Kein Schadenersatz für Baumängel! (15. September 2009)
Im Jahre 1990 ließ die Klägerin (Bauherrin) ihr Zweifamilienhaus errichten. Auf dem Nachbargrundstück, das der Gemeinde gehört, standen zu dieser Zeit im Abstand von ca. 10 m zum Haus mehrere Eichen (bekanntlich Tiefwurzler!), die im Bebauungsplan als erhaltenswerter Baumbestand ausgewiesen waren. Im Laufe der Jahre bildeten sich am Haus der Klägerin Risse, für die die Klägerin den enormen Wasserbedarf der Bäume und damit die Gemeinde verantwortlich machte.

Gerichtsentscheidung - LG Coburg - AZ: 12 O 399/07 vom 20. Mai 2009
Das Landgericht Coburg wies ihre Klage ab. Urteilsbegründung: Es konnte kein schuldhaftes Fehlverhalten der Beklagten (Gemeinde) erkennen. Im Übrigen hätte es der Klägerin oblegen, beim Bau durch entsprechend tiefe Fundamente von den bereits vorhandenen Bäumen ausgehenden Setzungsgefahren zu begegnen.

Planungsfehler als Ursache!
Ein Garten ohne Bäume ist freilich kein richtiger Garten. Obwohl die Baumwurzeln schon für erheblichen Ärger sorgen können, vor allem dann, wenn sie vom Planer/Architekt nicht richtig eingeschätzt werden. Schäden in Form von Rissen durch Setzungen sind somit vorprogrammiert. Großbäume entziehen dem Boden Wasser, so dass Hohlräume unterhalb des Fundamentes entstehen können.

Schäden an Fundamenten
Wenn der Mörtel bei gemauerten Fundamenten bei Häusern durch jahrzehntelange Kalkauslösung rissig wird, können Baumwurzeln sogar in die Fugen wachsen und Bereiche der Kellerwand eindrücken. Von der Hauswand herabfließendes Regenwasser fördert überdies das Wurzelwachstum im Gefahrenbereich. Das Fundament muss von außen mit einer Schutzfolie abgedichtet und eventuell stabilisiert werden. Bei Betonfundamenten treten diese Probleme in der Regel nicht auf.

Als Ursache von Gebäudeschäden weisen geotechnische Berichte oftmals Volumenverluste im Boden (besonders bei Tonböden!) durch tief reichende und flächige Austrocknungen (naher Baumbestand) aus. Die dadurch entstehenden Hohlräume führen zu Rissen und Absackungen der Baukonstruktion, die zu Rissen im Gebäude führen Hier hilft in der Regel ein Injektionsverfahren, um den Boden zu stabilisieren, abzudichten und sogar wieder anzuheben:

In jedem Fall ist eine qualifizierte Untersuchung des Baugrundes erforderlich. Daraus ergibt sich dann der Einsatz des zweckmäßigsten Injektionsverfahrens und -mittels. Ohne ein Verfahren von vornherein zu favorisieren, sind Bohrungen zum Einbringen der entsprechenden Verpressmasse als schonendste Verfahren für den Untergrund und die Nachbarschaft anzusehen. Eine Tiefeninjektion beispielsweise stabilisiert die Fundamente, wobei die Hohlräume unterhalb des Fundaments aufgefüllt werden. Der Baugrund wird so verstärkt, so dass das Gebäude angehoben wird, bis die Fassadenrisse wieder geschlossen sind.

Fazit
Wer sein Haus neben einem Grundstück mit umfangreichem Baumbestand errichtet, muss selbst Vorsorge treffen, damit der Wasserbedarf der Nachbarspflanzen sein Gebäude nicht schädigt. Denn wenn der sprichwörtliche Durst der Bäume zu Setzungsrissen am Haus führt, kann er vom Nachbarn keinen Schadenersatz verlangen. Dipl.-Ing. (FH) Uwe Morchutt