter geworden, so dass auch viele Fachleute zunehmend vor Probleme gestellt sind. Hinzu kommt der alltägliche Zeitdruck sowie der knallharte Wettbewerb und Preiskampf aufgrund der hohen Überkapazitäten.

Die VOB ist eigens für die Ausführung von Bauleistungen geschaffen worden, da das BGB hierzu selbstverständlich keine umfassende Antwort geben kann. Die VOB/B ist aber kein Gesetz! Sie versteht sich als Vertragmuster in Form allgemeiner Geschäftsbedingungen. Soll die VOB/B Bestandteil eines Bauvertrages werden, muss sie explizit zwischen den Vertragspartnern vereinbart werden. Für Baurechtsexperten ist die VOB/B ein ausgewogenes Vertragswerk, das zur Anwendung empfohlen wird. Der Autor weißt jedoch nicht umsonst darauf hin, dass die VOB/B zahlreiche Bestimmungen enthält, die es zu beachten gilt, will man die Rechte oder Ansprüche nicht leichtfertig aufs Spiel setzen. RA Bolz geht sogar soweit, dass nur der Personenkreis die VOB/B vereinbaren sollte, der sie auch durchschaut. Eine voreilige Anwendung der VOB/B ist folglich unbedingt zu vermeiden. Die VOB/B bietet sowohl für den Auftraggeber als auch den Auftragnehmer Vorteile. Werden aus Unkenntnis heraus die Vorteile verspielt, können sich diese sehr schnell in Nachteile umwandeln!

VOB/B kompakt, im handlichen Westentaschenformat, setzt genau hier an, um die wichtigsten Fragen, die in der täglichen Praxis auftreten können, kurz und präzise zu beantworten. Das praxisnahe Werk hilft natürlich auch, Defizite bei der VOB/B zu minimieren. Ein professioneller Blick in das Werk soll die wichtigsten Inhalte kurz beleuchten, so dass der interessierte Nutzer erfährt, ob das Buch seinen Anforderungen gerecht wird. Bekanntlich wird die VOB/B immer wieder an die aktuelle Gesetzgebung, Rechtsprechung und Baupraxis angepasst. Basis für das druckfrische Taschenbuch ist die letzte Aktualisierung aus dem Jahr 2009.

Bereits in seiner Einleitung stellt der Autor die wichtigsten Vor- und Nachteile der VOB/B für den betreffenden Personenkreis (AG und AN) verständlich gegenüber, so dass die eingangs gemachten Ausführungen bekräftigt werden. Hierzu gehört z.B. das Kündigungsrecht des Auftraggebers (AG) wegen mangelhafter Leistungen vor der Abnahme.

Nach der Einleitung beginnt bereits der hochinformative Frage-und-Antwort-Marathon. Den Reigen der Fragen und Antworten eröffnet der Vertragsschluss. Daran anschließend folgt die gesetzliche Kontrolle der VOB/B, die so genannte Inhaltskontrolle. Da die VOB/B, wie bereits festgestellt, kein Gesetz ist, kommt es vor, dass nicht alle Regelungen dieser Kontrolle standhalten. Sie sind dann unwirksam.

Punkt vier widmet sich der Ausführung der Leistung. Die Antwort auf die immer wiederkehrende Frage (Frage 21) besagt: Der Auftragnehmer (AN) hat die Leistungen nach den allgemein anerkannten Regeln der Technik auszuführen. Hier kommt es regelmäßig zu Irritationen, was aus zahlreichen Gerichtsurteilen hervorgeht: Ein Verstoß gegen die anerkannten Regeln der Technik ist ein Mangel, auch wenn er keine Auswirkungen auf das Werk hat. DIN-gerechtes Arbeiten schützt nicht vor dem Vorwurf eines Verstoßes gegen die allgemein anerkannten Regeln der Technik (OLG Dresden – AZ: 9 U 1430/08, Urteil vom 24. September 2009).

Das Werk wird mit den wichtigen Aspekten der Vergütung und Nachträge, Verzug, Vertragsstrafe und Behinderung sowie Kündigung fortgesetzt. Kapitel 8 behandelt die Abnahme, dem Dreh- und Angelpunkt eines Bauvertrages, weil sich zahlreiche Rechtsfolgen damit verbinden. Der Frage-und-Antwort-Komplex endet mit den nicht minder wichtigen Kapiteln: Abrechnung und Zahlung, Gewährleistung  und Sicherheiten.

Im Anschluss daran setzt der Autor die kurz und bündig formulierten Musterschreiben aus der Sicht eines AG bzw. eines AN ins Bild. Eine willkommene Idee, die garantiert auf große Zustimmung treffen wird. Man denke nur an die Aufforderung zur Mängelbeseitigung bei Mängeln vor der Abnahme! Hier findet der interessierte Nutzer insgesamt 16 Musterschreiben zur wichtigsten Korrespondenz zwischen den Bauvertragsparteien.

Für Freunde des Wortlautes gibt es im Kapitel 14 die Textausgabe der VOB/B 2009. Den Abschluss des Werkes bildet das Verzeichnis der Fragen, so dass jeder Nutzer gezielt jede der insgesamt 153 Fragen auswählen kann, um die korrekte Antwort zu erhalten.

Die hilfreiche Lektüre beantwortet die wichtigsten Fragen rund um die Bauabwicklung nach neuer VOB 2009 und BGB, wie sie sich Bauleiter, Bauunternehmer, Architekten und Bauherren täglich stellen und wünschen. Im praktischen DIN-A6-Format ist der kompakte Ratgeber griffbereit, wenn man ihn braucht. Ein äußerst gelungenes Werk, das seine Anhänger finden wird. Ein unkomplizierter Umgang mit der VOB/B ist hier mit Sicherheit gewährleistet. Dipl.-Ing. (FH) Uwe Morchutt

Bibliografische Daten
VOB/B kompakt
150 Antworten auf die wichtigsten Fragen zur VOB 2009
von RA Stephan Bolz
2010, 260 Seiten, Kartoniert, 10,5 x 14,8 cm, Rudolf Müller Verlag, Köln
ISBN 978-3-481-02636-3
Preis: 39,00 €

URL: www.baufachmedien.de