Buchtipp (17. Mai 2009)

Handbuch der Bauwerksabdichtung

Feuchte Keller sind charakteristische Schwachstellen bei Altbauten, aber zunehmend auch bei Neubauten. Vor allem wenn man bedenkt, dass Keller heutzutage eine andere Nutzung als in früherer Zeit erfüllen müssen. Denn die Nutzung bestimmt die Abdichtungsplanung! Die Ursache von Feuchteschäden ist in der Regel schnell ausgemacht: mangelhafte Vorbereitung und Planung sowie fehlerhafte Ausführung der Bauwerksabdichtung. Die Abdichtungsprodukte für sich sind zuletzt dafür verantwortlich zu machen. Schäden durch fehlerhafte oder falsche Abdichtung können im Nachhinein nur sehr mühsam und kostenintensiv beseitigt werden. Sind die Bodenplatte und die Kellerwände erst einmal im Erdreich verschwunden, können sie nur schwer auf Schäden hin begutachtet und diese ohne weiteres behoben werden.

Ein Blick auf die Schadenshäufigkeit bei Gebäuden zeigt, dass die Abdichtung gegen Feuchtigkeit mit 25 Prozent klar an erster Stelle aller Schäden steht (Quelle: Bau-Prüfverband). Hieraus resultiert eine eindeutige Forderung: Abdichtungsarbeiten gehören in die Hände von Profis! Soll heißen: Die Kenntnis und Anwendung aktueller Normen, Richtlinien und Merkblätter sind unbedingte Voraussetzung für eine erfolgreiche Planung, Ausführung und Begutachtung von erdberührten Abdichtungsarbeiten. Oder anders ausgedrückt: Nur wer die Transportvorgänge des Wassers (flüssig und gasförmig) kennt, ausgehend vom jeweiligen Lastfall, ist in der Lage, eine sachgerechte Vermeidung und Beurteilung von Feuchteschäden explizit vorzunehmen. Es bedarf zudem bauphysikalischer Grundkenntnisse. Der Begriff „Bauwerksabdichtung“ umfasst prinzipiell den Schutz von Bauwerken gegen eindringendes Wasser.

Unzählige Fachbücher über die Bauwerksabdichtung weisen auf die komplizierte Materie hin, die dennoch von vielen Bauherren und Bauausführenden nicht den erforderlichen Ernst erfahren. Das kürzlich im Rudolf Müller Verlag, Köln, erschienene „Handbuch der Bauwerksabdichtung“ ist ein neuerlicher Beleg dafür, dass die Fachwelt diese bisweilen komplizierte Problematik fachlich fundiert behandelt. Ein Blick in das Werk soll zeigen, ob der potentielle Nutzer damit die Bauwerksabdichtung mangelfrei realisieren kann.

Bekanntlich läuft in Deutschland nichts ohne Normen und Standards, so dass es unabdingbar ist, die wichtigsten davon zu kennen. Bauwerksabdichtungen machen da keine Ausnahme, im Gegenteil, es gilt eine Vielzahl an technischen Vorschriften zu beachten. Hier setzt das Handbuch an, in dem es einen umfangreichen Einblick in die wichtigsten Abdichtungsstandards gewährt. Man bedenke, dass ein Abdruck von DIN-Normen, auch auszugsweise, nur mit ausdrücklicher Genehmigung des DIN, wenn man diese überhaupt bekommt, gestattet ist. Schon aus diesem Grund erfährt das Werk seine Wertschätzung, da allein die Beschaffung der DIN-Normen sehr kostenintensiv ist. Beispiel: Die neue DIN 18 195-2 – Stoffe (04/2009) kostet allein schon 68 €. Natürlich darf das Berufsbild des „Holz- und Bautenschützers“ zum Einstieg des Werkes nicht unerwähnt bleiben, ist der Herausgeber doch der Holz- und Bautenschutzverband.

Hinweise und textliche Einblicke in die wichtigsten fachlichen und vertragstechnischen Regelwerke für die Abdichtung erdberührter Bauteile durchziehen somit das Werk wie ein roter Faden. Die Sammlung beginnt mit dem Abdruck der VOB Teil B Ausgabe 2006, der sich eine Übersicht über wesentliche Allgemeine Technische Vertragsbedingungen (ATV DIN) nach VOB Teil C anschließt. Leider fehlt in diesem Zusammenhang der Hinweis auf das wichtige BGH-Urteil (Az: VII ZR 55/07) vom 24. Juli 2008, das keine Privilegierung der VOB/B bei Verwendung gegenüber Verbrauchern (u.a. private Bauherrn) vorsieht.

Im Anschluss daran erfolgt eine umfangreiche Auszüge-Sammlung aus der DIN 18 195 - Teile 1 bis 10 einschließlich Beiblatt (01/2006): „Bauwerksabdichtungen“. Mit der abgewandelten DIN 18 195  ((08/2000) wurde die kunststoffmodifizierte Bitumendickbeschichtung (KMB) erstmals in die Abdichtungsnorm aufgenommen, die kurioserweise bis heute ein Streitpunkt darstellt, obwohl sie in der Praxis die Abdichtungszenerie beherrscht. Der Teil 2 dieser Norm – Stoffe - wurde im November 2008 angepasst, da sich durch die Europäische Technische Zulassung der ETAG 005: „Abdichtungen mit Flüssigkunststoffen – Dächer, Balkone und Terrassen“ sowie der ETAG 022: „Leitlinie für die Europäisch Technische Zulassung für Abdichtungen für Wände und Böden in Nassräumen, Teil 1: flüssig aufzubringende Abdichtungen mit oder ohne Nutzschicht“, Ausgabe vom 18. Juli 2007, eine Korrektur erforderlich machte.

Mit einem Auszug aus der DIN 4095 „Dränung zum Schutz baulicher Anlagen“ vom Juni 1990 wird die Bedeutung der baugrundspezifischen Betrachtung gebührend behandelt. Der freiwillige Verzicht auf ein Baugrundgutachten ist oftmals der Beginn einer Reihe von vermeidbaren Feuchteschäden!

Da die DIN 18 195 nach wie vor nicht alle Abdichtungssysteme, die sich in der Praxis bewährt haben, behandelt, man denke nur an die praxistauglichen Dichtungsschlämmen, erfolgen wichtige Verweise auf diese Abdichtungsverfahren hinsichtlich deren Verwendung in den vorhandenen Merkblättern und Richtlinien, wie z.B. zu wasserundurchlässigen Baukörpern, zu Fugen, zur Injektionstechnologie, zum nachträglichen Abdichten, zu Horizontalsperren sowie zum Bereich der Sockelausbildung an Gebäuden. Beachte: Die DIN 18 195 ist nur für den Neubau heranzuziehen. Nachträgliche Bauwerksabdichtungen, die inzwischen die Mehrzahl der Gebäude in Deutschland betreffen, werden darin nicht behandelt!

Ein großes Betätigungsfeld ist darüber hinaus der Bereich der wasserundurchlässigen Betonbauwerke. Dabei handelt es sich um Bauwerke, bei dem die Außenwände, die Bodenplatte und die Decke aus so genanntem wasserundurchlässigem Beton hergestellt sind. Die gern auch als „Weiße Wanne“ im Gegensatz zur „Schwarzen Wanne“ (KMB und Kunstoff- und Bitumenbahnen - DIN 18 195, EN 13 969) bezeichnete Bauweise ist berechtigter Weise in die Kritik geraten, weil in der Praxis immer wieder Undichtigkeiten, insbesondere durch Risse oder im Bereich von Fugen, auftreten. Außerdem kann durch Diffusion, Druckgefälle und kapillare Saugfähigkeit ein Feuchtetransport nicht gänzlich ausgeschlossen werden. Vor allem dann, wenn eine höhere Nutzung (z.B. beheizte Kellerräume!) gefordert wird. Eine lückenlose Betonüberwachung unter Einhaltung aller Gütekriterien und die Fugenproblematik sind altbekannte Schwachstellen dieser Bauweise, die es auf der Baustelle ohne Abstriche zu überwachen gilt. Nicht von ungefähr befassen sich gerade die im Werk abgedruckten Merkblätter (Zement-Merkblatt Hochbau H10 – 08/2008), die WU-Richtlinie (08/2007) und das Zement-Merkblatt Betontechnik (01/2002), das sich mit der diffizilen Fugenproblematik befasst, mit dieser betonspezifischen Materie.

Der abschließende Güteschutz äußert nicht gerade neue Vorbehalte gegen die Abdichtung mit KMB. Verfechter der Bahnenware sehen die KMB-Abdichtung nach wie vor kritisch, ist es doch ein Wettbewerber auf dem Markt. Bei akkurater Planung und Ausführung ist gegen die KMB-Abdichtung aber nichts einzuwenden. Die Ursache für Durchfeuchtungsschäden von Kellerwänden, die mit KMB behandelt sind, liegt in der Regel an Verarbeitungsfehlern. Die entstehen dort, wo Personal mit fehlenden Kenntnissen eingesetzt wird, die gerade an den Detailpunkten Fehler begehen. Derartige Fehler können beispielsweise nicht gefasste Kanten, unsachgemäß gerundete Kehlen, aber auch hervorstehende Grate oder nicht geschlossene Vertiefungen sein. Eine lückenlose Kontrolle mit Protokoll der Mindestschichtdickenmessung bringt hier die erforderliche Sicherheit. Ansonsten sind Durchfeuchtungsschäden natürlich vorprogrammiert.

Das Handbuch wendet sich nach eigener Aussage an Fachbetriebe, Bauunternehmen, Architekten und Sachverständige. Genauer gesagt: an Leute vom Baufach! Es ist insgesamt eine interdisziplinäre Ansammlung an Standards, die einen guten Überblick über die Abdichtungsproblematik insgesamt vermittelt und in dieser Form seines gleichen sucht, da jede Abdichtungssparte bekanntlich nur ihre ureigene Abdichtungsmaterie kommentiert. Allein schon der Kostenvorteil ist bemerkenswert, würde man sich dagegen alle DIN-Normen besorgen müssen. Hier und da hätte man sich eine professionelle Kommentierung und Ergänzung des Autorenteams gewünscht. Für Einsteiger, aber auch Fortgeschrittene der Materie liefert dieses Handbuch einen umfangreichen Wissenstransfer in die bisweilen komplizierte Abdichtungsproblematik. Einen auf der Höhe der Zeit befindlichen Abdichtungsexperten bringt das Handbuch indes keine neuen Erkenntnisse.
Dipl.-Ing. (FH) Uwe Morchutt – unabhängiger Sachverständiger in Bereich Feuchteschutz - u.a. Autor + Herausgeber von „Praxisgerechte Bauwerksabdichtungen“ (bis 11/2007)

Bibliographische Angaben zum Buch:
Herausgeber: Deutscher Holz- und Bautenschutzverband e.V. (DHBV)
Autoren:
  - Prof. Dr.-Ing. Wilhelm Fix,
  - Rainer Spirgatis und
  - Dr. Friedrich Remes.
2008. DIN A4. Gebunden. 300 Seiten mit 149 Abbildungen und 81 Tabellen
89 Euro - ISBN 978-3-481-02503-8
Verlagsgesellschaft Rudolf Müller GmbH & Co. KG