LV: im Leben zu wenig (25. Dezember 2009)
Mit Spannung blicken interessierte Versicherungsnehmer zum Jahresausklang auf die Renditevorgaben ihrer Versicherer für das Folgejahr. Was bringt eigentlich meine Lebensversicherung im Jahr 2010 (Bestand 2008: 96,3 Mio. LV-Versicherungsverträge), lautet die spannende Frage? Die gesamte Versicherungsbranche gibt sich zugeknöpft bis knauserig: Die durchschnittliche Gewinnbeteiligung der Lebensversicherungen sinkt zum vierten Mal in Folge: Spärliche 4,22 Prozent werden im Durchschnitt feilgeboten. So manch ein Versicherungsnehmer, der einst mit vollmundigen Renditeerwartungen zum Abschluss gedrängt wurde, wird nun missgelaunt unterm Weihnachtsbaum sitzen. Der Verkäufer indes feixt sich einen, hat er seine Provision doch längst eingesackt.

Insgesamt sinkt die laufende Verzinsung für 2010 basierend auf den 45 untersuchten Gesellschaften (2008 gab es insgesamt noch 99 Lebensversicherer - Tendenz fallend) damit um 0,09 Prozentpunkte auf 4,22 Prozent, eine zwar kleine, aber tendenzielle Absenkung. Hierunter vor allem die Versicherer mit den größten Marktanteilen im LV-Segment (Stand 2008): Allianz: 17,10 Prozent, Aachen-Münchener: 5,40 Prozent, R+V: 5,15 Prozent, Axa: 2,48 Prozent, Cosmos Direkt: 1,65 Prozent und Huk-Coburg: 0,83 Prozent.

   

Fakt ist, die Lebensversicherer zehren von ihren Rücklagen. Sie erzielen längst nicht so hohe Zinsen am Markt, wie sie ausschütten (EZB-Leitzins seit 7. Mai 2009 bei 1,00 Prozent!). Auguren runzeln bereits die Stirn, sind doch die gezahlten Renditen alles andere als nachhaltig. Bekanntermaßen werden lediglich auf den so genannten Sparanteil die Zinsen ausgezahlt. Dieser beträgt nach Abzug von Abschlussgebühren und den Kosten für den Todesfallschutz gerade einmal 85 Prozent. Eine Gesamtverzinsung von 4,15 schrumpft somit sogar auf 3,53 Prozent, Tendenz weiter sinkend.

Wo verdienen Versicherer überhaupt ihr Geld? Das meiste Geld wird in Anleihen gesteckt. Und da gibt es derzeit für fünfjährige Bundesanleihen gerade einmal 2,16 Prozent. Selbst wer sein Geld 30 Jahre fest anlegt, erhält gegenwärtig nur mickrige 3,87 Prozent. Eine rasche Zinswende ist derzeit nicht in Sicht und auch nicht gewollt. Denn die horrende Staatsverschuldung nahezu aller wichtigen Industriestaaten würde bei steigendem Leitzins die Schuldzinsen in Regionen treiben, die die Haushalte Erdstoß artig erschüttern würden.

Problematisch sind vor allem die Altverträge, die zwischen 1994 und 2000 geschlossen wurden. Denn diese Policen haben noch einen Garantiezins von vier Prozent. Auch die Finanzaufsicht Bafin hat daher ein waches Auge auf die Versicherer. Sie untersucht derweil, ob die Gesellschaften solche hohen Garantien überhaupt noch erfüllen können.

Was eine Lebensversicherung bringt, hängt von verschiedenen Faktoren ab. Die Kunden erhalten einen garantierten Mindestzins, der für die gesamte Laufzeit sicher ist. Für Neuabschlüsse liegt dieser derzeit bei 2,25 Prozent. Hinzu kommt die Überschussbeteiligung, die jedes Jahr neu deklariert wird. Auch diese ist sicher – allerdings nur für die Vergangenheit. Am Ende der Laufzeit erhalten die Versicherten noch eine Beteiligung am Schlussüberschuss sowie an den Bewertungsreserven. Wie hoch letztere ausfällt, lässt sich aber erst bei Vertragsende sagen.

Gewinnbeteiligung. Die Unternehmen legen je nach Finanzlage jährlich eine Gewinnbeteiligung fest. Sie besteht aus dem vertraglichen Garantiezins plus unverbindlicher Überschussbeteiligung. Verzinst wird der Sparbeitrag, der von der Prämie nach Abzug der Kosten für Verwaltung und Risikoschutz übrig bleibt. Erstaunlich übrigens, dass die Direktversicherer, die vollmundig mit schmalen Kosten werben, nicht besser abschneiden als Service-Versicherer! Alles entscheidend ist also, wie gut ein Versicherer wirtschaftet!

Die Verzinsung einer Kapitallebens- oder Rentenversicherung setzt sich in der Regel aus vier Bestandteilen zusammen:
- Garantiezins: Dieser liegt bei Neuabschlüssen derzeit bei 2,25 Prozent. Für Altverträge werden noch bis zu vier Prozent bezahlt. Dieser Prozentsatz muss von jedem Versicherer jedes Jahr garantiert ausgeschüttet werden, da dieser vom Bundesministerium für Finanzen in der so genannten Deckungsrückstellungsverordnung geregelt wird. Er entspricht in etwa 60 Prozent des langjährigen Mittels aus den Zinsen von (quasi risikolosen) 10-jährigen Bundesanleihen.
- Überschussbeteiligung: Sie wird jährlich festgelegt – je nachdem, wie gut der Versicherer gewirtschaftet hat. Einmal festgelegt, kann die Zusage für das bestimmte Jahr nicht mehr zurückgenommen werden. Überschussbeteiligung plus Garantiezins ergibt die laufende Verzinsung.
- Schlussüberschuss-Anteile: Sie gibt es nur bei Kapital-Lebensversicherungen. Deren Höhe wird auch jedes Jahr neu festgelegt. Allerdings sind die Angaben nicht verpflichtend; wenn es einem Unternehmen zum Zeitpunkt der Auszahlung schlechter geht, kann es auf die Überweisung der Schlussüberschuss-Anteile auch schon mal verzichten.
- Beteiligung an den stillen Reserven: Derartige Reserven entstehen, wenn die Kapitalanlagen eines Versicherers am Markt mehr wert sind als die Bücher ausweisen. Falls also eine Aktie einen Einstandspreis von 100 Euro und einen aktuellen Kurs von 120 Euro hat, bestehen stille Reserven in Höhe von 20 Euro. An welchen Reserven und in welchem Umfang ein potentieller Kunde in einem konkreten Jahr beteiligt wird, liegt allerdings im Ermessen des Versicherers. Zahlen muss der Versicherer in jedem Fall, sofern es überhaupt etwas zu verteilen gibt, das hat der Gesetzgeber im Jahr 2007 (siehe BVerfG-Urteil) festgeschrieben.

Höchstrichterliche Urteile
Das BVerfG hat in einem aktuellen Beschluss seine Erwartungen hinsichtlich der Neuregelung des Lebensversicherungsrechtes (31. Dezember 2007) präzisiert. Das zu schaffende Recht hat neben Vorschriften über den Rückkaufswert vorzeitig gekündigter Lebensversicherungen auch die Verrechnung der Abschlussgebühren und Provisionen offen zu legen. BVerfG AZ: 1 BvR 1317/96

Der BGH hat gängige Klauseln über den Rückkaufswert von vorzeitig gekündigten Kapital- Lebensversicherungen für unwirksam erklärt. Die Klauseln benachteiligen den Verbraucher unangemessen. Es gilt das Transparenzgebot. Darüber hinaus dürfe der Rückkaufswert nicht bei Null liegen (Zeitraum: 1994 bis 2001). BGH AZ: IV ZR 162/03; AZ: IV ZR 177/03; AZ: IV ZR 245/03

Versicherte müssen künftig "angemessen" an den so genannten stillen Reserven der Versicherungsunternehmen beteiligt werden. Das BVerfG forderte zudem mehr Verbraucherschutz und Transparenz bei der Übertragung von Lebensversicherungen. BVerfG AZ: 1 BvR 782/94, 1 BvR 957/96, 1 BvR 80/95

Beim Brancheninformationsdienst VersicherungsJournal kann jeder Interessent nachlesen, wie die Überschussbeteiligungen seines Versicherers im Jahr 2010 ausfallen werden. umo

Quelle: GDV, VersicherungsJournal