Fertighäuser: Nachfrage sinkt drastisch (16. März 2009)
Das 1900 gegründete Traditionsunternehmen Kampa aus Westfalen muss den beschwerlichen Gang zum Insolvenzrichter antreten. Es ist der vorläufige Schlusspunkt einer rasanten Berg- und Talfahrt in den letzten Jahren. Die Kampa AG und ihre Tochtergesellschaften sind zahlungsunfähig, heißt es emotionslos in einer Pflichtmitteilung des Unternehmens. Kampa, Europas führender industrieller Komplettanbieter im Ein- und Zweifamilienhausbau (Anm.: eigene Angaben), ist das erste prominente Opfer, das durch die sinkende Baunachfrage in die Insolvenz muss. Beim Blick auf die Überkapazitäten (über 50 Anbieter von Fertighäusern!) wird nicht nur Experten klar, dass weitere folgen werden! Unter den Marken Kampa und Hebel Haus entwickelte, fertigte und vertrieb das Unternehmen Häuser in der Massiv- und Fertigteil-Bauweise.

Heuschrecke verschlingt Haus!
So las es sich am 1. November 2006: Der Private-Equity-Investor Triton hat sich die Mehrheit am Fertighaushersteller Kampa gesichert. 2006 war der Finanzinvestor Triton bei Kampa eingestiegen. Triton gewährte Kampa damals einen Kredit und ein Überbrückungsdarlehen von insgesamt 58 Mio. Euro. Das investierte Geld sollte am Ende zehn Prozent Rendite pro Jahr einbringen! Kampa hatte im Januar 2009 seine Verluste für das Jahr 2008 mit 23 bis 24 Millionen Euro beziffert. Kampas Verlust belief sich schon im Geschäftsjahr 2007 auf 35 Mio. Euro, wobei 2006 noch ein Überschuss von 7,5 Mio. Euro erwirtschaftet wurde. Der Umsatz brach um 29,8 Prozent auf 158,4 Mio. Euro ein. Schon im Sommer 2007 hatte Kampa wegen des schwachen Fertighaus-Marktes Verluste in zweistelliger Millionenhöhe für 2007 prognostiziert.

Fertighäuser: Kampf ums leidige Image
Sonderangebot bei Tchibo: Bohnenkaffe und Fertighäuser! Mit dem Image von Fertighäusern ist es bekanntermaßen so eine Geschichte. Für die einen sind die Fertigteilbauten schmucklose Uniform-Kästen, in die sie niemals einziehen würden. Für die Befürworter überwiegen hingegen die durchaus gewachsenen positiven Eigenschaften. Einer Allensbach-Umfrage zufolge schätzen potenzielle Fertigteilhaus-Liebhaber die Energieeffizienz, die kurze und unkomplizierte Bauphase sowie das Preis-Leistungsverhältnis. Trotzdem haben gegenwärtig immer weniger Lust ein Fertighaus zu bauen. Von den vor Jahren angestrebten 20 Prozent Marktanteil an den Ein- und Zweifamilienhäuser ist man soweit entfernt wie noch nie in den letzten zehn Jahren (2008: 10,50 Prozent Marktanteil!).

   

Fertighäuser leiden besonders im schrumpfenden Markt
1999 wurden noch 32 000 Fertighäuser von damals insgesamt 215 772 genehmigten Ein- und Zweifamilienhäusern für den Bau zugelassen. Darunter ca. 15 000 in der Holzfertigteil-Bauweise. 2002 waren es nur noch 20 691; 2003 kamen von den rund 155 900 genehmigten Ein- und Zweifamilienhäuser ca. 20 300 auf die Fertighaussparte; 2005 waren es noch 18 830 von rund 133 550 genehmigten Ein- und Zweifamilienhäusern. 2006 waren es 18 934 von 133 189 Ein- und Zweifamilienhäusern. 2008 sank die Zahl der Baugenehmigungen für Ein- und Zweifamilienhäuser gegenüber 2007 auf nur noch 73 269.  Die Situation am Markt ist aufgrund der sinkenden Baunachfrage als äußerst angespannt anzusehen. Vorläufigen Schätzungen zufolge wurden 2008 bundesweit nur noch 7700 Fertighäuser errichtet - das waren noch mal 2500 weniger als 2006. Der Marktanteil liegt also nur noch bei etwas über 10 Prozent. Besonders heftig war also auch der Einbruch bei den Fertighäusern. 2007 wurden 8900 Fertighäuser und 2006 11 200 gebaut. Die Marktanteile für Fertighäuser von den insgesamt genehmigten Ein- und Zweifamilienhäusern bewegten sich in den letzten zehn Jahren  zwischen 10 und 15 Prozent (Quelle: Bundesverband Deutscher Fertigbau – BDF; destatis).

   

Was ist eigentlich ein Fertighaus?
Als Fertighaus wird ein Haus bezeichnet, das industriell vorgefertigt, in Teilen zur Baustelle geliefert und dort montiert und zusammengebaut wird. Dies erfordert im Vorfeld einen hohen Planungsaufwand, der oft nur durch standardisierte Lösungen realisiert werden kann.

Planung: besonders wichtig
Da die meisten Baufehler bereits in der Planungsphase entstehen, kommt auf die Planung eines Fertighauses besonderes Augenmerk zu, da Änderungen im Nachhinein schwer umzusetzen und somit teuer sind.

Bauherrenpflichten: niemals unterschätzen
Wie im normalen Leben, sprich beim traditionellen Bauen, muss sich der Bauherr zuerst um ein geeignetes Baugrundstück (erschlossenes Grundstück) bemühen. Um die Standfestigkeit des Hauses dauerhaft zu gewährleisten, ist jedem Bauherrn zu empfehlen, ein geologisches Gutachten (Baugrundgutachten!) anzufertigen. Soll das Haus einen Keller erhalten, muss sich der Bauherr in der Regel um alles selber kümmern. Also um die schwierigsten Arbeiten bei einem Hausbau überhaupt (Bauwerksabdichtungsmaßnahmen!). In der Regel beginnen viele Fertighausfirmen erst mit der Bodenplatte ihre Aktivitäten!
Beachte: Feuchtigkeitsschäden sind die häufigsten Schäden an Gebäuden insgesamt!

Selbstverständlich benötigt der Bauherr auch bei einem Fertighaus eine Baugenehmigung. Damit Fertighäuser letztendlich auch winddicht (luftdicht) sind (EnEV!), müssen die Stöße (Fugen), an denen die einzelnen Elemente verbunden werden, sehr sauber und fachmännisch akkurat ausgeführt werden. An diesen Punkten kann es sonst schnell zu Undichtigkeiten und Wärmebrücken (Feuchteschäden!) kommen (Blower-Door-Test!).umo