Sporen jetzt sichtbar (9. Juli 2009)
Schimmelpilze an der Wand: ein Horrorszenario für viele Bewohner. Leider kommen diese übel riechenden Mitbewohner, die auch die Gesundheit gefährden können, häufiger vor, als allgemein vermutet, weil die Ursache oftmals nicht richtig erkannt wird. Ist eine Wand erst einmal großflächig davon betroffen, folgt in der Regel der Streit zwischen Mieter und Vermieter: Wer trägt nun eigentlich die Schuld? Baumängel oder falsches Heizen und Lüften können einige Symptome dafür sein.

Jede fünfte Wohnung weist Feuchtigkeitsschäden oder gar Schimmel auf: so die Schätzungen des Schornsteinfegerverbandes. Quasi ein Reizthema, denn genauere Zahlen gibt es nicht. Die banale Ursache für das Wachstum des Schimmelpilzes ist ausreichende Feuchtigkeit.

Oftmals sind es Baumängel, die erst durch den Schimmel aufgedeckt werden: ungedämmte Wasserleitungen unter Putz, Lecks im Heizungsrohr, undichtes Flachdach, fehlerhafte Kellerabdichtungen sowie Löcher in der Dachrinne. In der einzigen größeren Untersuchung der Universität Jena hatten 22 Prozent von 5530 Wohnungen sichtbare Feuchtigkeitsschäden, in neun Prozent wurde Schimmelpilz gefunden, vor allem in älteren Häusern ohne Wärmedämmung. Bei Häusern mit Dämmung, da die Anzahl der Wärmebrücken sinkt, ist das Risiko definitiv geringer.

Zu den häufigsten baulichen Ursachen gehören:
· Risse in der Fassade,
· defekte Dächer,
· fehlender Schutz vor Regen,
· eine nicht mehr funktionstüchtige Wärmedämmung,
· Wärmebrücken,
· aufsteigende Feuchte sowie
· ungenügendes Austrocknen nach Baumaßnahmen (Baufeuchte!).

Hinzukommt unsachgemäßes Heizen und Lüften der Bewohner:
· mangelnde Luftzirkulation durch zu dichte Fenster und Türen.

Beachte: In jedem Kubikmeter Luft befinden sich Tausende Pilzsporen, die sich nur zu gern in einer für sie angenehmen, feuchten Umgebung festsetzen.

Schimmelprobleme treten vor allem im Winter auf, wenn die Außenwände so stark abkühlen, dass an Putz und Tapeten im Inneren die Luftfeuchtigkeit kondensiert (Taupunktunterschreitung!). Ältere, verschmutzte Oberflächen unterstützen die Erstbesiedlung mit Schimmel. Besonders heikel sind kreidende Altanstriche oder stark Feuchtigkeit aufnehmende Strukturputze.

Schimmelpilze bilden typische Pilzfäden und Sporen aus: die so genannten Zellfäden. Diese sind meist farblos, so dass der Schimmelpilz in dieser Phase normalerweise mit dem bloßen Auge nicht erkennbar ist. Das Schimmelpilzwachstum in Innenräumen wird hauptsächlich durch die drei folgenden Faktoren bestimmt:
- Feuchtigkeit,
- Nährstoffangebot sowie
- Temperatur.

Schimmelpilze können eine Vielzahl von Materialien als Nährboden nutzen, wie zum Beispiel:
- diverse Holzarten, Spanplatten,
- Papier, Pappe, Karton (auch Gipskarton),
- Tapeten, Tapetenleim,
- Kunststoffe, Gummi, Silikon,
- Teppichböden, Kleber für Fußbodenbeläge,
- Farben, Lacke und
- Leder.

Schimmelpilze können auch auf und in Materialien wachsen, die nicht sichtbar nass sind. Es genügt eine relative Luftfeuchtigkeit von ungefähr 80 Prozent an der Oberfläche des Materials (hygroskopisch – Wasser anziehend). Besonders gute Wachstumsbedingungen finden sich immer dann, wenn es zu Tauwasserbildung auf oder im Material kommt.

Warum entsteht Schimmel?
Warme Luft speichert relativ viel Feuchtigkeit. Sobald diese auf kalte Stellen trifft, kondensiert sie. Es bilden sich nasse Stellen, meist an der Zimmerwand, die an der kalten Außenseite des Hauses liegt. Bisweilen tragen die Mieter selbst dazu bei. Schlecht geheizte Wohnungen sind überdurchschnittlich oft von Schimmel befallen. Etwa 20 bis 25 Prozent der Fälle gehen auf Baumängel zurück, schätzt der Bundesverband der Verbraucherzentralen. Bei ebenfalls 20 bis 25 Prozent sei falsches Heiz– und Lüftungsverhalten die Ursache. Und zu 45 bis 55 Prozent komme beides zusammen.

Pilzsporen leuchten unübersehbar auf
Mit dem Fluoreszenz-Illuminator steht Baubiologen und Sachverständigen seit kurzem ein neues Werkzeug zum sicheren Nachweis der Sporen zur Verfügung. Bisher setzte man bei der Untersuchung von Proben meist auf konventionelle Auflichtmikroskope, die aber fehlerhaft waren. Mit dem neuen Fluoreszenz-Illuminator hingegen geht das nun auch mobil und zum kleinen Preis: Das Nachrüstteil passt auf alle bereits vorhandenen Lichtmikroskope der bekannten Marken. Infos unter: Helmut Hund GmbH: www.hund.de.

Alles, was Recht ist!
Grundsätzlich gilt: Der Vermieter muss beweisen, dass der Schaden nicht durch Pfusch am Bau entstanden ist, dass es keine Lecks, Risse oder Löcher gibt und die Wärmedämmung den Vorschriften zur Bauzeit entspricht. Gelingt es dem Vermieter, alle Ursachen aus seinem Verantwortungsbereich auszuschließen, ist der Mieter nachweispflichtig: Dann muss er darlegen, dass er genug geheizt und gelüftet hat und auch seine Möblierung den Schaden nicht begünstigt.

Solange ein Schaden nicht beseitigt wird, kann der Mieter die Miete mindern. In besonders schweren Fällen, wenn das Haus wegen extremen Schimmelbefalls praktisch unbewohnbar ist, kann der Mieter auch fristlos kündigen, vorausgesetzt, er hat den Vermieter vergeblich zur Schadensbeseitigung schriftlich aufgefordert.

Niemals Mängel eigenmächtig beheben!
Auf keinen Fall sollten Mieter den Mangel selbst beheben, ohne den Vermieter vorher informiert zu haben. Sonst bleiben sie auf den Kosten sitzen. Das geht aus einem Urteil des Bundesgerichtshofes hervor. Mietern, die eigenmächtig einen Mangel der Mietsache beheben lassen, ohne dass der Vermieter mit der Mangelbeseitigung in Verzug ist, steht kein Anspruch auf den Ersatz der Aufwendungen zur Mangelbeseitigung zu.

Der BGH begründet das damit, dass Vermieter von ihren Mietern nicht vor vollendete Tatsachen gestellt werden dürfen. Vermieter haben ein berechtigtes Interesse daran, selbst die Möglichkeit zu erhalten, die Mietsache auf Mängel hin zu überprüfen und zu entscheiden, wie sie diese beseitigen wollen (AZ: VIII ZR 222/06). Eine Ausnahme bilden nur Notfälle.
Dipl.-Ing. (FH) Uwe Morchutt – Sachverständiger im Bereich Feuchteschutz